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Ab in den Süden

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

menandchicken Größeres Bild

Ganze drei Filme starten in dieser Woche. In Worten: drei. Was macht ihr eigentlich noch hier? Ab nach Karlovy Vary. Das in diesem Jahr zum 50. Mal stattfindende Filmfestival (www.kviff.com) in der beschaulichen Bäderstadt, gerade mal 80 Kilometer südlich von Chemnitz gelegen, wird Anfang Juli wieder von Filmfreunden überrannt. Bei Sommerwetter schaut man zehn Tage lang Kino draußen und drinnen oder belagert den roten Teppich, wenn der ein oder andere Hollywood-Star den Job mit der Erholung verbindet und in den Kurort kommt. Im letzten Jahr war Mel Gibson da und gratuliert gerade im Festivaltrailer zum runden Geburtstag. Den feiert Karlovy Vary mit einem spannenden Programm osteuropäischer und internationaler Produktionen. Mit »Heil« von Dietrich Brüggemann ist in diesem Jahr auch endlich wieder ein deutscher Beitrag im Wettbewerb zu sehen. Gewagte Wahl, mal sehen, wie das cinephile, tschechische Publikum reagieren wird. Wir sind auf jeden Fall vor Ort, wenn sich der Vorhang im Großen Saal erhebt und berichten auf kreuzer-leipzig.de von unseren Festivalerlebnissen.

Film der Woche: Die eigenen Filme von Regisseur Anders Thomas Jensen (»Adams Äpfel«), der als Drehbuchautor zahlreiche dänische Kinohits verantwortet und mit Susanne Bier den Oscar für »In einer besseren Welt« erhielt, tanzen immer gerne aus der Reihe. Was sich Jensen für »Men & Chicken« ausgedacht hat, toppt aber alles bisher Dagewesene. Er schickt die ungleichen Brüder Gabriel und Elias auf Spurensuche nach ihrem Vater, einem durchgeknallten Wissenschaftler. Ihn finden sie nicht, dafür aber ihre drei derangierten Brüder, von denen sie bislang nichts wussten. Einer von ihnen ist seltsamer als der andere – und gleiches gilt für die Szenen des Films. Der Plot schlägt immer skurrilere Haken, stets überraschend und zum Schreien komisch. Allein der Anblick von Mad Mikkelsen mit Schnauzbart ist die Kinokarte wert.

»Men & Chicken«: ab 2.7., Passage Kinos

Arnaud trifft in seinen Sommerferien auf Madeleine, die ganz anders ist als er. Während er das Leben locker nimmt, zieht sie ein hartes Überlebenstraining durch, da sie fest davon überzeugt ist, dass der Weltuntergang kurz bevorsteht. Sie ist schroff, unbeirrbar und faszinierend. Bevor Arnaud weiß, wie ihm geschieht, hat er sich zusammen mit Madeleine beim großen Survival-Training angemeldet. Und bekanntlich ziehen sich Gegensätze an. In Frankreich wurde die ungewöhnliche Liebesgeschichte, die beim Filmfestival in Cannes ihre Premiere feierte, mit drei Césars ausgezeichnet. Bei uns bekommt sie einen dämlichen Titel und ein furchtbares Plakat. Davon abhalten, ins Kino zu gehen, sollte das allerdings niemanden.

»Liebe auf den ersten Schlag«: ab 2.7., Passage Kinos

Die kleinen gelben Lakaien des grantigen Gru irrten ja im zweiten Teil der »Ich – Einfach unverbesserlich« Reihe etwas orientierungslos durch die wenig originelle Szenerie. In ihrem eigenen Spin-Off besinnen sie sich wieder auf ihre eigentliche Bestimmung: böse sein. So machen sie sich auf die Suche nach einem neuen Herren, den sie in einer Frau finden – der biestigen Scarlet Overkill. Der Weg dahin ist mit reichlich Slapstick und unaufhörlichem Gebrabbel der grenzdebilen Gnome gefüllt. Das ist recht unterhaltsam, aber nur selten wirklich einfallsreich. Mal sehen wie sich die »Rabbids« schlagen, denen die »Minions« einen guten Teil ihrer DNA verdanken und die im Herbst in ihr erstes Kinoabenteuer starten sollen.

»Minions«: ab 2.7., Regina Palast, CineStar, Cineplex

 

Die Filmtermine der Woche

Fargo

Zur Lösung seiner finanziellen Probleme heuert ein Autoverkäufer zwei Ganoven an, die seine Frau entführen sollen. Das führt zu Chaos und Mord, was eine resolute schwangere Polizistin auf den Plan ruft. Brillante schwarze Krimisatire aus dem Provinz-Kosmos des winterlichen North-Dakota. Zwei verdiente Oscars 1997. Saisonauftakt mit Cocktailbar und einer psychoanalytischen Filmeinführung von Dr. Mechthild Zeul
2.7., 21 Uhr, 2cl – Sommerkino auf Conne Island (OmU)

 

Rabazz Filmfest 

Der Landesfilmdienst Sachsen präsentiert das Kinder- und Jugendfilmfestival zum dritten Mal. Auf Leinwand und Straße wird wie wild Rabazz gemacht. Spannende, lustige, abenteuerliche, alberne und auch ernste Filme beleben die Kinosäle des Cineding, der Kinobar Prager Frühling und der Spielstätte ASB „Am Sonnenpark“. In diesem Jahr beschäftigt es sich mit dem, was wir alle brauchen: HEIMAT, FAMILIE, KULTUR und IDENTITÄT.

29.6.–12.7., Cineding u.a.

http://www.rabazz-filmfest.de/

 

Cinema Shalom – Das Jüdische Filmfestival Berlin zu Gast

Lonely Planet

Edan Zeiras Werk verquickt Archivmaterial, fiktive Szenen sowie inszenierte und echte Dokumentaraufnahmen zu einem großen fantasievollen Ganzen und ergänzt sie mit absurden und grotesken Elementen. Eine Kooperation der Cinémathèque Leipzig mit dem Jüdischen Filmfestival Berlin.

3.7., 18 Uhr, Cinémathèque in der naTo

 

We are here

Wo finden sich noch jüdische Spuren im gegenwärtigen Polen, in dem bis 1945 mehr als 90 Prozent der einst drei Millionen polnischen Juden durch die deutschen nationalsozialistischen Besatzer ausgelöscht wurden, und wie wird jüdisch-polnische Identität heute gelebt? Die kanadische Filmemacherin Francine Zuckerman trifft in ihrem Film auf fünf Menschen zwischen Gewissheit und Zweifel. – mit einem einführenden Gespräch mit David Kowalski

3.7., 20.30 Uhr, 2cl – Sommerkino auf Conne Island

Anderswo

Seit 8 Jahren wohnt die Israelin Noa in Berlin. Gerade ist sie bei ihrem deutschen Freund Jörg eingezogen. Aber irgendetwas hakt: Ihre Doktorarbeit über Übersetzungsprobleme geht nicht voran, sie fühlt sich unverstanden, auch von Jörg. Noa entschließt sich zu einem spontanen Heimaturlaub in Israel. – Cinema Schalom – anschließend Filmgespräch mit der Regisseurin Ester Amrami

4.7., 19.30 Uhr, Cinémathèque in der naTo

Fragile

Vidi Bilu zeichnet ein eindringliches Bild des israelischen Alltags der sechziger Jahre in einer politisch angespannten Zeit und porträtieren anhand des Neuanfangs einer Ehefrau und Mutter eine ganze Generation. – Cinema Schalom

4.7., 22 Uhr, Cinémathèque in der naTo

Bureau 06

Fast ein Jahr ohne Kontakt zur Außenwelt, untergebracht in einem Hochsicherheitstrakt, Arbeit unter großer physischer und psychischer Belastung. Elf Menschen begeben sich 1960 freiwillig in diese Situation, um den bedeutendsten Gerichtsprozess Israels vorzubereiten. Angeklagt ist Adolf Eichmann, einer der zentralen Organisatoren des Holocaust. Der Dokumentarfilm zeichnet das Porträt einiger Ermittler in diesem einzigartigen Fall. Mit Filmgespräch

5.7., 20.30 Uhr, 2cl – Sommerkino auf Conne Island

Friends from France

1979 in der UdSSR: Carole und Jerome, junge französische Juden, kontaktieren während ihrer Reise nach Odessa die in der Sowjetunion verfolgten und schikanierten Juden, denen man die Ausreise verweigert. Die beiden jungen Cousins spielen tagsüber brave Touristen und bringen den sogenannten Refuseniks abends Medikamente. Bald leben sie in ständiger Angst vor dem KGB und müssen feststellen, dass sie niemandem trauen können.

5.7., 18 Uhr, Cinémathèque in der naTo

 

Terminator

Der Klassiker von James Cameron, pünktlich zum Start des fünften Teils noch einmal auf der großen Leinwand.

3.7., 22.30 Uhr, CineStar

 

Treppenkino open air

Das Festival B_Tours gastiert vom 2.-12. Juli in Leipzig und hat sich auf die Fahnen geschrieben, den Bewohnern ihre Stadt aus einem anderen Blickwinkel zu zeigen. Unter dem Titel »Urban Narratives« finden zwei Filmprogramme parallel dazu im Treppenkino statt: »Cities shaping Pople« (2.-5. 7.) und »People Shaping Cities« (9.-12.7.).

– Urban Narratives Teil 1 – Cities shaping People – mit DJ-Begleitung
3., 5.7., 21.30 Uhr, Schaubühne Lindenfels

– Urban Narratives Teil 2 – People shaping Cities
9.7., 21.30 Uhr, Schaubühne Lindenfels

 

Verdrängung hat viele Gesichter

Das Problem der Gentrifizierung am Beispiel Berlin Treptow. Über einen Zeitraum von fünf Jahren hat das »Filmkollektiv Schwarzer Hahn« den Kiez mit der Kamera begleitet. In einem Mix aus Interviews, Aufnahmen von Baustellen, Demonstrationen und Versammlungen zeichnet der Film ein konkretes Bild und steht stellvertretend für viele andere Stadtteile mit gleichen Problemen.

4.7., 17 Uhr, Cineding

 

Glaube Liebe Hoffnung

Der Film begleitet eine Gruppe radikaler Jugendlicher. Er erzählt vom zerstörten Land, von Langeweile und Gewalt – von »Papa«, André, Dirk Zimmermann und von Skins und Leipzig nach der Wende. Dieser Dokumentarfilm macht sich auf die Suche nach Bildern hinter den Gewaltaktionen und der Mentalität der Rechten. Er zeigt trostlosen Alltag und spießige Sehnsüchte. Matinee mit Kaffee und Kuchen

5.7., 11.30 Uhr, Passage Kinos

 

Nouvague pres. Blue Surf film Nacht Leipzig: Splinters

Der Film dokumentiert die Entwicklung des Surfsports in Papua-Neuguinea. In den 1980ern hinterließ ein abenteuerlustiger australischer Pilot sein Surfboard in Lido – einem kleinen Dorf am Meer. 20 Jahre später ist surfen nicht nur ein fester Bestandteil des Dorfleben sondern auch eine Frage des Prestiges.

5.7., 21.30 Uhr, Sommerkino auf der Feinkost

 

Speculative Fiction Series III Episode 3

Die Klasse Expanded Cinema an der HGB zeigt die Videoarbeit »Neil Beloufa, Kempinski« (2007) und die Musik-Doku »Sun Ra, Space is the Place« (1974).

7.7., 20 Uhr, LURU-Kino in der Spinnerei

 

Die Völkerverständigung, die klappt ganz gut

Die Tour International Danubien führt über 2.500 Kilometer die Donau entlang. Der Leipziger Historiker Daniel Weißbrodt ist mitgefahren und hat einen Dokumentarfilm daraus gemacht.

9.7., 20 Uhr, Cineding

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