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Verpasster Lebenstraum im Grand Hotel Borna

Schauspielerin Susanne Bolf über ihr neues Solostück und Komponieren ohne Noten

Susanne Bolf Größeres Bild

Trällernde Naziwirtin bei »Adolf Südknecht« und untalentiertes Schreikind, das unbedingt auf die Bühne will (MB-Sommertheater 2014): Susanne Bolf kann viele Figuren und besonders kann sie schrill. Mit »Meine letzte Show« setzt sie sich nun mit einem Solo in freie Szene.

kreuzer: Ob bei der Theaterturbine oder in »Adolf Südknecht«: Man kennt Sie in Leipzig vor allem als Teamplayerin. Woher rührt jetzt die Lust auf einen Soloabend?

SUSANNE BOLF: Das wäre mir allein nie in den Sinn gekommen. Ich habe Kollegen beobachtet, die auf Solofüßen unterwegs waren, und dachte: »Oh, nö! Das tue ich mir nicht an.« Mein Freund hat aber als Regisseur gemeint, ob wir nicht gemeinsam etwas machen wollen, und auf diese Teamarbeit hatte ich Lust. Da fühlte ich mich nicht allein auf der Bühne und einen Musiker habe ich ja auch noch dabei.

kreuzer: Allein fühlen Sie sich auf der Bühne verloren?

BOLF: Ich hatte schon sehr mit Ängsten zu kämpfen, mir ging Wochen vor der Voraufführung total die Muffe. Aber das war bei meiner ersten Improshow auch so. Wenn ich es dann mache, ist es gut. Das Spielen fühlte sich dann warm und im Fluss an, da konnte ich mich entspannen.

kreuzer: Das flaue Gefühl vorher unterstützt den intensiven Probenprozess?

BOLF: Ja und nein. Gut vorbereitet waren die Lieder, die ich über Monate geschrieben habe. Mit dem Musiker Richard Holzapfel liefen auch die einzigen kontinuierlichen Proben. Das andere ist assoziativ um die Lieder entstanden. Da weiß ich für jede Szene die Linie, aber habe die Texte nicht auswendig gelernt.

kreuzer: Worum geht es denn?

BOLF: Ums Träumeverwirklichen und was uns daran hindert. Eine Frau Mitte 40 mit verpasstem Lebenstraum landet als Rezeptionistin am drittklassigen Provinzhotel, das Grand Hotel Borna, und sie möchte gern singen. Auf einer Firmenfeier traut sie sich mit einem selbst geschriebenen Lied über das Hotel auf die Bühne und legt einen Bauchklatscher hin. Zu dieser Figur kommen dann viele andere, die auch Facetten von ihr oder mir sind. Dieser fliegende Wechsel macht den Reiz des Stücks aus.

kreuzer: Auch als Wirtin bei »Adolf Südknecht« singen Sie. Eine persönliche Leidenschaft?

BOLF: Ja! Ich singe einfach furchtbar gern.

kreuzer: Die Lieder haben Sie selbst geschrieben. Können Sie Noten?

BOLF: Nein, ich kann nur singen. Ich schreibe erst die Texte und suche dann Musik oder Richard hat sie komponiert. Einmal habe ich ihm auf den Anrufbeantworter gesungen, um mir die Melodie zu merken.

kreuzer: Sie sind oft im Improtheater zu sehen. Kann man das proben und worin liegt der Reiz für Sie bei der Improvisation?

BOLF: Man kann üben, zusammenzuspielen, Verbindungen miteinander auf der Bühne aufzubauen, eine offene Haltung zu entwickeln. Der Spaß liegt in der Lebendigkeit, die daraus entsteht. Es ist wie ein Gespräch, wo man auch den anderen lauscht, jedes Mal neu eine Beziehung zum Publikum aufbaut. In einem festen Stück kannst du dich mehr auf die Details konzentrieren. Ich mag die Abwechslung zwischen beidem.

»Meine letzte Show«: 20.8. (Premiere), 23.8., 20 Uhr, naTo

Dieser Beitrag erschien auch in der August-Ausgabe des kreuzer.

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