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Ankommen mit Fußball

Was Leipziger Vereine Geflüchteten anbieten

Aushangkasten der Sachsenstube im Alfred-Kunze-Sportpark, Foto: B. Schlehahn Größeres Bild

Integration durch Fußball findet vielerorts seit einigen Jahren statt. Seit diesem Jahr fördert der Deutsche Fußball-Bund Profi- und Amateurvereine mit neuen Programmen. Die DFB-Broschüre »Willkommen im Verein. Fußball mit Flüchtlingen« wirbt mit dem SV Lindenau 1848. Wie sieht es anderswo aus? Welche Angebote werden den Geflüchteten seitens der Leipziger Fußballvereine offeriert?

Am 23. August startet ein bisher in Deutschland einmaliges Projekt, wenn das Team Welcome United in der Kreisliga Havelland antritt. Ausgestattet mit den dafür erforderlichen Spielerpässen debütiert die Elf als erstes Team von Geflüchteten im organisierten deutschen Männerfußball und firmiert als dritte Mannschaft des Regionalligisten SV Babelsberg 03. Bereits seit einem Jahr existiert die Mannschaft. Ihr allererstes Freundschaftsspiel absolvierte sie im letzten Sommer noch unter dem Namen Refugee Team gegen den FSV Hansa 07 Berlin an der Kreuzberger Wrangelstraße. Auf dem dortigen Kunstrasenplatz trainiert seit drei Jahren einmal die Woche eine gemischte Mannschaft von Champions ohne Grenzen. Diese Initiative bietet Kindern, Frauen und Männern offene und kostenlose Trainingsangebote in Berliner Bezirken an. Hier, wie auch beim Hamburger FC Lampedusa. werden in erster Linie Freundschaftsspiele ausgetragen, was zu einem nicht geringen Teil der Bürokratie zu schulden ist. In Babelsberg geht das Konzept über den losen Trainingszusammenhang hinaus. Der Verein organisiert die strukturell notwendigen Maßnahmen und die Fans Gelder für die Ausstattung. Das Logo der Nordkurve ziert in den nächsten zwei Jahren die Vorderseite des Welcome United-Trikots. Dies führte vor wenigen Wochen zur 11 Freunde-Auszeichnung in der Kategorie »Fanaktion der Saison«.

Nach Babelsberg und zu Champions ohne Grenzen schauten auch die Organisatoren von Refugees United. Diese Initiative entstand im Sommer 2014 seitens der BSG Chemie, der Diablos und des Fanprojektes. Ursprünglich war die Integration in den bestehenden Trainingsbetrieb geplant. Daraus entwickelten sich Feriencamps unter dem Titel Refugees United Soccerweek. Das Ostercamp besuchten 18 Kinder im Alter von fünf bis 16 Jahren aus Unterkünften im Norden und Westen. 40 (darunter drei Mädchen) kamen in der zweiten Augustwoche, in der auch ein Graffitiworkshop stattfand. Die Einrichtung einer Bundesfreiwilligenstelle für das Refugee-Welcome Projekt dient der kontinuierlichen Organisation.

Der Rote Stern initiierte nicht nur im Juni die sehr erfolgreiche Aktion »Räder für Geflüchtete«, sondern richtete im August bereits zum dritten Mal den »Refugees Welcome Cup« mit 35 Teams und 250 Teilnehmern an zwei Tagen aus.

Der United F. C. kümmert sich vor allem um junge Fußballspieler von der U-13 bis zur U-17. Als integratives Fußballprojekt des Leipziger Netzwerkes blau-gelb sieht es seine Heimstätte in Grünau. Das erste Pflichtspiel der D-Junioren fand im November 2013 gegen den SV Lindenau 1848 statt. Dieser siegte beim Wettbewerb des Integrationspreises des DFB und Mercedes-Benz 2014 in der Kategorie Verein. Als erster ostdeutscher Verein mit dieser Auszeichnung überhaupt begannen die ersten Kontakte zu einer Unterkunft in der Nähe des Vereinsgeländes am Charlottenhof. Lindenau 1848 nimmt an den für Dritt- und Regionalligisten sowie Amateurvereine eingerichteten Programm »1:0 für ein Willkommen« der DFB-Stiftung Egidius Braun und der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration teil. Es startete im März 2015. Hierbei werden jährlich 600 Vereine mit je 500 Euro unterstützt. Die Gelder stammen von der Stiftung, der deutschen Männernationalmannschaft sowie der Bundesregierung. Als förderfähige Punkte werden gelistet: Spielangebote auf dem Platz ohne Vereinsmitgliedschaft, Schulpatenschaften, kostenfreie Mitgliedschaft, Trainingstextilien, Fahrtdienste von der Unterkunft zum Sportplatz. Thomas Hackbarth vom DFB spricht von einer riesigen Resonanz aus allen Bundesländern. Bis August hatten sich für dieses Projekt bereits über 500 Vereine beworben.

Der FC International unterhält Kontakt zu drei Leipziger Flüchtlingsheimen. Im Nachwuchsbereich kicken zehn Kinder aus Flüchtlingsfamilien, welche die Vereinsmitgliedschaft besitzen.

Auf der Pressekonferenz vor dem Pokalspiel gegen den VfL Osnabrück verkündete RB, dass der Verein 50.000 Euro für die Leipziger Flüchtlingsarbeit spendet. Die nach dem Umzug in das neue Gebäude des 35 Millionen Euro teuren Trainingszentrums am Cottaweg nicht mehr benötigten Container verkauft RB zu einem »sehr symbolischen Preis« an die Stadt. Außerdem agiert RB als Leipziger Schirmherr der Initiative »Willkommen im Fußball«. Sie wurde im April 2015 von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung gemeinsam mit der Bundesliga-Stiftung und der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration initiiert, um Fußball mit seiner »herausragenden Bedeutung und Integrationskraft« für Geflüchtete anzubieten. Dabei sollen vor allem niedrigschwellige Angebote für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis zu 27 Jahren bereitgestellt werden.

Von organisatorischer Seite können an diesem Projekt Fußballvereine der 1. und 2. Bundesliga teilnehmen, die in Willkommensbündnissen mit lokalen Bildungsträgern, Amateurvereinen und bürgerschaftlichen Initiativen das Projekt gemeinsam betreuen, sodass sich Fußball neben Kultur-, Bildungs- und Vernetzungsangeboten als Integrationshilfe wiederfindet. Die Willkommensbündnisse erhalten jährlich 7000 Euro zur Unterstützung ihrer Aktivitäten. Das Programm ist bis Ende 2016 geplant und richtet sich ausdrücklich auf Nachhaltigkeit über den Förderzeitraum hinaus. Derzeit laufen laut Ursula Csejtei von der Kinder- und Jugendstiftung Gespräche mit 14 Erst- und Zweitligisten von insgesamt 36 Ligamannschaften. Das erste Willkommensbündnis konnte Anfang August in Mainz präsentiert werden. Es verbindet den 1. FSV Mainz 05, den FC Ente Bagdad (1973 in Mainz nach Selbstaussage von Welt verändern wollenden Kapital– und Adorno-Lesern gegründet) und die Stiftung Juvente Mainz. FC Ente Bagdad bietet Trainingseinheiten, Stadtführungen sowie Ferienfahrten an, Mainz 05 Stadionführungen und Trikots. Das erste Training mit 18 geflüchteten Jugendlichen fand am 17. August statt.

RB möchte nun »step by step« – so Pressesprecher Benjamin Ippoliti auf kreuzer-Anfrage – Hilfsschritte zur Integration im Fußball aufbauen. Als Partner des hiesigen Willkommensbündnisses fungieren bisher der Flüchtlingsrat Leipzig, der Fußballverband Stadt Leipzig und Porsche Leipzig. Seitens der Amateurvereine sind der SV Lindenau 1848 und Eintracht Leipzig Süd zu verzeichnen. Mit einer Rundmail in dieser Woche adressiert an die Leipziger Fußballvereine geht RB nun auf die Suche nach weiteren Partnern. Laut RB-Fanbeauftragten Ingo Hertzsch gegenüber kreuzer sollen vor allem Vereine, »die in der Nähe von Flüchtlingseinrichtungen liegen«, gewonnen werden. Im ersten Informationsblatt bietet das Bündnis Hilfestellung bei der Kontaktaufnahme zu Unterkünften, Informationen zu Spielerpässen, Erfahrungsaustausch mit Vereinen, die Geflüchtete bereits integrieren, Trainingsmaterial, finanzielle Unterstützung für Übungsleiterpauschalen bei neuen Trainingsangeboten oder bei der Anfertigung mehrsprachige Flyer an.

Ein unkompliziertes Angebot wäre der freie Eintritt zu Fußballspielen.

UPDATE:

Am Sonntag gewann der FC Welcome United 03 als erste Mannschaft von Geflüchteten sein Auftaktspiel in der Kreisklasse Havelland gegen die 2. Mannschaft des ESV Lok Potsdam.

Zudem erweiterten sich die Angebote von Fußballvereinen für die Geflüchteten, die wir nicht ungenannt lassen wollen.

Das von der BSG Chemie, Fans und dem Fanprojekt initiierte Projekt »Refugees United« sammelte nicht nur Fußballuntensilien, sondern lud Geflüchtete zum Landesligaspiel gegen den FC Eilenburg ein. In den nächsten Wochen sind Fußballspiele für Geflüchtete geplant.

Bereits am letzten Donnerstag boten Mitglieder der Fußballabteilung des SV Lindenau 1848 im Richard-Wagner-Hain Spiele an. Weitere Trainingsoptionen stehen am nächsten Donnerstag ab 16 Uhr auf dem Plan.

Der Rote Stern rief nicht nur zur Demonstration für den Verbleib der Geflüchteten in der HTWK-Sporthalle auf, sondern organisiert freitags ab 18 h gemeinsame Fußballspiele mit Geflüchteten.

Die gespendeten 50.000 Euro von RB werden für einen Bolzplatz in der Unterkunft Torgauer Straße verbaut. Die erste Mannschaft sammelte Kleidungsstücke ein, um sie den Johannitern zu übergeben.

Für Hilfsangebote bitte die Johanniter vorab anfragen bzw. verständigen, sodass die Aktion auch koordiniert und kommuniziert werden kann:

http://www.johanniter.de/die-johanniter/johanniter-unfall-hilfe/juh-vor-ort/lv-sachsen/ueber-uns/nachrichten/nachrichten/so-koennen-sie-den-fluechtlingen-helfen/

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