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Schöner Sterben

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

Am Ende ein Fest_slider Größeres Bild

Zwischen zwei Festivals finden zwei spannende Veranstaltungsreihen statt, die sich in dieser Woche materialisieren: Teil zwei der Reihe »Mythos Freiheit« legt in der Cinémathèque den Fokus auf geistvolles Kino und auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz hat der Medienpavillion sein Zelt aufgeschlagen und lädt zu Filmen und Diskussionen. Wir wünschen angeregte Filmabende.

Film der Woche: Das Recht zu Sterben ist in den meisten Ländern immer noch ein Tabu. Die moderne Medizin verlängert das Leben meist künstlich mit Maschinen. Die Patienten leiden und nicht wenige von ihnen wollen, dass das Leid ein Ende hat. Das Thema Euthanasie ist immer wieder Bestandteil gesellschaftlicher Diskussion. Die wollen auch die israelischen Regisseure Tal Granit und Sharon Maymon anregen. Sie zielen aber weniger auf den Verstand als Mitten ins Herz des Publikums. Yehezkel ist 72 und lebt zufrieden mit seiner Frau Levana, die an Alzheimer erkrankt ist. in einem Altersheim. Sein Freund Max liegt im Krankenhaus und es sieht nicht gut aus. Seine Frau kann es nicht mit ansehen wie Max leidet und bittet den alten Tüftler um Hilfe. Yehezkel soll eine Maschine bauen, die es Max erlaubt, zu sterben. »Am Ende ein Fest« mauserte sich zu einem der erfolgreichsten israelischen Filme der letzten Jahre und hat auch bei uns das Potential zum Publikumshit. Eine wunderbar schelmische Komödie über das Abschiednehmen, gleichermaßen mit einem lachenden wie einem weinenden Auge. Ausführliche Kritik im Septemberkreuzer.

»Am Ende ein Fest«: ab 24.10., Passage Kinos

Dennis Stock ist Mitte zwanzig, als er den zwei Jahre jüngeren James Dean kennen lernt. Das Jahr ist 1955. Dean ist noch nicht der Star, der er einmal werden würde, die Schauspiellegende, die viel zu früh starb. Er ist sich seiner Anziehungskraft bewusst, pfeift aber auf die Vorgaben der Studiobosse. Auch Stock lässt er zappeln. Schließlich reisen sie gemeinsam nach Indiana, zu dem Farmhaus, in dem Dean aufgewachsen ist. Der Fotograf und der Schauspieler kommen sich näher, ihre Freundschaft ist jedoch flüchtig. »Life« ist ein Herzensprojekt eines Künstlers, der ebenso wie Dennis Stock (LIFE Magazine) durch seine schwarz-weiß Fotos weltberühmt wurde: Anton Corbijn. Vielleicht ist er etwas zu verliebt in den Stoff, den er in ruhigem Ton erzählt. Seine Hauptdarsteller beweisen derweil, dass sie selbst zu den hoffnungsvollsten Talenten ihrer Generation gehören.

»Life«: ab 24.10., Passage Kinos

Jahr für Jahr begeistert und bewegt das Generationen-Programm der Berlinale mit Produktionen aus Skandinavien, Großbritannien und anderen Teilen der Welt, die Kinder und Jugendliche und ihre Sorgen und Nöte ernst nehmen. Hierzulande herrscht allzu oft Klamauk im Kinderkino und jene feinsinnigen Filme kommen gar nicht erst ins Kino oder finden kein Publikum. Kinderfilm heißt bei uns in der Regel: ab ins Multiplex und irgendeinen aktuellen Animationsfilm reinziehen, der so schnell wieder vergessen, wie die Popcorntonne leer ist. Umso lobenswerter ist es da, dass der Camino Filmverleih mit »Stella« den Gewinner des Gläsernen Bären, des Hauptpreises der Berlinalesektion, nun in die Kinos bringt. Wie so oft ist es eine schwedische Regisseurin, die authentisch und mit genauem Blick die Gefühlswelt einer Zwölfjährigen beschreibt. Stella ist klein, pummelig und hält sich stets im Schatten ihrer großen Schwester Katja auf. Katja ist Eiskunstläuferin, erfolgreich und der Stolz der Familie. Als Stella sie aber dabei erwischt, wie sie sich nach dem Essen den Finger in den Hals steckt, weiß sie instinktiv, das hier etwas nicht stimmt. Mit ruhiger Hand und nie hysterisch schildert Sanna Lenken die Auswirkungen, die eine Essstörung auf die Familie haben kann. Dabei wird sie nie moralisch und durchsetzt ihren Film mit warmherzigem Humor. Die jungen Darsteller spielen natürlich und der Blick ins Stellas Welt wird nicht nur Kinder berühren.

»Stella«: ab 24.9., Schaubühne Lindenfels


Die Flimmerzeit im September

mit 45 YEARS, EVEREST, LIFE und einem DVD-Tipp zum Gewinnen.

 

Weitere Filmtermine der Woche

Across the River

Low-Budget-Produktion aus dem Horrorland Italien über einen Verhaltensforscher, der im Wald mithilfe von Kameras Tiere beobachtet und durch diese Aufzeichnungen in ein verfluchtes Dorf gelangt, aus dem es kein Entkommen gibt. – Reihe Indie Spirit

25.9., 18 Uhr, Schaubühne Lindenfels (OmU)

44. Film-Literatur-Messe

Wie in jedem Jahr gibt es auch heuer wieder die traditionelle Börse für Filmpublikationen aller Art im Haus des Buches.

26.9., 9 Uhr, Haus des Buches

 

Mythos Freiheit, 2: Geist in der Cinémathèque in der naTo:

Line of Credit

Der Schuldenberg steigt unaufhaltsam an, und das trotz der Bemühungen, die Katastrophe noch abzuwenden. Alles wird verkauft, bis nichts mehr übrig bleibt. Der Film begleitet die Georgierin Nino bei ihren zahlreichen Versuchen, das Desaster für sich und die Frauen der Familie doch noch abzuwenden. – anschl. Diskussion

26.9., 18.30 Uhr

Agora – from Democracy to the Market

Die Finanzkrise hat Griechenland fest im Griff und ist aus den Nachrichtenmeldungen nicht wegzubekommen. EU-Politiker fordern Sparmaßnahmen, die die Krise noch verschärfen und seit Jahren keine Verbesserung der Situation bringen. Von den zahlreichen Rettungspaketen profitieren vor allem die Banken selbst. Der Film geht den Anfängen nach und zeigt in ganz persönlichen Geschichten das Ausmaß der Katastrophe für Familien, Arbeitslose, Rentner, Wohnungslose und Geflüchtete.

26.9., 22 Uhr

Our terrible Country

Der junge Fotojournalist tauscht die Waffe gegen die Kamera und begibt sich zusammen mit dem viele Jahre lang inhaftierten Intellektuellen Yassin al-Haj Saleh, dem »Doktor der Revolution«, auf die Reise von Douma im Osten von Damaskus nach ar-Raqqa, in die Hochburg des Islamischen Staates.

27.9., 22 Uhr

From my Syrian Room (OmeU)

Beobachtungen und Reflexionen des syrischen Malers und Filmemachers Hazem Alhamwi über seine Heimat. – anschl. Podiumsdiskussion in englischer Sprache mit dem Aktivisten Abdulaziz Ramadan und dem Theaterdramaturgen Ghiath Mhithawi

27.9., 19 Uhr

Alarm am Hauptbahnhof

Fünf Jahre ist es her, dass in der Stuttgarter Innenstadt bis zu 100.000 Menschen demonstrierend durch die Straßen zogen; gegen oder, im geringeren Maße, für das Bahn- und Immobilienprojekt Stuttgart 21. Die Regisseure begleiten die Proteste von der gewalttätigen Eskalation im Stuttgarter Schlossgarten am 30. September 2010 bis zur Landtagswahl 2011 und zeigen unterschiedliche Menschen zwischen Zorn und Engagement. Eine nüchterne Chronik mit absurden Momenten über Staat und Bürger, Wahrheit und Lüge, montiert aus kleinen Geschichten am Rande einer großen Erregung, die heute längst aus den Medien verschwunden ist. Was ist geblieben, was hat sich verändert? – anschl. Gespräch mit dem Protestforscher Dr. Peter Ullrich

28.9., 19 Uhr

Everyday Rebellion

Eine österreichische Dokumentation über moderne Formen des Protests und zivilen Ungehorsams – ob Occupy-Bewegung, Femen oder die arabische Revolution.

28.9., 22 Uhr

Die Moskauer Prozesse

Für sein Projekt versammelt der Schweizer Regisseur Milo Rau die Protagonist_innen der Prozesse um Pussy Riot und der Ausstellungen »Achtung! Religion!« und »Verbotene Kunst« noch einmal zu einer theatralen Re-Inszenierung. – anschl. Podiumsdiskussion

29.9., 19 Uhr

Beasts of the Southern Wild (OmU)

Die wundersame Reise der kleinen Hushpuppy, die sich den Monstern der Realität mit ihrer Fantasie stellen muss. Der Arthouse-Erfolg wurde 2012 zum Gewinner in Sundance.

30.9., 22 Uhr

No Man’s Zone Fukushima

Elegische Bilder totaler Zerstörung. Eine ruhige Off-Stimme sinniert über deren Genese, Wirkung und Schicksal im ständigen Bildersturm. Die Katastrophe: scheinbar ausschließlich naturgemacht. Japan nach dem 11. März 2011 ist ein Land in Schockstarre. – anschl. Podiumsdiskussion mit dem Filmwissenschaftler Dennis Vetter und der Kulturphilosophin Yana Milev.

30.9., 18.30 Uhr

 

Filmprogramm im Medienpavillon auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz:

Moritz aus der Litfaßsäule

Moritz traut sich nach einer verhauenen Mathe-Arbeit nicht mehr nach Hause und versteckt sich in der Litfaßsäule. Immer wieder wunderbarer Klassiker des DDR-Kinderfilms. + Die Mauerbrockenbande (DDR 1990)

26.9., 14 Uhr
Revolte am Ostseestrand. Die wahre Geschichte der Glatzkopfbande

Zwei Dokus: »Revolte am Ostseestrand« zum Fall hinter dem DDR-Klassiker von 1963 und »Das kurze Leben des Chris Gueffroy« (D 2011) über den letzten Mauertoten.

26.9., 17 Uhr

Antifaschismus in der DDR

Einblick statt Einheitsdenkmal: Rund um den Tag der Deutschen Einheit gibt es systemkritische Filme sowie diese zeitgeschichtliche Dokumentation im Medienpavillon am Wilhelm-Leuschner-Platz.

27.9., 17 Uhr

Filmpremiere Schülerfilm SFR

mit Podiumsgespräch und Diskussion

27.9., 19 Uhr

Diaz – don’t clean up this blood

Juli 2001: Das G8-Gipfeltreffen in Genua wird wie immer von massiven Protesten und gewaltsamen Konfrontationen zwischen Polizei und Globalisierungskritikern begleitet. Kurz nach Mitternacht stürmt die Polizei die Diaz-Pascoli-Schule, in der das Sozial-Forum für Journalisten eingerichtet ist, und schlägt mit immenser Brutalität über zwei Stunden auf die jungen Menschen ein. Am Ende hat ein Mensch sein Leben verloren und Hunderte sind schwer verletzt.

27.9., 20.30 Uhr

Kinder des Ostens

Was heißt es, ein »Kind des Ostens« zu sein? Wie haben Eltern, Autoritäten und gesellschaftliche Normen die Kinder der DDR geprägt? Außerdem: »Tod im Stasiknast. Warum starb Matthias Domaschk« (D 2006), »Für Mick Jagger in den Knast« (D 2011).

28.9., 13 Uhr

Striche ziehen

Der Dokumentarfilm von Gerd Kroske erzählt kongenial von einem gescheiterten Kunstprojekt an der deutsch-deutschen Grenze, von Freundschaft und Verrat.

28.9., 21 Uhr

Als wir träumten

Andreas Dresen verfilmte Clemens Meyers Leipzig-Roman, der seine Weltpremiere im Rahmen der Berlinale feierte, als melancholische Chronik einer Zeit des Aufbruchs und der unendlichen Möglichkeiten.

29.9., 20.30 Uhr

Der schwarze Nazi

Nicht nur die Crowdfunder sind gespannt: Endlich gibt es eine ausführliche Vorstellung mit ersten Ausschnitten zum Filmprojekt »Sikumoya« mit den Regisseuren Tilman und Karl-Friedrich König.

30.9., 19 Uhr

Kriegerin

Die Geschichte zweier junger Frauen aus einer Nazi-Clique in einer ostdeutschen Kleinstadt, die nach einem eskalierten Streit mit zwei Migranten in einen alles auf den Kopf stellenden Strudel der Ereignisse geraten. Vielfach preisgekrönter Debütfilm mit starker Hauptdarstellerin.

30.9., 21.30 Uhr

Wer dort war, schweigt

Vier Dokumentarfilme zur DDR-Geschichte: »Wer dort war schweigt – Das DDR-Militärgefängnis Schwedt zwischen Mythos und Wahrheit«, »Widerstand von Frauen in der SBZ und frühen DDR«, »Im Namen des Herrn – Kirche, Pop und Sozialismus« und »Der King Code. Martin Luther King in Berlin«

29./30.9., 13 Uhr

Dokumentarfilme: »Das Archiv des Unrechts…

– Die zentrale Erfassungsstelle in Salzgitter« und »Der 17. Juni 1953 – Volksaufstand in der DDR« von 2013 sowie »Der Beitritt. Die letzte Regierung der DDR« und »Der Fall X – Wie die DDR West-Berlin erobern wollte« aus dem Jahr 2010.

1.10., 13 Uhr

Die Waffenruhe – 20 Jahre nach dem Zerfall Jugoslawiens

Ab Juni 1991 berichtete Friedrich Orter über den Jugoslawienkrieg und den Zerfall des Tito-Staates. 2011, 20 Jahre später, dokumentiert er die Realität der Gegenwart und analysiert die Zukunftschancen der Menschen in den Nachfolgestaaten.

1.10., 18.30 Uhr

Four Moons

Vier unterschiedliche Geschichten aus Mexiko über Liebe, Sexualität und die Kunst, sich selbst zu akzeptieren. – Queerblick

30.9., 19.30 Uhr, Passage Kinos

Hin und weg

Eine letzte Radtour mit Freunden nach Belgien und ein Geständnis, das das Gruppengefüge durcheinanderwirft. Gut beobachtete Freundschaftsgeschichte mit starkem Ensemble. – Filme vom Abschied

30.9., 19.30 Uhr, Passage Kinos

Recovery – Wie die Seele gesundet

Schweizer Doku, die der Frage folgt, wie der Heilungsprozess bei psychischen Krankheiten abläuft und welche unterschiedlichen Wege zur Heilung führen können.

1.10., 19 Uhr, Moritzbastei

Waterberg to Waterberg – In the Footsteps of Samuel Maharero

Namibia 1904. Nach ihrer Niederlage gegen die deutschen Kolonialtruppen und dem Vernichtungsbefehl gegen ihn und sein Volk wird Samuel Maharero – eben noch eine der einflussreichsten Persönlichkeiten Namibias – zum Gejagten. – globaLE – anschl. Diskussion mit Gästen

1.10., 20 Uhr, Neues Schauspiel Leipzig

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