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Stellen und Kandidaten weg

Hochschulrat und Stellenabbau machen der Uni Leipzig Probleme

Beate Schücking, Foto: Franziska Barth Größeres Bild

Lange Zeit hingen sie in der Luft. Die 27 Abrissstellen der sächsischen Hochschulwelt 2016. Zwar versprach die schwarz-rote Landesregierung den Stopp des Stellenabbaus an den sächsischen Universitäten – allerdings erst ab 2017. Dennoch hofften Studierende und Lehrende bis zuletzt auf eine Rettung durch die Landesregierung. Daraus wird jedoch nichts.

Vielmehr habe die Regierung wohl seit geraumer Zeit eine Umverteilung der zu streichenden Stellen zu Gunsten der TU Dresden im Sinn, meint die Konferenz Sächsischer Studierendenschaften. Während die Dresdner Hochschule mit Exzellenzstatus von den Kürzungen verschont bleibt, wird die Leipziger Universität die Hauptlast der Streichungen im Jahr 2016 übernehmen müssen. 9 der 27 Stellen muss Rektorin Beate Schücking im eigenen Hause kürzen. Die restlichen 18 Streichungen werden auf die 12 weiteren Hochschulen Sachsens verteilt. Ursprünglich sollte die TU Dresden alle Einsparungen in diesem Jahr übernehmen.

Alle Jahre wieder, könnte man an der Uni Leipzig nun sagen. Und so wiederholt Schücking seit 2010 unablässig, dass man der Leipziger Uni den Speck bereits vom Körper gerissen habe und die Politik mit den Einsparungen seit geraumer Zeit am Muskelgewebe der Hochschule nagen würde.

Die Leidtragenden werden wieder die rund 28.000 Studierenden der Uni Leipzig sein, die letztes Jahr noch mit Nachdruck auf den Leipziger Straßen entgegnet hatten: »Kürzer geht’s nicht!«

Denn kürzer gehts anscheinend doch. Allein in den letzten beiden Jahren sind an der Uni Leipzig 48 Stellen der staatlichen Abrissbirne zum Opfer gefallen. Mittlerweile sieht man dort ganze Fakultäten bedroht und kann nur noch hoffen, dass 2017 nach dem geplanten Stopp des Stellenabbaus der Körper der Uni auch irgendwie ohne Muskeln funktioniert.

Währenddessen ist auch Tassilo Schmitt, der letzte Kandidat für die Wahl des Rektorenamts, zurückgetreten. Im Dezember hatte bereits Eduard Mühle auf die Kandidatur verzichtet. Nach Aussagen des Referenten für Hochschulpolitik der Uni, Alexander Bigerl, trägt der Hochschulrat Schuld an diesen Rücktritten. Der fiel zuletzt durch die Weigerung auf, Beate Schücking als dritten und somit letzten Kandidaten zur Wiederwahl aufzustellen.

So erneuerten Bigerl und der Studentinnenrat jetzt ein weiteres Mal die Rücktrittsforderung an den Hochschulrat: »Wie lange will der Hochschulrat noch abwarten, seinen Rücktritt einzureichen, um endlich Verantwortung für den Schaden, den er der Universität zugefügt hat, zu übernehmen?«

Als Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Wissenschaft existiert ein Hochschulrat mittlerweile an beinahe jeder Universität in Deutschland. Dennoch besitzt er im Land Sachsen mit der Ernennung der Kandidaten für das Rektorenamt weit größere, weil richtungsweisende Macht als in den meisten anderen Bundesländern. Viele seiner hochschulexternen Mitglieder wurden von der damaligen schwarz-gelben Regierung ernannt.

Der fortlaufende Stellenabbau sowie die Zerwürfnisse zwischen dem externen Hochschulrat und der Studierendenschaften scheinen immer mehr zu einer Abnahme der Qualität an der Universität Leipzig zu führen. Ein Zustand, der nicht nur die Universität bedroht. Denn wie Beate Schücking schon 2014 klagte: »Eine Stadt wie Leipzig oder Halle, was wäre die denn ohne Universität? Im Osten, wo es kaum Großkonzerne gibt, sind wir die wichtigsten Arbeitgeber.«

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