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Die Sportkolumne zu bewegten Körpern und dem ganzen Drumherum

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Nach der letzten Mitgliederversammlung von RB Leipzig am Mittwoch erklärte Geschäftsführer Oliver Mintzlaff in der spontan anberaumten »Medienrunde«: »RB ist sexy«. Dass »sexy« landläufig mit der Berliner Armut verbunden wird, dürfte bekannt sein. Aber daran stört sich die Vereinsführung keinesfalls, denn alternativ heißt es: »RB ist geil«, was hierzulande eher in Kombination mit Geiz auftritt. Diese eher schlichten Beschreibungsmuster einschließlich Alltagsassoziationen stehen kontrastreich zudem, was den Verein strukturell auszeichnet: ein elitärer Club, der für sich in Anspruch nimmt, nur diejenigen mit einer Mitgliedschaft zu bedenken – so Mintzlaff – , die sich inhaltlich in den Verein einbringen können bzw. bei Themen, die für ihn relevant sind. Die konkreten Inhalte, die Hilfe bedürfen, bleiben allerdings unausgesprochen.

Letztlich stieg die Zahl der stimmberechtigten Mitglieder innerhalb eines Jahres um drei und erhöhte die Gesamtzahl auf 17. Aber – das soll nicht verschwiegen werden – der Geschäftsführer erklärte, dass »grundsätzlich jeder einen Antrag stellen kann.« Wem die stimmberechtigte Mitgliedschaft nicht erteilt wird, der kann sich ja noch als »förderndes Vereinsmitglied« bewerben. Hier existieren drei Kategorien von Bronze (100 €, ermäßigt 70 €) über Silber (500 €) bis Gold (1000 €) sowie eine Familienmitgliedschaft für 200 €, die laut Mintzlaff am meisten genutzt wird. Interessant am Antrag ist wiederum, dass zwischen den Angaben zur Person und dem Kreuz zur Förderkategorie die Konfektionsgröße abgefragt wird. Nach der Einführung dieser stimmlosen Mitgliedschaft auf Drängen des DFB im Sommer 2014 führte dies bisher zu 280 Mitgliedern. Damit ergibt sich heuer eine Mitgliederzahl von 650. Bis Saisonende erhöht sich diese dann nach RB-Schätzung gar auf 700 Mitglieder.

Aber diese Umstände allein taugen ja weniger, um sich mit Attributen wie »sexy« und »geil« selbst zu beschreiben. Dafür stehen eher die Profimannschaft und der gewünschte Aufstieg in die 1. Bundesliga. Unerlässlich dafür sind die Stadion- und Trainerfrage, die allesamt vage beantwortet wurden. Zu letzterer befänden sich Ralf Rangnick und Oliver Mintzlaff in »guten Gesprächen«, nein gar in »Top-Gesprächen«, aber wüssten selbst angeblich noch nicht mit welchem Ergebnis. Dazu müsste der Aufstieg feststehen, um dann auch den Trainer präsentieren zu können, der diese Liga bereits kennt.

Was nun das Stadion betrifft, da scheut sich Mintzlaff nicht die Charakteristik »historisches Stadion für uns« zu verwenden, denn die jetzige Spielstätte steht für die Aufstiege. Nur am Rande bemerkt: Die Mannschaft spielt seit der Saison 2010/11 in der Innenstadt und war damals nach ihrem Einstieg in Markranstädt zur Saison 2009/10 aus der Oberliga in die Regionalliga aufgestiegen. Der weitere Aufstieg ließ einige Zeit auf sich warten, um dann zum Saisonende 2012/13 in die dritte Liga und 2013/14 in die 2. Bundesliga zu erfolgen.

Heute nun wird geprüft, ob mit einem weiteren Aufstieg der Standort noch zu halten ist, weil mit größeren Besucherströmen auch die Anwohnerschaft im Waldstraßenviertel auf neue Proben gestellt werden könnte. Aber da sich RB nicht in erster Linie um die Belange der Anrainer sorgt, sondern um Geldquellen, bedeuten mehr Zuschauer höhere Einnahmen. Bisher wird davon ausgegangen, dass sich ein neuer Standort zwischen Neuer Messe und Flughafen findet.

Dass beim Aufstieg nicht nur die Präsentation eines neuen Trainers erfolgt, sondern ein neuer Kader aufläuft, erscheint logisch. Dabei legte Mintzlaff Wert darauf, dass es sich um eine »Topmannschaft« handelt. Dabei werden keine »verrückten Sachen« gedreht, sondern junge, hochtalentierte Spieler engagiert. Die bereits in den letzten Spielzeiten umgesetzte Strategie führte allerdings dazu, dass ein doch sehr reger Spielerabgang auch jüngerer Spieler zu bemerken war. Im Hinblick auf die Nachwuchsmannschaften bleibt zudem festzuhalten, dass die Verträge der Mehrzahl von U-23-Spielern am 30.6.2016 enden. Da Ralf Rangnick die zweite Mannschaft in der nächsten Saison als Aufsteiger in die Dritte Liga sehen möchte, die sich derzeit im unteren Ligamittelfeld befindet, stehen also dort neben dem bereits angekündigten Trainerwechsel einige Veränderungen ins Haus.

Wenn anfangs von Armut und Geiz die Rede war, die sich mit sexy und geil verbinden, dann dürfen die Einnahmequellen nicht vergessen werden. Auch da sieht der Geschäftsführer in eine rosige Zukunft, denn RB verfügt über »unfassbar viele Optionen«. Ob dies alles dem Verein mehr Sympathien entgegenbringen wird, braucht nicht einmal abgewartet zu werden.

Und wer denkt, dass RB nicht nur in die Höhe der Liga, sondern auch in die Breite der Ebene expandiert, um sich dem Breitensport zu widmen, der liegt derzeit komplett falsch. Aber der Geschäftsführer gibt mit auf den Weg, dass das Tragen von Mannschaftstrikotagen sehr willkommen sei, die Umsätze müssen steigen …

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