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Experimentierfeld Kurzfilm

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

unterdemsand_2016 Größeres Bild

Filmische Ausdrucksformen sind vielfältig. Das kann man seit 2004 beim Kurzsuechtig Kurzfilmfestival in der Schaubühne Lindenfels erleben. Dort stehen alljährlich Beiträge aus den Bereichen Dokumentar- und Spielfilm ebenso wie animierte Filme im Wettbewerb. Doch die Sortierung in Schubladen kann für den kreativen Prozess hinderlich sein. Film ist viel mehr als das. Längst verschwimmen die Grenzen, Filmemacher und Regisseurinnen probieren sich aus, arbeiten mit Stilmitteln des Dokumentarfilms, inszenierten Szenen und animierten Elementen, um ihre Geschichten zu erzählen. Gerade die kurze Form lädt da zum Experimentieren ein.

Deshalb war es ein vom Festival-Team schon länger gehegter Wunsch, das Feld zu öffnen. In diesem Jahr wird es erstmals einen eigenen Wettbewerb Experimentalfilm geben, für alles, was zu sperrig für die Schublade ist. Daneben erwartet das Publikum wieder ein Querschnitt mitteldeutschen Kurzfilmschaffens. Das 13. Kurzsuechtig beginnt mit dem Wettbewerb Animation am Mittwoch und endet mit dem Experimentalfilmwettbewerb am Sonntag. Dann findet auch der Wettbewerb für Filmmusik und Sounddesign statt. Zum Abschluss gibt es an diesem Abend auch noch einmal das Beste vom Kurzsuechtig 2016 mit den Preisträgern der einzelnen Sektionen zu sehen.

13. Kurzsuechtig, 6.–9.4., Schaubühne Lindenfels

 

Film der Woche: Schon mit seinem ersten Auftritt im Film werden die Grenzen klar abgesteckt. Feldwebel Carl Rasmussen macht deutlich, was er von den Deutschen hält und wie er mit ihnen umspringt. Es ist Mai 1945 und der Zweite Weltkrieg ist gerade zu Ende gegangen. In Dänemark ist die Küstenlinie von mehr als zwei Millionen Landminen durchsetzt, die die Deutschen dort platzierten, und die nun von einem Trupp deutscher Kriegsgefangener geräumt werden sollen. Dass das knappe Dutzend, das Rasmussen dafür zugeteilt wird, ausschließlich aus Teenagern besteht, halben Kindern also, lässt ihn diese Zwangsverpflichteten nicht weniger hart angehen. Er hat nur Verachtung übrig für die ehemaligen Besatzungsmächte, für den Kriegsgegner, der seinem Land so viel Leid zugefügt hat. Der dänische Filmemacher Martin Zandvliet greift einen bislang kaum thematisierten Aspekt der Nachwehen des Zweiten Weltkriegs auf und rekonstruiert ihn von Anfang an auf eindringliche und überaus spannende Weise. Die Szenen des Minenentschärfens sind mit einer nervenaufreibenden Spannungsdramaturgie entwickelt, die einem als Zuschauer den Atem stocken lässt. Das Schicksal der Jugendlichen berührt. Ausführliche Kritik von Frank Brenner im aktuellen kreuzer.

»Unter dem Sand«: ab 7.4., Passage Kinos

»Wild« ist ein überwältigend originelles Experiment, dessen Balance in Sachen Geschmack und Stimmigkeit an manchen Stellen ins Wanken gerät, sich aber immer wieder um Haaresbreite fängt und damit unvergessliche Szenen schafft. Die blasse, dünnstimmig schüchterne Ania arbeitet als Mädchen für Alles in einer Agentur in Halle. Eines Tages trifft sie in einem Park in der Neustadt auf einen stattlichen Wolf. Fortan ist eine Sehnsucht in ihr entbrannt und sie schmiedet beherzt den Plan, ihn in ihre Plattenbauwohnung zu entführen. Anias Chef ist derweil fasziniert von ihrer neugefundenen Wildheit. Seine Angewohnheit, Ania mit einem Tennisballwurf an die dünne Trennwand ins Chefzimmer zu beordern, fängt in einem Bild seine kaum verborgene Aggressivität gegen Ania, aber auch das innere Gefangensein in seiner Rolle als männlicher Boss ein. Das setzt ihn wiederum auf komplexe Weise mit Anias animalischem Liebhaber in Verbindung. Die Geschichte mit dem Wolf kann man mit Worten nicht erklären und sollte man auch nicht, um ihre archaische Wucht nicht zu banalisieren. »Wild« wird nicht jedem gefallen, weil man der Grundidee leicht misstrauen kann oder bei der Umsetzung – etwa in der »Liebeszene« zwischen Ania und dem Wolf – nicht mitgehen möchte. Nicolette Krebitz unterstreicht mit ihrem zweiten Film, dass sie eine der spannendsten Regisseurinnen Deutschlands ist und das entfesselte Spiel von Lilith Stangenberg fasziniert bis zuletzt. Ausführliche Kritik von Johannes Schade im aktuellen kreuzer.

»Wild«: ab 13.4., Kinobar Prager Frühling, Premiere am 13.4. in Anwesenheit der Regisseurin Nicolette Krebitz mit anschließendem Filmgespräch

Die Sommerferien stehen vor der Tür. Ziggy und Bas sind beste Freunde und haben sich etwas ganz Großes vorgenommen: Bevor sie nach den Ferien auf unterschiedliche Schulen gehen, wollen sie noch ein letztes Mal am großartigen Abenteuercamp teilnehmen. Ziel ist es, den höchsten Turm aus altem Holz, Paletten und Türen zu bauen. Sie sind die amtierenden Meister, haben ihre Konkurrenz bisher immer leicht abhängen können. Kein Wunder also, dass sie auch in diesem Jahr wieder auf den begehrten Titel der Baumhauskönige hoffen. Doch dann läuft im Camp alles anders als geplant. Bas fängt an mit den coolen Jungs der Cola-Gang rumzuhängen und Ziggy muss unerwartet mit seinem kleinen Bruder in eine Mannschaft. Ihr gemeinsamer Traum verwandelt sich schnell in eine ungeahnte Rivalität. Droht ihre Freundschaft daran zu zerbrechen? Der gut gespielte Kinderfilm aus den Niederlanden, der seine Premiere auf der diesjährigen Berlinale feierte, zeigt, wie Konflikte entstehen und wie man aus dem Schlamassel wieder rauskommen kann.

»Die Baumhauskönige«: ab 7.4., Passage Kinos, Cineplex

kreuzer verlost Freikarten, Poster und Stiftsets von Stabilo zum Film. Email an film@kreuzer-leipzig.de (Betreff: »Krieg der Knöpfe«)

Flimmerzeit_März 2016

 

Weitere Filmtermine der Woche

Kurzsuechtig
Das Kurzfilmfestival präsentiert neben dem Wettbewerb Animation (6.4.), Fiktion (7.4.) und Dokumentation (8.4.) zum ersten Mal auch Experimentalfilme sowie den Wettbewerb für Filmmusik und Sounddesign am 9.4. Zum Abschluss gibt es an diesem Abend auch noch einmal das Beste vom Kurzsuechtig 2016 mit den Preisträgern der einzelnen Sektionen zu sehen.
6.–9.4., 19.30 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Frank Films on the Big Screen – Filmnacht I+II
– Pull My Daisy (1959), Conversations in Vermont (1969), Home Improvements (1985) (am 8.4.)
– C’est vrai/One Hour (1990), The Present (1994–96), Paper Route (2002) (am 9.4.)
Im Rahmen der Ausstellung »Robert Frank: Books and Films, 1947–2016« in der Halle 14
8./9.4., 22 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Das Pferdemädchen
Ein Hengstfohlen, von der Stute Raya, der Freundin der kleinen Inka, in einer stürmischen Nacht geboren, kann von der Familie des Mädchens nicht aufgezogen werden. Schweren Herzens gibt es das Fohlen an ein Gestüt ab. DEFA-Kinderfilm von 1979.
10.4., 14 Uhr, UT Connewitz

Der König tanzt
Die Geschichte des Sonnenkönigs Ludwig XIV. und seines Hofkomponisten Jean-Baptiste Lully: der eine ein Tanztalent, der andere ein brillanter Schöpfer von Ballettmusik. Gérard Corbiau (»Farinelli«) inszenierte ein betörend gefilmtes und eindringlich gespieltes Historiengemälde.
10.4., 20 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Die 8 besten Dates
Als Nikita erfährt, dass er an einer tödlichen Krankheit leidet, sucht er einen Nachfolger, der sich nach seinem Ableben um seine Frau und seine Kinder kümmern soll. Seine Wahl fällt auf den Feuerwehrmann Ilja, der schon bald bei Nikitas Familie einzieht. Doch dann stellt sich heraus, dass Nikita gar nicht sterben muss. Russische Filme im Original.
10.4., 17.30 Uhr, Cineplex (OF)

Surf Film Nacht Leipzig
Uncharted Waters European Tour: Die wichtigsten Surf-Independent-Produktionen des Jahres.
10.4., 21 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Das Mädchen Wadjda
(Saudi-Arabien/D 2012; OmU)
In ihrem Spielfilmdebüt erzählt die saudi-arabische Regisseurin und Drehbuchautorin Haifaa Al Mansour die anrührende Geschichte einer Zehnjährigen, die mit Mut und Witz ihre eigenen Träume entgegen strenger Konventionen zu verwirklichen weiß. Der Film zeichnet ein differenziertes und authentisches Bild vom Leben der saudischen Frauen und vermittelt eine einmalige Innenansicht der dortigen Kultur und Gesellschaft.
11.4., 20 Uhr, Cineding (OmU)

International Ocean Film Tour
Die neuesten Meeresabenteuer und Wassersportfilme auf der großen Leinwand mit viel Action auf und unter Wasser, Geschichten rund ums Meer und Salz in der Luft.
13.4., 20 Uhr, Werk 2/Halle A

Stummfilm-Doppel
Das Luru lädt zum allmonatlichen Stummfilm-Doppel zum Thema der modernen Großstadt in den 20er und 30er Jahren. Ballet Méchanique mit »Mutter Krausens Fahrt ins Glück« (D 1929) und »Berlin – Die Sinfonie der Großstadt« (D 1930).
13.4., 20 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Triumph des guten Willens
Der Journalist, Buchautor, Kurator, Filmemacher und Historiker Eike Geisel (1945-1997) war ein scharfer Kritiker deutscher Erinnerungspolitik. Der Film zeichnet anhand von Texten Geisels (eingesprochen von Robert Stadlober) und Interviews die Person des »Versöhnungsverweigerers« nach. Im Anschluss Gespräch mit dem Regisseur Mikko Linnemann.
13.4., 19 UhrCinémathèque in der naTo

Akt
Der Hallenser Regisseur Mario Schneider (»Mansfeld«) begleitet Aktmodelle an der Kunsthochschule in Leipzig. Premiere mit Regisseur, Produzent und den vier Protagonisten.
14.4., 19.30 Uhr, Passage Kinos

Alles andere zeigt die Zeit
Letzter Teil des Leipzig-Zyklus. 25 Jahre nach dem ersten Film besucht Andreas Voigt einige seiner Protagonisten. Nachdem sein Film das DOK 2015 eröffnete, kommen der Filmemacher und die Programmautorin des Festivals Grit Lemke heute erneut zum Gespräch zusammen.
14.4., 19 Uhr, Zeitgeschichtliches Forum

Der schwarze Nazi
Endlich erleben wir die Deutschwerdung von Sikumoya auf der großen Leinwand, basierend auf dem Kurzfilm von 2006. In Anwesenheit der Regisseure.
14.4., 21.15 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Walk the Line
Fantastisch fotografiertes, exzellent gespieltes Bio-Pic über Johnny Cash mit Fokus auf Kindheit, Jugend und erste Höhen und Tiefen im Musik-Business bis hin zur Hochzeit mit June Carter.
14.4., 20 Uhr, Moritzbastei

Muster
Drei Aspekte der Geschichte des ehemaligen Benediktiner-Klosters Breitenau: als sogenanntes »Arbeitserziehungslager« während der Befreiung durch die US-Armee 1945, als »Mädchenerziehungsheim Fuldatal« während der Dreharbeiten zu Ulrike Meinhofs »Bambule« im Jahr 1969 sowie die Gedenkstätte an diesem Ort in den 1990er Jahren.
14.4., 20 Uhr, Cineding

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