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»Friteuse, nein danke!«

Das Mörtelwerk zieht an den Kanal 28. Betreiber Stahlin über Verdrängungsvorwürfe

Stahlin im Mörtelwerk, Foto: TPR Größeres Bild

Das Kanal 28 erhält neues gastronomisches Leben. Beim Besuch Ende April ist ein Ende auf der Großbaustelle mit Mühe abzusehen. »Am 1. Mai ist der Ladn offen«, gibt sich Stahlin, einer der zwei Betreiber, optimistisch. Stahlin ist ein bunter Hund, auch wenn er stets Schwarz trägt. Weil jeder, der dem gelernten Gastronom auf Stationen wie Helheim, Killiwilly, Kaiserbad begegnete, ihn nur per du kennt, unterlassen wir hier ausnahmsweise das Siezen.

kreuzer: Wie lang mörtelt ihr hier schon?

STAHLIN: Wir haben Ende Januar den Schlüssel bekommen, so dass wir hier mal rein konnten. Natürlich hatten wir noch keine Handhabe, etwas anzufassen. Aber wir hatten uns länger mit dem Vermieter unterhalten, gerade weil es diesen Bash hier am Standort gab …

kreuzer: Die ehemaligen Betreiber des Kanal 28 erheben Vorwürfe, herausgemobbt worden zu sein …

STAHLIN: … Wir wollten uns da aber unser eigenes Bild schustern und haben uns mit den Nachbarn und den anderen Vereinen getroffen, mit Ex-Angestellten unterhalten und viele Meinungen eingeholt, bevor wir unterschrieben haben. Seit Mitte Februar haben wir die Baustelle quasi eröffnet. Ab dann haben wir begonnen, umzuräumen und natürlich zu planen. Die ersten Wochen verbrachten wir mit Putzarbeiten: Säulen schrubben, Küchenboden kärchern, Aggregate, Lüftung, Tresen reinigen. Das war mehr Arbeit als erwartet, wenn man bedenkt, dass hier bis Dezember Betrieb war. Der Support aus dem Freundes- und Bekanntenkreis ist da schon überwältigend, immer wieder fragen Leute, wie sie helfen können.

kreuzer: Wie kamst du dazu, einen eigenen Laden haben zu wollen?

STAHLIN: Nach dem Ende meines alten Angestelltenverhältnisses brauchte ich Zeit, mich ein bisschen zu finden. Ich jobbte in anderen Läden, um über Wasser zu bleiben und neue Eindrücke zu sammeln. Und dann siehst du Dinge, von denen du denkst, »Das geht ja gar nicht …«. Wenn man seinem Chef sagt, wo man Zeit, Geld, Kraft und Energie sparen kann oder sinnvoll Dinge verändert, und bekommt als Antwort »Wir machen das schon immer so …«, demotiviert das einfach. Irgendwann wird es Zeit, sich zu trennen. Mit einer ehemaligen Kollegin hatte ich dann die Idee, gemeinsam einen Laden zu eröffnen. Und so machten wir uns auf die Suche nach Räumlichkeiten.

kreuzer: Und wie fandet ihr zur Adresse Kanal 28?

STAHLIN: Durch Zufall. In einem Tresengespräch bekamen wir mit, dass die Betreiber raus müssen. Wir waren hier ab und an Gäste, wussten, von welchem Objekt die reden. Auf Facebook fanden wir den langen Eintrag mit den Vorwürfen an den Vermieter und dessen E-Mail-Adresse, damit man seinem Frust freien Lauf lassen kann. Ich habe ihn dann angeschrieben …

kreuzer: … immerhin hattest du gleich die E-Mail-Adresse …

STAHLIN: … und gefragt, wie es mit der Weiterverwendung des Ladens aussieht. Dann haben wir uns getroffen. Einer der Vorstände und die Geschäftsführerin vom Wabe e.V. haben mir ihre Sicht der Dinge erzählt, die so nicht zusammenpasste, was sonst so zu hören war. Das plötzlich genannte Aus war nicht so überraschend, wie ich hörte. Die Betreiber hätten im Sommer einen Halbjahresvertrag bis Jahresende bekommen, um gewisse Veränderungen vorzunehmen. Das ist wohl nicht geschehen, deshalb wurde der Vertrag nicht mehr verlängert. Die Angestellten erfuhren erst Mitte Dezember von der Situation.

kreuzer: Und jetzt seid ihr in den Augen einiger fiese Geschäftemacher, die die alten Betreiber verdrängt haben?

STAHLIN: Ja. Es gab da einen investigativen Beitrag über nebulöse Hintergründe in der Urbanite, der sehr einseitig war und nur eine Partei zu Wort kommen ließ. Da hieß es, der Verein ist doof, der Bootsverleiher auch, die Nachbarn. Daher waren für uns ja am Anfang auch die Gespräche mit allen Umliegenden wichtig, um für uns Klarheit zu bekommen. Und klar, wir als die Neuen sind da eben auch doof. Die Leute sehen einfach nicht, dass wir der reguläre Nachmieter sind, mit der Sache nichts zu tun haben. Da gibt es zwei Hände voll Menschen, die eben in Facebook-Kommentaren uns alles Schlechte wünschen. Andererseits hatten wir schon Laufkundschaft, die gar nichts davon wusste und sich freute, dass der Ort weiter existiert und andere, dass hier etwas Neues entsteht. Da kann ich nur sagen, besucht uns, schaut euch um, schaut meine Kollegen an und bringt das dann noch mal mit dem Vorwurf »Gentrifizierer« zusammen. Hier wird es keine Luxusgastronomie geben.

kreuzer: Der Name Mörtelwerk ist historisch?

STAHLIN: Als der Kanal in den 1890ern gebaut wurde, sind hier die Rohstoffe dafür produziert worden. Hier war halt das Mörtelwerk. Und das Industriedesign, die alten Schienen im Raum passen einfach zum Namen.

kreuzer: Welches gastronomisches Konzept verfolgt ihr? Wird es eine Friteuse geben?

STAHLIN: Nein. Fritten, Burger, Schnitzel kannst du in jedem Laden essen. Davon wollen wir uns abheben. Eine Küche, so frisch und regional wie möglich, ist das Ziel, mit vielen vegetarischen und veganen Angeboten, aber auch guten Fisch- und Fleischgerichten. Den Brunch, den unser Vorgänger schon sehr gut etabliert hat, wollen wir fortführen. Unsere Standardkarte wird klein sein, dafür haben wir wechselnde Tages- und Wochenangebote mit Produkten, die unsere Köche auf den Regionalmärkten finden. Abwechslung ist die Idee.

kreuzer: Und am 1. Mai geht es dann mit vollem Programm los?

STAHLIN: Da wird noch nicht alles fertig sein und so schön aussehen, wie wir es selbst gern hätten. Wir werden noch mit verkleinerter Karte, aber gutem Essen und coolen Getränken aufwarten. Und ich freue mich über jeden, der sich selbst ein Bild machen möchte.

Eröffnung: 1.5., Mörtelwerk, Am Kanal 28, http://www.moertelwerk.de, http://www.facebook.com/moertelwerk

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Ein Kommentar

  1. Ehemaliger Mitarbeiter | 3. Mai 2016 | um 20:44 Uhr

    1. Was zur Hölle ist ein „gelernter Gastronom?
    2. Wozu braucht man Worte wie „Bash“ und „Support“?
    3. Bei 19 Tagen Räumungsfrist sterile Räumlichkeiten zu erwarten ist albern, 3 Monate Küche kärchern auch…
    4. „Urbanite“ wollte sehr gern die Gegenmeinung hören, das Ergebnis steht direkt unter dem Artikel.
    5.Warum wird es im Kreuzer-Artikel so dargeststellt, als wären „einer der Vorstände“ , genauer der Vorstandsvorsitzende und der „Bootsverleiher“ 2 unterschiedliche Personen?
    6. Die Nachbarn sind nicht „blöd“, sondern haben ebenfalls jede Menge Ärger aus der selben Quelle.
    7. Wieso hat man das Gefühl, daß der Autor des Artikels sich die Fragen
    nicht selbst ausgedacht hat? Bsp. : „Wird es eine Friteuse geben? “
    9. „Ehemaligen Mitarbeitern“ fortgeschrittenen Alters einen Haufen Lügen zu erzählen, ist auch nicht die feine englische Art…
    10, Warum freut Ihr Euch nicht einfach über die Chance und lasst es gut sein? „Cafe Kanal 28 “ ist Vergangenheit, darauf herumzutrampeln ist sinn- und geschmacklos . Hebt Euch diese verschwendete Energie lieber für die kommenden – hoffentlich erfreulichen – Ereignisse, Aufgaben und vor allem für die Gäste auf!