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Tumulte, Thoelke, Tote Katze

Der überpünktliche Liveticker von der »Aufstiegssause«

RB-Fans Größeres Bild

RB Leipzig ist in die Bundesliga aufgestiegen. Die ganze Stadt rastet aus. Auch der kreuzer berichtet mit einem Liveticker von dem Mega-Event Aufstiegsfeier. Noch liver als live. Denn wir wissen schon, was passiert, bevor es überhaupt losgegangen ist.

14.00: Der MDR tickert: »Die Party zum Aufstieg gibt es live im MDR Fernsehen: Für die musikalische Umrahmung sorgen Silly, Glasperlenspiel und die Rocklegenden Karat, Puhdys und City. Dazu präsentieren Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel und der Gewandhaus-Kinderchor die neue RB-Hymne.« Und so kommt es.

14.01: Die LVZ tickert: »Die große Aufstiegssause steigt. Wie die LVZ berichtete, steigt am Pfingstmontag die große Aufstiegssause. Lesen Sie auch: ›Am Pfingstmontag soll die große Aufstiegssause steigen‹.«

14.03: Das Stadtmarketing hat ein Torwandschießen organisiert. Motto: Triff deinen Star!

14.05: Emotionen in der ganzen Stadt. Überall sind rote Bullen geflaggt, Menschen strömen gelöst Richtung Markt, die Stimmung ist festlich-aufgeräumt. »Ich bin so froh, dass ich jetzt endlich die Chance bekomme, wer zu sein«, ruft eine junge Frau aufgeregt ins MDR-Mikro und hält ihren Schal in die Höhe.

14.07: Über Nacht hat jemand mit Kreide im Innenstadtbereich auf den Boden gesprühte RB-Logos durchgestrichen. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung.

14.30: Die Puhdys betreten die Bühne, blau-rot-weiße Strahler blitzen auf.

14.31: Da sind 150.000 auf dem Marktplatz, die diesen Lichterreigen seit Jahren von Ostrocklegendenkonzerten kennen, schon dabei »hohoho« zu grölen und wandeln flugs den Text um in »Hey, wir wolln die Bullen sehn«. Ein Polizist winkt.

14.32: Die Mannschaft ist auch da. Aber keiner von ihnen kennt irgendeine Band im Programm. Doch niemand traut sich zu fragen, wer denn jetzt eigentlich Karat sein soll. Sie bleiben brav und ruhig: Das haben sie im RB-Trainingszentrum immer wieder geübt.

14.37: Die Stimmung im Nieselregen ist am Kochen. Sebastian Krumbiegel bricht hinter der Bühne zusammen. Für seine komponierte Fanhymne sieht er schwarz. Wird das seine zweite Niederlage in zwei Woche werden? Da buhten ihn die Fans nur aus im Stadion. Das heute wird um eine Million Mal schlimmer, denn der MDR ist live dabei.

14.51: Für das leibliche Wohl ist gesorgt: Der angesagte Club L1 hat einen Grill aufgebaut und schenkt eigens kreierte RB-Longdrinks aus, der Verein Gemeinsam für Leipzig e.V. hat einen Pfingstochsen spendiert. An der Maskottchentorte bildet sich eine disziplinierte Schlange. Daneben versucht der Chef von Auerbachs Keller Baseballcaps mit dem Slogan »The better Berlin« drauf zu verkaufen.

14.52: Bier wird heute aber nicht ausgeschenkt. Schließlich wird RB gefeiert, also wird auch nur Red Bull getrunken.

15.00: Endlich, der Film läuft. Wir erleben noch mal die ganze Saison, unterlegt mit der passenden Musik und kommentiert mit gewohnt frechen Gags von Tim Thoelke. Gänsehautmomente inklusive.

16.00: Endlich, der Film ist vorbei. Moderator und Stadionsprecher Tim Thoelke überlegt, wer denn jetzt alles entscheidend zum Aufstieg beigetragen hat. Dem selbstbewussten jungen Mann fällt erstmal er selber sein. Er stimmt Fangesänge an: »Es gibt nur ein Tim Thoelke, eeeiiiiin Tim Thööööölke!« Drei Besoffene (am Bahnhof gibt’s Schnaps) stimmen ein. Ist eh alles egal, Hauptsache 1. Liga.

16.03: Friedlich wirkende Männer skandieren kurz in einer Atempause des »MDRsportimostenkultreporters« Rene Kindermann: »Pyrotechnik ist kein Verbrechen« und zünden Sternchenfeuer an.

16.04: Kurz darauf biegt eine Gruppe vom Roten Stern um die Ecke, ein Pfingstbier auf der Faust, und versucht die Menge zu einer Polonaise über den Marktplatz zu animieren – neben der Raupe ein typisches Ritual bei Leipziger Aufstiegsfeiern. OB Jung gibt von der Ehrentribüne einen Fingerzeig. Sofort lösen sich fünfzig Robocops aus dem Schatten der Rathaus-Arkaden und führen die Feiernden ab.

16.09: Tumulte auch in Leutzsch und Connewitz: Chemie-Fans prügeln sich mit Fahrkarten-Kontrolleuren, weil sie jeden Tag ihren Fan-Schal tragen und noch nie kostenlos fahren durften.

16.23: Auf dem Marktplatz rutscht derweil eine Rentnerin auf einem Dosenöffnungsnippel aus. Tim Thoelke entschuldigt sich. Leipzig hat sein Nipplegate.

16.30: Die nächste Band aus der MDR-Hitparade spielt. Aus Protest gegen den musikalischen Rahmen stürmt die Sonic Boom Foundation die Bühne. Keyboarder Gräfe stolpert jedoch über ein Kabel, Gitarrist Adler kotzt immerhin in die ersten Ränge – Hauptsache Duftmarke hinterlassen.

16.35: Nachdenkliche Sprüche mit Bilder twittert: »Was iss das für 1 Leben  – Rb wirts immer geben !! !«

16.43: Eine aufbrausende Fanmenge bedroht verbal WGT-Besucher, die die Sixtina an alter Stelle in der Katharinenstraße suchen. Einige RB-Fans glauben, St. Pauli-Anhänger vor sich zu haben. Die tragen ja auch immer Schwarz und Totenköpfe. Der T-Shirt-Aufdruck Front 242 kann ja auch nur einen Stadionrivalen meinen. Die Lage wird durch die Gelassenheit der Gruftis entspannt, die in Schnabelschuhen einfach elegant davon schnäbeln.

16.59: Stromausfall, Ursache unbekannt, Unruhe. Eine Gruppe in FDJ-Hemden, laut Polizeiaussagen vermutlich Fans der Musikgruppem Puhdys, City, Silly, Karat verhindern wollte, dass Konterrevolutionär Sebastian Krumbiegel seine RB-Hymne singt.

17.08: Strom ist wieder da. Maschine kommt nochmal auf die Bühne und verspricht, dass er einen Deal mit den Berliner Eisbären aushandelt, damit die RB-Fans das Lied ab jetzt in ihrer Bullenversion singen dürfen.

17.09: Zur Ablösesumme wird geschwiegen. RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff muss allerdings bei ersten Presseanfragen zugeben, dass RB erstmals »Mondsummen« (die bei der neuen Trainerverpflichtung von Ralph Hasenhüttl noch nicht zur Diskussion standen) in die Hand nehmen wird, um den Fans diesen Gefallen zu tun. Insgeheim bereut er sehr, dass sich kein Arbeitskreis »Musik« innerhalb der Mitgliederversammlung unter den 17 Anwesenden gegründet hatte.

17.20: Die Fans haben den Marktplatz verlassen, ziehen jetzt zu jedem rot angeleuchteten Gebäude der Stadt.

17.31: Ringsperrung. Zu viele Menschen sind unterwegs. »Das ist ja wie 89«, raunt ein Mittfünfziger ergriffen.

17.32: Polizeilautsprecher erklärt, dass Autokorsos angemeldet werden müssen und dass auch Hupen geahndet werden kann.

18.00: Bei der Abreise fordert der Aufstieg von RB Leipzig sein erstes Todesopfer. Auf dem Heimweg nach Delitzsch überfährt ein Fan mit zu viel Energy Drink im Blut mit seinen Auto in Gohlis einen über die Straße rennenden Kater. Dessen Besitzerin filmt die Szene zufällig von ihrem Fenster aus mit dem Handy. Das Video verbreitet sich in den kommenden Stunden viral und führt zum nächsten großen Leipziger Hass-Kommentare-Krieg im Netz.

18.01: Auf dem Markt fällt Bulli, das Maskottchen, einfach um. Wer verleiht ihm jetzt Flügel, damit es einfach wegfliegen kann? Irgendwohin, wo es keinen Fußball gibt. Und keinen Ostrock.

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Dein Kommentar

7 Kommentare

  1. Nick Weiss | 16. Mai 2016 | um 07:54 Uhr

    Eigentlich mag ich ja den Kreuzer sehr gerne und RB Leipzig ist sicherlich nicht unumstritten. Aber irgendwie könnt Ihr nicht wirklich gut mit dem Thema umgehen. Schade! Macht den Eindruck das irgendjemand bei euch etwas bockig auf RB ist und der Stadt Leipzig den ganzen Rummel nicht gönnt. Bleibt doch vielleicht beim kommerziellen Anzeigenvermarkten in eurer Zeitschrift, ist doch eh der Grund warum leute sich den Kreuzer kaufen oder?

  2. Michael, Herbig | 16. Mai 2016 | um 11:12 Uhr

    Der dümmste Scheiß, den ich zum Thema RB jemals lesen musste… Sollte das Lustig sein? Kritisch?
    Einfach nur langweilig und stupide.
    Kritik am RB, gerne! Aber einfach dummes Zeug schreiben ohne Inhalt ohne Witz…. Ehrlich Kreuzer….. Das war unterste Schublade.
    Ich dachte schon der Kommentar eures Autos wäre die Spitze der Sinnlosigkeit aber dieser Artikel toppt alles.

  3. Jürgen Risse | 16. Mai 2016 | um 12:33 Uhr

    Habe mich noch nie mit Kreuzer befaßt, der Artikel zur Aufstiegssause hat mich
    – und sicher auch andere Interessenten – bewogen, das auch in Zukunft nicht zu
    tun. Sicher kann man seine Einstellung zu RB Leipzig, wenn sie denn negativ
    gemeint sein soll, noch schärfer rüberbringen, aber auch so ist der journalistische
    Erguß einfach peinlich.