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Skadi Jennicke gewinnt

Linke Politikerin wird im ersten Wahlgang zur Kulturbürgermeisterin gewählt

Skadi Jennicke und Burkhard Jung, Foto: Die Linke Größeres Bild

Skadi Jennicke (Die Linke) trat als Favoritin zur Wahl für die Nachfolge von Kulturbürgermeister Michael Faber (parteilos) an. Angesichts der vielen ungelösten Streits in der Leipziger Kulturpolitik wählten sie die Stadträte geradezu überraschend gleich im ersten Durchgang.

Nach der wenig rühmlichen Wahl und Amtszeit von Michael Faber (kreuzer 03/2016) sollte diesmal offenbar nichts schiefgehen. Weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit sondierte eine Auswahlkommission des Stadtrats mehr als 90 bis Ende Januar eingegangene Bewerbungen für den Posten des Leipziger Kulturbürgermeisters. Am Ende blieben drei Namen übrig: Skadi Jennicke, studierte Dramaturgin und kulturpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion in Leipzigs Ratsversammlung; Achim Könneke, Leiter des Kulturamtes im sonnigen Freiburg im Breisgau und Matthias Theodor Vogt, CDU-Mitglied und Professor für Kulturpolitik und Kulturgeschichte an der Hochschule in Zittau. Kurz vor der entscheidenden Wahl zog Könnecke seine Bewerbung am vergangenen Freitag überraschend zurück. Übrig blieben also nur Jennicke und Vogt. Hinter den Kulissen war dabei offenbar schon klar, dass die Linksfraktion, die gemäß der Zahl ihrer Sitze im Rat Anspruch auf den Posten des Kulturbürgermeisters hat, ihre Kandidatin würde durchsetzen können.

Die Piratenfrau Ute Elisabeth Gabelmann nominierte in letzter Sekunde noch Leipzigs DIE PARTEI-Vorsitzenden Thomas »Kuno« Kumbernuß, der seine Rolle als Narr ernst nahm und ein wenig Wahrheit sprach. Als am Mittwoch alle Kandidaten vor der Wahl noch einmal sprechen durften, beklagte Kumbernuß lauthals, dass er über die Arbeit der Auswahlkommission wenig bis gar nichts erfahren habe. Tatsächlich spielten offenbar alle Beteiligten das Hinter-den-Kulissen-Spiel bis zum Schluss mit. Über Zerwürfnisse und Diskussionen während der Findungsphase drang wenig an die Öffentlichkeit. Lediglich aus den Stadtverbänden der Parteien wurde die eine oder andere kritische Anmerkung zu den Kandidaten laut.

CDU-Bewerber Vogt hielt in der finalen Sitzung noch einmal dagegen, überzog seine Redezeit, um die Stadträte von seinen Werten zu überzeugen. Fleißig sei er und sorgfältig, engagiert und eine starke Führungsfigur. Er betonte seine Geburt in der ewigen Stadt Rom, seine Tätigkeit für die Wagner-Festspiele in Bayreuth und dass er das sächsische Kulturraumgesetz für die Regierung des Freistaats entwickelte. Wenn er so von seinem Parteibuch ablenken wollte, ging das gründlich nach hinten los. Am Ende hatte er sich klar als konservativer Kandidaten profiliert.

Skadi Jennicke betonte dagegen, sie wolle Leipzigs Kulturszene internationaler machen. Die Kulturakteure sollten stärker als heute in Entscheidungen einbezogen werden. Und gemeinsam mit ihnen wolle sie überlegen, wie die Kulturpolitik nachhaltig werden, also mit sinkenden Finanzen zurechtkommen könne. Damit hatte sie sich bereits bestens in den rhetorischen Verwaltungsapparat der Stadt eingepasst. Die Abgeordneten wählten sie dann gleich im ersten Durchgang mit 41 Stimmen. Vogt bekam 23, Kuno immerhin noch fünf.

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