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Legida? Bleibt Zeitverschwendung!

Legida erhöht die Schlagzahl: Drei Mal diese Woche laufen »besorgte Bürger« auf

Gegenprotest am 7.9., Foto: Caruso Pinguin Größeres Bild

»Wir sind Leipzig, Ihr Fotzen!!!« – Eindrucksvoll artikulierte die Schar Vermummter und Halbvermummter vergangene Woche ihre Islam- und Demokratiekritik. Nicht immer nur meckern, auch mal positiv formulieren! Der sprachmächtige Hool-Mob (hihi, die haben »Fotze« gesagt!) wurde beim Eintreffen von den anderen Legida-Teilnehmern laut beklatscht. Als man dann vereint die Polizeiketten überrannte, nahm man natürlich nur sein Demonstrationsrecht wahr. Man wird ja noch mal ein bisschen schieben dürfen. – »Ich bin kein Nazi, Du Volksverräter!«

Vor einem halben Jahr beschrieb ein Text unter dem Titel »Legida? Verschwende deine Lebenszeit!« an dieser Stelle die Frustration, sich jeden Montag der sinnlosen Politiksimulation namens Legida entgegenzustellen – und warum es trotzdem notwendig ist. Geändert hat sich seitdem nichts Wesentliches. Nur können sie immer weniger und kürzer laufen, weil die Stadt eben nicht jede Woche 1.000 und mehr Polizisten aufbringen kann. Für Legida ist damit das Komplott schon perfekt. Sollen sie glauben, was sie wollen. Um Argumente ging es von Anfang an nie. Nun hat das tapfere Akronym-Häufchen verkündet, gleich zwei Mal die Woche wütend mit dem Fuß aufstampfen zu wollen, also jetzt Montag und Mittwoch zu schmollen. War nicht Mittwoch der Tag, an dem Legida den Konsumkapitalismus boykottieren wollten? Gut, dann müssen Straßenbahnfahrscheine schon am Dienstag gekauft, muss früher Sprit zum Tanken besorgt und auch das Benzin im Auto aufgefüllt werden. Und am Samstag kommt dann noch ein überregionaler Naziaufmarsch mit Gida-Abspaltern (darunter Silvio – die Bommelmütze – Rößler) in die Stadt.

Ja, Aufstampfen und Schmollen. Mehr als der Trotz kleiner Egos kommt hier nicht zum Ausdruck. Am politischsten fällt noch das Vokabular aus, mit dem Legida von sich weist, rechts zu sein. Wer mit braun kontaminierten Kampfbegriffen aufläuft und sich Bürger nennt, ist eben ein braun kontaminierter Bürger. Aber von politischer Semantik muss man gar nicht anfangen, da versteht Legida sowieso nur Bahnhof. Hier tobt sich ein Kindergarten aus, der von Langeweile und Orientierungslosigkeit getrieben mit dem Kopf durch die Wand will. Um politische Artikulation geht es doch gar nicht, schaut man sich mal an, was da alles Krudes in einen Topf geworfen wird. Auf die Dresdner Thesen als Minimalkonsens braucht man da auch nicht mehr verweisen. »Alles Nazis außer Mutti«: Hauptsache man hat klare Feindbilder, kann seinem Ressentiment frönen. Meinungsfreiheit bedeutet eben nicht, im Recht zu sein, und schon gar nicht, dass sich alle danach zu richten hätten. Das wäre Meinungsdiktatur. Aber das ist auch so ein Konzept, von dem Legida keinen Begriff hat. »Hier, in dieser Faschistenrepublik, können alle machen, was sie wollen«, rief vergangene Woche ein Legida-Demonstrant oder sogar ein Ordner (Video-Link, Min. 28.40). Ein anderer im selben Pulk forderte unter Anwesenheit des Legida-Kopfes Markus Johnke den Ordnungsamt-Verantwortlichen auf: »Machen Sie die Scheiß-KZ-Gitter hier weg!« (Gleicher Video-Link, Min. 25.50) Gemeint waren die Polizeiabsperrungen. Man inszeniert sich als Opfer einer »Faschistenrepublik«, dem hinter »KZ-Gittern« keine Lebensluft gelassen wird.

Darf’s ä bisserl mehr sein? O-Ton von der Legida-Seite, NS-Relativierung inklusive: »denn die gesamten Jahrhunderte Deutscher Kunst – Kultur und Wissenschaft sollte nicht durch 12 Jahre linksgeistesgestörten ENTGLEISENS zunichte gemacht werden ! ( wie es HEUT bereits wieder die Antifa praktiziert ) — So wie es mal die NSDAP ( National – Sozailaistische – Arbeiter – Partei ) gegen die Juden und Andersgläubige getan hat ! – und so wie es heute ALLERDINGS noch viel gefählicher die GSDAP ( Global – Sozialistische – Arbeiter – Partei ) mit Sozialismus 2.0 gegen die Eigenständigkeit der Europäischen Länder abgezogen wird und DURCH die erneute gefähliche AUSWEITUNG eines Aggressiven Sozialismus NUN ALLE EU Staaten unterwandert und in IHRER Kunst + Kultur und Wissenschaft zerlegt werden ! Das ist die Schändung Aller europäischen Länder !«

Kunst und Kultur? Vielleicht mal wieder mehr Nietzsche lesen: »Wenn ich mir eine Art Mensch ausdenke, die allen meinen Instinkten zuwiderläuft, so wird immer ein Deutscher draus.« Mögen sie zetern, weiterhin Droh-Mails schreiben, es ändert nichts, es nervt nur gewaltig. Und dieses 1989-Mantra. Legida kapiert ja nicht einmal, dass es damals nicht allein die Demonstrationen (ohne sie damit als unwichtig zu erklären) waren, die die DDR zu Fall brachten. Hauptsache, man hat ein Symbol. Nichts gegen Fetische, aber muss man die öffentlich ausleben? Zuviel Wagner gehört und Tolkien gelesen, ähm: geschaut? – »One Ring to rule them all, One Ring to find them, / One Ring to bring them all and in the darkness bind them.«

Möge der Dresdner Autor Michael Bittner Recht haben, wenn er die Gidas »Das letzte Gefecht der Rassisten« nennt: »Jene Deutschen, in denen der rassistische Wahn nur als unbewusste Furcht sitzt, werden durch die Realität kuriert. […] Schnell stellt sich bei der konkreten Begegnung der bedrohliche Zuwanderer als normaler Mensch heraus, der meist weder besser noch schlechter ist als die Einheimischen. Für die bewussten Rassisten hingegen ist die Zuwanderung existenzbedrohend. Nicht nur wird ihr Alptraum Wirklichkeit. Viel schlimmer: Ihre Ideologie wird durch diese Realität widerlegt. Denn das fröhliche Rassenchaos führt ganz und gar nicht zum prophezeiten Niedergang. Weil die Rassisten spüren, dass sie auf verlorenem Posten kämpfen, ist ihre Gegenwehr so wütend. Ihr Irrsinn kann noch viele Opfer kosten, aber siegen kann er nicht.« – Bis dahin muss es weiterheißen: Legida? Verschwende deine Lebenszeit!

Gegenprotest: 23.9., Ritterstraße, Mägdebrunnen und Wilhelm-Leuschner-Platz (jeweils angemeldtete Kundgegebungen von Leipzig nimmt Platz)
Aktuelle Infos auf der Karte http://www.google.com/maps/d/viewer?mid=zGlkMIdc1dgc.kOdI_0I2RG78

Demo der Offensive für Deutschland: 26.9., 15-18 Uhr, Augustusplatz (genauer Ort der Gegendemo steht noch nicht fest)

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Dein Kommentar

17 Kommentare

  1. Ein denkender Bürger | 27. September 2015 | um 17:34 Uhr

    Da hätten wir es mal wieder – eine Rechtslogig wie bei Palmström:

    „… Weil nicht sein kann, was nicht sein darf!“.
    Und doch ist es!

    Hätte man sich mit den Thesen der GIDA-Bewegung mal von Anfang an konstruktiv auseinander gesetzt und nach einem vernünftigen Mittelweg gesucht, hätten wir viele Probleme nicht, die wir jetzt haben!

    Denn im Grunde hat die Bewegung recht!

    Was hier derzeit stattfindet, ist nichts anderes als eine Massen-Zuwanderung in unser Sozialsystem (wo sollen kurzfristig Arbeitsplätze für mehrerer 100.000 Leute herkommen?!) – welches sowieso schon kurz vor dem Kollaps steht.

    Nur daß das hier offenbar keiner wahrhaben will und mit allem Mitteln versucht zu leugnen, zu beschönigen oder schlicht zu verschweigen.

    Aber daß der Prophet nirgends weniger zählt als im eigenen Lande – nun ja, diese Erkenntnis steht ja bereits in der Bibel.

    Und gegen primitive Sturheit ist nun mal kein Kraut gewachsen …

    Mal davon abgesehen:

    Eine gesellschaftliche Entwicklung ist nun mal nur durch Widerspruch (besser: These und Gegenthese) und eine konstruktive Auseinandersetzung möglich. Der Philosoph nennt das „Dialektik der Entwicklung“. Soll diese etwa nach dem Motto
    „Wir akzeptieren jede Meinung, solange sie mit unserer übereinstimmt“ abgewürgt werden?!

    Vielmehr sollten sich hier einige Leute erst mal an die eigene Nase fassen …

  2. Tobias Prüwer | 29. September 2015 | um 04:46 Uhr

    Sehr geehrter »Ein denkender Bürger«, haben Sie vielen Dank für Ihren Einwurf. Auch wenn ich diesen nicht ganz nachvollziehen kann. Ich sage ja nicht, das nichts sein darf, was mir nicht passt und ums Rechthaben geht es mir auch nicht. Oder wie soll Ihr »Rechtslogig« verstehen? Mit Logik von rechts wie Logik des Rechts hat mein Kommentar jedenfalls nichts zu tun. Eine andere Bdeutung erschließt sich mir nicht ad hoc.

    Was Ihre Forderung mit der Auseinandersetzung mit den Gida-Thesen betrifft: Die haben wir ausführlich in Print wie online geführt. Warum eine Auseinandersetzung per se produktiv sein muss, wenn man das Objekt der Betrachtung in seinen Forderungen kritisch sieht, weiß ich nicht. Zumal Ihr »von Anfang an« suggeriert, es gebe solche festen Forderungen. Die Gidas changieren doch ständig selbst. Ginge erst gegen eine gefühlte Islamisierung, dann gegen GEZ, OB Jung als »Antifa«-Anführer, Chemtrails, Neue Weltordnung usw. Wo da jetzt der »Grund der Bewegung« sich von deren Abgrund unterscheidet ist in meinen Augen nicht einmal eine Gratwanderung.

    Meine Erfahrung – persönlich wie im digitalen, nun ja: Gespräch in den sozialen Netzwerken – ist da ernüchternd, was den neutralen Argumentationsaustausch betrifft. Da haben Sie schon Recht, auch wenn ich Ihr »gegen primitive Sturheit ist nun mal kein Kraut gewachsen« eher den Gidaisten attestieren würde. (Was wäre eigentlich der Mittelweg zwischen Rassismus und Antirassismus? Teilzeitrassismus? No-go-Area-Lotterie à la heute hier, morgen dort? Ene mene muh?)

    Mit dem Widerspruch haben Sie Recht, aber Dialektik beinhaltet eben nicht die Synthese. Das ist die Vulgär-Vatiante des Historischen Materialismus. Hatte ich in der Schule auch noch gelernt. Aber da hatten die Lehrer oder Lehrer der Lehrer einfach nicht genug Geduld, Hegel und Marx ernsthaft zu lesen. Wer jetzt Ihr »der Philosoph« ist, kann ich daher leider nur raten.

    Überzeugen Sie dann doch lieber mit Argumenten als mit Anwürfen und Bibelzitaten. Vielleicht klappts dann auch mit der Dialektik.

  3. Ein denkender Bürger | 29. September 2015 | um 22:11 Uhr

    Nett zu lesen, wie sich sich jemand verbal windet, der gemerkt hat, auf welch dünnem Eis er steht!

    Oder anders gesagt:
    Alles, was ich hier geschrieben hatte, ist genauso gemeint, wie sie es ganz richtig verstanden haben!

    Und Ihre Antwort bzw. Reaktion zeigt wieder einmal mehr, daß es dagegen keine überzeugende Argumentation gibt.

    Aber wie hat schon der Russische Publizist und Gesellschafts-Kritiker Analoti Iwanow so treffend festgestellt:

    „Wir alle wissen, daß die Wahrheit bei denen liegt, denen wir den Mund verbieten.“

  4. Ein denkender Bürger | 1. Oktober 2015 | um 21:23 Uhr

    Oder anders gesagt:

    Wenn zwei Seiten nur noch übereinander und/oder gegeneinander statt miteinander reden, fahren sich beide Seiten in ihren Thesen fest.
    Die Folge sind dann immer primitive Sturheit gepaart mit einer Radikalisierung – auf beiden Seiten!

    Was dabei auf der Strecke bleibt, sind dann immer die reale Vernunft und das menschliche Miteinander.

    Und genau darüber sollten hier mal einige nachdenken!

  5. Tobias Prüwer | 4. Oktober 2015 | um 06:08 Uhr

    Wie stellen Sie sich denn genau ein Miteinander-Reden vor, wenn Sie nur postulieren, aber auf keinen Einwand eingehen? Sie sagen schlicht »dünnes Eis« zu meiner Entgegnung und dass ich eben keine Argumente hätte gegen die Ihrigen. Und wenn Ihr Schreiben wirklich so gemeint ist, dann erklären Sie mir bitte die Synthese/den Mittelweg zwischen Rassismus und Antirassismus. Sie weichen doch aus. Wer noch mal verbietet Ihnen den Mund? Das haben Sie auch noch nicht jenseits Ihrer Behauptung konkretisiert. Sie drehen sich im Kreis Ihrer Wahrheitsliebe, gehen auf keinen konkreten Punkt ein, aber behaupten dann Sturheit (der Krauts, gegen die nichts gewachsen ist? Sorry, der musste sein.). Was soll ich denn mit Ihnen reden, wo doch eh schon feststeht, dass Sie die Wahrheit gefressen haben – das spricht aus jeder Ihrer Zeile? Wenn Sie wirklich an einer Diskussion interessiert sind, dann entkräften Sie meine Einwände gegen Ihren ersten Post. Und dass sich der kreuzer – wie von Ihnen unterstellt – nie mit den Thesen der Gidas auseinandergesetzt hat, könnten Sie dann in Beurteilung und Einordnung meines Kommentars (also der Text da ganz oben) in eine größere Berichterstattung auch noch berücksichtigen.

  6. Ein denkender Bürger | 5. Oktober 2015 | um 17:52 Uhr

    Grundsätzlich: Hier ging es nicht im die Frage Rassismus/Antirassismus oder dergleichen, sondern um die allgemeine Feststellung, daß man eben alle Seiten mal neutral und ohne Vorurteile in der Weise schwarz oder weiß betrachten sollte.

    Da ich aber zu jenen Menschen gehöre, die keine Frage unbeantwortet lassen, sei eine Antwort hier nicht vorenthalten:

    Mir müßte mal jemand erklären, was die Warnung vor einer unkontrollierten Massen-Zuwanderung in unser ohnehin kurz vor dem Kollaps stehendes Sozialsystem mit Rassismus zu tun hat.

    Weiterhin sollten die Leute erst mal richtig lesen:
    Islamisierung heißt nicht Islam! Niemand sagt ernsthaft erwas gegen einen sich an die Spielregeln haltenden Moslem. Das heißt aber nicht, daß wir unsere kulturellem Werte deshalb aufweichen oder gar ganz aufgeben sollen oder müssen. Und das – also die Aufweichung oder Aufgabe eigener Werte – heiß Islamisierung (man hätte genauso gut auch Amerikanisierung oder Afrikanisierung sagen können). Und da besteht zum Terminus Islam ein kleiner aber feiner Unterschied!
    Sex und Liebe sind schließlich auch nicht dasselbe …
    Und nun möge mir bitte mal jemand plausilel erklären, was das mit Rassismus zu tun hat.
    Wenn jemand hierher kommt, hat er sch uns anzupassen und nicht umgekehrt! Das verlangen andere Länder und Kulturen ja auch – und der vernünftige Mensch respektiert das und hält sich dran!

    Und vor allem möge mir mal jemand plausibel machen, was so schlimm oder rassistisch daran sein soll, wenn man fordert, den jeweiligen Besonderheiten anderer Ethnien und Kulturen in der Behandlung der Betreffenden Rechnung zu tragen! Jeder Mansch ist nun mal ein Individuum, geprägt von seinem jeweiligen Kulturkreis und seiner jeweiligen Ethnie und Religion. In dieser Hinsicht alle gleich zu behandeln wäre eine geistig-kulturelle Vergewaltigung.

    Fassen wir daher den Mittelweg zusammen:
    1. Begrenzung der Zuwanderung auf ein vernünftiges, sozialpolitisch und wirtschaftlich vertretbares Maß.
    2. Keine Aufweichung oder Aufgabe der eigenen Kultur oder Werte zugunsten irgendwelcher Zugezogener.
    3. Denjenigen, die herkommen stärker ins Gepäck und vor allem in die Gesinnung sehen.
    4. Den hier her gekommenen unmißverständlich klar machen, dß sie hier Gäste sind, welche die Normen und Werte des Gastgebers zu achten und zu respektieren haben (nicht zu verwechseln mit kultureller Unterwerfung – das wäre nämlich Umkehrung des Sinnes in Gegenteil!)
    5. Dabei Beachtung der unterschiedlichen kulturellen und ethnischen Prägungen des Einzelnen in dessen Behandlung.

    Und nun sage mir mal einer, was daran rassistsch ist!

  7. Ein denkender Bürger | 5. Oktober 2015 | um 18:19 Uhr

    Und genau das waren ursprünglich mal die Forderungen der GIDA-Bewegung!

    Was dann draus geworden ist, ist die Kehrseite der Medaille – aber auch und vor allem ein Ergebnis dessen, wie man damit in der Öffentlichkeit umgegangen ist.

    Oder anders gesagt:
    Hätte man sich von Anbeginn an sachlich-neutral mit der Problematik befaßt, die Kritiken und Forderungen als berechtigt anerkannt und die entsprechend notwenigen, vernünftigen Konsequenzen gezogen, statt alles als rassistischen-neofaschistisch zu verteufeln, wären und viele Probleme erspart geblieben.

    Womit sich der Kreis zu meiner ersten Ausführung geschlossen hätte …

  8. Tobias Prüwer | 7. Oktober 2015 | um 03:40 Uhr

    Werter denkender Bürger,

    danke für die Versachlichung. Allerdings muss ich schon Ihrem nachgeschobenem Post widersprechen: Das waren nie und nimmer die ursprünglichen Forderungen von Pegida. Ja, da war von Anfang an diese diffuse »Islamisierung«, die sich nirgends wirklich erklärt, außer in Äußerungen wie Weihnachtsmärkte dürften so nicht mehr heißen etc. und der Übertreibung (Hochpotenzierung) von in der Tat verabscheuungswürdigen Verbrechen im Namen des Islam oder als Teil eines islamischen Selbstverständnisses (»Ehrenmorde« etc.) Schon im ersten Thesenentwurf wurde dann was von »Schuldkult« (wieder rausgestrichen) geschrieben, es geht geht gegen Homosexualität und Gleichstellung. Die »Masseneinwanderungen« in diesem Sommer sind doch nur – auch von Ihnen hier – nachgeschobene Argumente.

    Bereits der Anlass von Pegida (L. Bachmann hat das mehrfach in Interviews berichtet) – es war eine Demo von linken Gruppen, die Unterstützung für die Kurden in Kobane im Kampf gegen den IS forderten, ist da hoch interessant. Die kämpften und kämpfen ja gerade gegen Islamisten. Von Forderungen für eine andere Einwanderungspolitik usw. war da noch nichts zu hören.

    Warum übrigens soll ich das denn als berechtigt anerkennen, wenn ich das als unberechtigt beurteile? Das Recht, Brüllen zu dürfen, bedeutet doch noch lange nicht, Recht zu haben. Die Thesen wurden mehrfach umgeschrieben und sind insgesamt als nichts anderes als ein Pamphlet eines mindestens erzkonservativen und deutschtümelnden Weltbildes zu bezeichnen. Auch dazu finden Sie online wie in Print beim kreuzer eine Auseinandersetzung. Diese müssen Sie nicht mögen, mit Lügen hat das aber auch nichts zu tun.

    Dem Kulturalismus (Individuen sind nunmal kulturell verschieden geprägt und passen daher nicht zusammen), dem Sie das Wort sprechen, ist doch schon seit den 1980ern bekannt als der Versuch der Neuen Rechten, von Gegen/Blut&Boden auf Kultur zu machen, um Menschen dann doch eben nicht als gleichwertig dastehen zu lassen. Also: das Rassismus-Schema eben anders zu bedienen. Darüber ist die Literatur Legion und das Konzept Kulturelle Identität ist einfach nicht zu halten. Siehe hier (bitte nicht als Eigenwerbung verstehen, aber ist ein freier Online-Text, ansonsten kann ich Ihnen gern noch ein paar Bücher hierzu empfehlen): http://sprachlos-blog.de/stoer-meine-kulturkreise-nicht/

    Da sind wir dann auch schon beim Werte-Punkt Ihrer Liste. Ich halte nichts von Leitkultur und diese entspricht auch einer Demokratie nicht – es sei denn, mit Leitkultur würde man einen rechtlichen Rahmen des Grundgesetzes (Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Unversehrtheit, Recht auf Asyl …) meinen, aber dafür steht »deutsche Leitkultur« eben als Begriff nicht. (Was auch die CDU nicht begreift.) Ist eben auch ein bisschen schwammig, so ein Kultur-Begriff. Überspitzt: Muss ich mir gefallen lassen, dass Leute aus Wurzen & Co. (die Hälfte der Legida-Lute kommen ja wie ihr Anmelder nicht aus Leipzig) jeden Montag meinen Innenstadtbummel kaputt machen? Meiner (Lebens-)Kultur gehören die nicht an, manche nicht einmal meiner Sprechergemeinschaft, wenn ich deren Posts lese. Aber ja, sie sollen demonstrieren dürfen, weil das ihr demokratisches Grundrecht ist. Aber kritisieren darf ich das auch, weil das ebenso zur Demokratie gehört und Widerspruch nicht Mund-tot-Machen heißt. Und dann muss ich eben »Auswüchse« wie prügelnde Legidas oder Drohbriefe (auch an mich) eben miteinkaufen, wenn ich die Gestalt dieses demokratisch legitimierten Protests kritisiere. Muss ich im »Kultur«-Kampf ganz neutral-nüchtern wohl akzeptieren.

    Wenn Rassisten auflaufen, damit sich hier auch für mich der Kreis schließt -und hier meine ich nicht jeden, der dort mitläuft, aber die Agenda und viele hervorstechenden Protagonisten -, dann hat das auf jeden Fall etwas mit antirassistischer und antifaschistischer Kritik und Praxis zu tun.

  9. Ein denkender Bürger | 7. Oktober 2015 | um 13:57 Uhr

    Wäre ich jetzt Deutschlehrer und müßte den Kommantar als Aufsatz bewerten, würde ich glatt sagen: „Thema verfehlt, 5- !“.

    Was an den Forderungen, die ich hier als vernünfigen Mittelweg in den Raum gestellt habe rassistisch sein soll, wurde mir mit keiner Silbe erörtert.

    Und was die Populisten im Laufe der Zeit so als dümmlichen Bolzen abgeschossen haben, weiß ich selbst (gilt für die Populisten der Gegenseite übrigens genauso …!).

    Von einer Leitkultur war in meinen Ausführungen nie die Rede – schon weil ich den Begriff aufgrund seines schematisch-zwangsweisen Charakters selbst ablehne. Ich habe von ehtisch-moralischen Grundwerten geredet, die nun mal jedem Menschen aufgrund seiner Prägung individuell anheim sind. Und diese über Bord zu werfen wäre eine schlichtweg eine ethisch-moralischen Vergewaltigung.

    Den Begriff Islamisierung habe ich ausdrücklich erläutert – sollte die Erläuterung (warum auch immer) nicht verstanden worden sein, kann ich sie gern noch einmal ausführlicher geben.

    Alles in allem habe ich aber das Gefühl, das hier jemand etwas nicht verstehen will – und was das bedeutet, dazu habe ich mich schon ausreichend ausgelassen …

    Da ich aber niemanden etwas Böses unterstellen will, hier mal ein kleines Beispiel aus der Geschichte, worüber jeder einmal nachdenken sollte, bevor er sich gemachten die Warungen und Forderungen leichtfertig in den Wind schlägt:

    Die alten Ägypther haben schon Pyramiden gebaut (was auch heute noch eine enorme technologische und logistische Herausforderung wäre!), als unsere Vorfahren noch mit Keule und Bärenfell um Urwald rumgerannt sind.

    Dann kam die Kolonialisierung, wogegen die Ägypther nicht rechtzeitig und nicht ausrechend gegengesteuert haben – unter anderem auch, weil sie sich untereinander uneinig waren, wie mit den Kolonialherren umzugehen ist.

    Und heute ist Ägypthen Entwicklungsland – und obendrein mehr oder weniger von seinen ehemaligen Kolonialherren abhängig!

    Soll Deutschland auch so enden?!

  10. Tobias Prüwer | 8. Oktober 2015 | um 04:31 Uhr

    In aller Kürze: Auf Ihre Forderungen bin ich nicht eingegangen, weil die nie Thema in dieser Diskussion und auch nicht meines Ursprungstextes waren. Damit habe ich das Thema (nur vielleicht Ihr Thema) eben nicht verfehlt, aber danke für die Benotung.

    Wenn Sie die Gida-Forderungen selbst so diffus finden, warum wollten Sie mich vorher dazu festnageln, diese nicht »neutral«/»objektiv« betrachtet zu haben? Das war doch der erste Anlass Ihres Kommentars.

    Es war indirekt von Leitkultur bei Ihnen die Rede, weil – obwohl Sie von Individuen sprechen – dem einzelnen Menschen »Kultur« als unveränderbares Attribut attestieren. So zumindest lesen sich Ihre Einlassungen.

    Meine Zeilen zur »Islamisierung« bezogen sich, deshalb stehen sie auch im entsprechenden Absatz«, auf Pegida. Ich teile Ihren Unwillen, mir eine -isierung aufdrücken zu lassen, eben auch keine Re-Christianisierung, wie sie in Sachsen gerade passiert.

    Ihr Ägyptenbeispiel finde ich schlecht gewählt, die Pyramiden konnten ja nur durch Imperialismus und Sklaverei überhaupt errichtet werden. Darin sehe ich nicht das optimale Bild einer »guten« Gesellschaft. »Unsere Vorfahren« rannten damals auch noch nicht rum, auch wenn das Gebiet, das mehrere 1000 Jahre später mal Deutschland heißen sollte, natürlich schon von Menschen besiedelt war (di übrigens auch schon handwerklicher begabt waren, als nur Fell und stumpfe Schlaggegenstände zu haben). Aber da es den Gidas – und da zähle ich Sie als Verteidiger dieser einfach mal drunter – immer um Blut und »Kultur« geht, was eine Zugehörigkeit zur deutschen Nation betrifft, glaube ich nicht, dass man diese Menschen in dieser Hinsicht als Vorfahren bezeichnen kann.

  11. Tobias Prüwer | 9. Oktober 2015 | um 02:10 Uhr

    Jaja, »Wahrheiten« und der andere will einfach nicht aufwachen, einsehen… Vielleicht schätzen Sie die Funktionsweise eines Kommentarbereichs einfach falsch ein? Sie hatten Anmerkungen zu meinem Text, auf diese habe ich reagiert. Sie weiteten daraufhin die thematische Kampfzone – ums mal so zu nennen – mit jedem Kommentar aus. Irgendwann gings dann auch gar nicht mehr um die Gidas, sondern Ihren persönlichen Forderungskatalog. Geschenkt. Aber wenn ich nicht darauf eingehen möchte, will ich in Ihren Augen gleich die »Wahrheit« nicht sehen. Soviel zu Ihrer Dialektik.

  12. Ein denkender Bürger | 9. Oktober 2015 | um 06:49 Uhr

    Mit anderen Worten:

    Da hat jemand zugegeben, daß er auf eine (ihm unangenehme) Sache gar nicht eingehen will – aus Prinzip. Aber wir sind ja ach so tollerant und demokratisch – solange der andere unserer Meinung ist!

    Kind, Du bist auf dem dünnen Eis, auf dem Du sowieso standest soeben ausgerutscht und eingebrochen!!!

    Aber das willst Du ja sowieso nicht wahrhaben …

  13. Tobias Prüwer | 10. Oktober 2015 | um 03:58 Uhr

    Das »Kind« können Sie gern stecken lassen. Und nein, Ihre Thesen – bevor Sie Gidas Thesen and what so ever in den Ring führten – sind keine unangenehme Sache. Sie haben einfach nicht verstanden, dass das hier nicht der Chatroom ist, in dem Sie dem Journalisten Ihres Misstrauens alles vor den Bug knallen können, was Ihnen gerade so einfällt. Gehen Sie doch lieber raus in die Welt/Öffentlichkeit engagieren Sie sich, wie und wo es Ihnen beliebt. Aber kommen Sie doch nicht immer wieder mit dem Starrsinn des gewollt Unverstandenen, dem am Ende – weil seinem Insistieren auf der eigenen Wahrheit nicht einfach statt gegeben wird – trotzig ins Kindchenschema des Duzens und Opa-haften Belehrens verfällt. Der kleine Tobias Prüwer muss nicht vom Eis geführt werden, auf dem Sie ihn sehen. (Und wieso bin ich nicht tolerant, ich kommuniziere doch hier mit Ihnen, auch wenn ich Ihre Meinung nicht akzeptiere. Sie müssen da wirklich unterscheiden.)

    PS: Haben Sie ein Argument, warum ich auf Ihre raumgreifenden Ausuferungen, die mit meinem Text wenig zu tun haben, eingehen muss? Vielleicht weichen Sie einmal ja nicht aus.

  14. Ein denkender Bürger | 10. Oktober 2015 | um 08:26 Uhr

    Ich behandle Menschen so, wie er sich verhält – inklusive entsprechender Anrede …
    Und eine höflich gestellte Frage nicht zu beantworten, ist nun mal unhöflich. Genauso wie eine vernünftige Diskussion nur zustande kommen kann, wenn man eine These entweder sachlich widerlegt oder (was ja keine Schande ist – der denkende Mensch ändert schließlich ab und an seine Ansichten) als berechtigt anerkennt.
    Aber hier ist weder das eine noch das andere passiert!

    Mutmaßlich könnte der kleine Tobias altersmäßig mein Sohn sein. Und wenn er es wäre, würde ich ihm sagen:
    „Bevor Du die Welt mit irgendwelchen Thesen behelligst, sieh sie Dir erst mal an!“
    Und als Anstoß würde ich ihm einen kräftigen Tritt in den Hintern geben …