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Film

Eldorado

Die Schicksale zumeist afrikanischer Frauen und Männer, die aus ihren krisengeschüttelten Herkunftsländern ins verheißungsvolle Europa flüchten wollen, und die Verflechtungen von Asyl-, Außen-, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik waren in den vergangenen Jahren schon mehrfach Gegenstand aufwühlender Dokumentationen. Von Gianfranco Rosis Berlinale-Gewinner »Seefeuer« über Lisei Caspers' »Gestrandet« bis hin zu Ai Weiweis »Human Flow«. Markus Imhoof, der zuletzt 2012 mit dem Bienenfilm »More Than Honey« von sich reden machte, hat sich des komplexen Themengemenges nun auf ungewöhnlich persönliche Weise angenommen: Die Familie des Schweizer Regisseurs hatte 1945 im Zuge einer Aktion des Roten Kreuzes das unterernährte Straßenkind Giovanna aus Italien bei sich aufgenommen. Nach vielem Hin und Her starb das Mädchen im Alter von nur 13 Jahren verarmt in seiner Heimat an einer schweren Krankheit. Diese schlimme Kindheitserinnerung hat Imhoof nun dazu gebracht, sich im Hier und Jetzt an eine Bestandsaufnahme der Flüchtlingspolitik und ihrer »Begleiterscheinungen« zu machen - denn Geschichte wiederholt sich bekanntlich. Mit seinem Kameramann begibt er sich zu Dreh- und Angelpunkten und filmt die dramatischen Zustände auf einem Rettungsschiff, das Elend eines Auffanglagers, die Ausbeuterei auf einer Schwarzarbeiterplantage und den Papierkrieg in Behörden und Amtsstuben, wo Tausende Menschen hoffend und bangend im Nirgendwo festsitzen. Die einzelnen Doku-Segmente unterbricht Imhoof immer wieder mit unaufdringlichen Erzählpassagen, in denen das traurige Schicksal der kleinen Giovanna aktuelle Entwicklungen spiegelt. Dabei ist sein Film niemals belehrend, sondern überlässt es dem Verstand und dem Herzen des Zuschauers, die inhaltlichen Verknüpfungen zwischen damals und heute herzustellen.

Peter Hoch
4 kreuzer
(D/CH 2018, Dok, 90 min) R: Markus Imhoof

Film

Der Feuerwehrball

In einer tschechischen Kleinstadt soll ein Feuerwehrball stattfinden. Am Abend der Feier überlegt sich der Vorstand spontan, auch eine Miss-Wahl abzuhalten. Als schließlich der Höhepunkt des Abends in Form der Wahl der »Miss Feuerwehrball« bevorsteht, geraten die Feierlichkeiten außer Kontrolle, als sich die Kandidatinnen in der Toilette einschließen und neue Mädchen gefunden werden müssen; notfalls mit Gewalt. Der kürzlich verstorbene Regisseur Milos Forman (»Einer flog über das Kuckucksnest«) erlangte mit »Der Feuerwehrball« internationale Bekanntheit, nachdem der Film in der Tschecheslowakei verboten worden war. Die Zensoren glaubten, in der satirischen Handlung eine politische Allegorie auf das sozialistische System zu erkennen. Womit sie nicht ganz Unrecht hatten. - The revolution will be televised: Filmreihe und Ausstellung zur 68er Bewegung
(CZ/I 1967, OmU, 35 mm, 71 min) R: Milos Forman; D: Jan Vostrcil, Josef Sebanek, Josef Valnoha

Kunst

Arno Rink, »Ich male!«

Über sechzig Arbeiten zeigt das Museum der bildenden Künste vom Leipziger Maler Arno Rink (1940-2017) - so viel wie noch nie und völlig angemessen für eine Retrospektive, die er selbst mit vorbereitete. Und dabei gibt es jede Menge zu entdecken: von den bekannten nackten Körpern über Polizeiterror hin zu ganz persönlichen Abbildern. Das zeitliche Spektrum reicht von der Diplomarbeit zum Roten Oktober bis zu tiefdunklen Selbstbildern im Atelier aus den 2010er Jahren. (Foto: Arno Rink, Terror II, Bildrechte: VG Bild-Kunst Bonn 2018)