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Sabrina Capitani

Sabrina Capitani — Das Spiel der Gauklerin

Gaukler, Huren und die wahre Liebe - Sabrina Capitanis Historienschinken »Das Spiel der Gauklerin«

Manche Bücher sind wie Fallen. Bunte Umschlagbilder - vorzugsweise Frauen zeigend - und reicher Historienstoff dienen als Lockmittel. Ein straffer Spannungsbogen zerrt den Leser durch die Handlung. Die Autorin Sabrina Capitani ist die Jägerin. Reiche Beute ist zu erwarten. Erzählt wird die Geschichte der 17-jährigen fahrenden Musikerin Pauline Schwan, die zur Neujahrsmesse 1573/74 in Leipzig weilt, um Geld für den … weiterlesen

Vincent Overeem

Vincent Overeem — Misfit

Stellenweise schmerzhaft - In »Misfit« erzählt Vincent Overeem von der Macht alter Konflikte

Das Rätsel steht nicht am Anfang, sondern entspinnt sich während des Romans mit den Informationshäppchen, die der Erzähler liefert und die sich beim Leser verdichten. Durch die Erzählweise, die zwischen Gestern und Heute wechselt und damit stückweise die Vergangenheit offen legt, entsteht der permanente Verdacht eines Unheils, das hinter der Geschichte lauert und brachial über den Leser hereinzubrechen droht. Dieser … weiterlesen

Tom McCarthy

Tom McCarthy — Tim & Struppi und das Geheimnis der Literatur

Mit Hund, Charme und Stecknadelaugen - Tom McCarthy erklärt, warum »Tim und Struppi« Weltliteratur ist

Klassiker sind eben nicht totzukriegen. So lässt sich das kleine »Tim und Struppi«-Revival auf den Punkt bringen. Bei Arte ist im Herbst die fünfteilige Dokumentarfilmreihe »Auf Reisen mit Tim und Struppi« gelaufen, die einige Stationen des bereits 80 Jahre alten Comic-Duos aus der Feder von Georges Remi Hergé geografisch nachzeichnet. Eine bibliophile Farb-Faksimilereihe der Comics ist bei Carlsen erschienen. Den … weiterlesen

Yorck Kronenberg

Yorck Kronenberg — Ex Voto

Permanentes Geheimnis - In »Ex Voto« erzählt Yorck Kronenberg die Geschichte einer seltsamen Entführung

»Um eines der Gebäude war ein niedriger Holzzaun gezogen. Der Gefangene stieg darüber und stellte sich einen Garten vor, mit Salat und ein paar Furchen Kartoffeln; am Boden wuchsen aber nur Unkraut und Gestrüpp.« In derart plastischer Sprache beschreibt Kronenberg die Situation von Robert Siegburg, einem deutschen Arzt, der in der Fremde zur Geisel wird und unter anderem in … weiterlesen

Abbas Khider

Abbas Khider — Die Orangen des Präsidenten

In Saddams Folterknast - In »Die Orangen des Präsidenten« erzählt Abbas Khider von Folter und Barbarei

»Flüchtlingslager sind der langweiligste Ort der Welt. Ich zähle Sandkörner, bis mir vielleicht irgendein Traumland Asyl gewährt.« Um der furchtbaren Langeweile zu entgehen, greift der Erzähler zum Schreibutensil und beginnt einen als »wahre Geschichte« ausgegebenen Text. In der Ich-Perspektive des Jungen Mahdi Hamama wird ein Leben im Irak skizziert. Als Kind noch glücklich behütet, war er acht Jahre alt, als … weiterlesen

Mark Lehmstedt:

Mark Lehmstedt: — Die geheime Geschichte der Digedags. Die Publikations- und Zensurgeschichte des »Mosaik« von Hannes Hegen 1955-1975

Ein Meilenstein der Mosaikologie - Mit »Die geheime Geschichte der Digedags« arbeitet Mark Lehmstedt ein Stück DDR-Verlagsgeschichte auf

Das »Mosaik« gilt als einzige reine und - da weitgehend unpolitisch - auch beliebteste Comic-Zeitschrift der DDR. Mit ihren drei sympathischen Hauptfiguren, den Digedags, reisten Generationen von DDR-Lesern ab 1955 gedanklich durch Raum und Zeit. Die 1975 auf monatlich 600.000 Exemplare angestiegene Auflage konnte die Nachfrage im 17-Millionen-Einwohner-Staat bei weitem nicht befriedigen. Mit dem überraschenden und unaufgeklärten Verschwinden der Digedags … weiterlesen

Comics: Diverse — Diverse

Prinz Eisenherz war gestern - Derzeit sind wieder historische Comics angesagt. Eine Auswahl

Geschichte, Geschichte, Geschichte - der derzeitige Comic-Markt hat sich auf historische Stoffe verlegt. Zwar ist das Fantastische nicht tot, und auch die Zahl der »Nachwuchsautoren«, die sich wie in der Literatur in Selbstbespiegelungen ergehen, statt Substantielles zu erzählen, nimmt zu. Doch viele Alben sind historische Erzählungen oder wenigstens in der Vergangenheit angesiedelt. Dass das nichts Schlechtes bedeuten muss, zeigt diese … weiterlesen

Reinhard Kaiser-Mühlecker — Wiedersehen in Fiumicino

Kein Seelenstriptease in Buenos Aires - Reinhard Kaiser-Mühleckers neuer Roman »Wiedersehen in Fiumicino«

Wer wünscht sich nicht manchmal, die Gedanken des anderen lesen zu können, einfach um dessen Handeln besser zu verstehen? Reinhard Kaiser-Mühlecker gibt in seinem neuen Roman »Wiedersehen in Fiumicino« nun zumindest dem Leser die Chance, Einblick in das Seelenleben von fünf Menschen zu erhalten. Er taucht in das Leben von völlig verschiedenen Personen ein und lässt dabei jede von ihnen … weiterlesen

Sascha Lange

Sascha Lange — Das wird mein Jahr

Verzichtbare Coming-of-Age-Klamotte - Lieblos heruntererzählt: Sascha Langes »Das wird mein Jahr«

Sommer 1989. Gärtnerlehrling Friedemann ist 18 und nicht nur mit dem Nachnamen Blumenstrauß, sondern auch mit Liebeskummer gestraft. Denn Anke ist weg, getürmt in den Westen, ebenso wie Andi und Katrin, die anderen Mitglieder der gemeinsamen Band »The Innocent Disco«. Nach dem Balaton-Urlaub findet sich Friedemann allein in Leipzig-Grünau wieder. Das wars dann wohl mit der Liebe, der Freundschaft und … weiterlesen

Norbert Vogel

Norbert Vogel — Meine graue Stadt. Leipziger Ansichten 1966-1991

Eine Stadt, die es nicht mehr gibt - Norbert Vogels Fotoband »Meine graue Stadt« zeigt Leipzig vor der Wende

Zu Anfang seines Romans »Der Zauberberg« spricht Thomas Mann von der »hochgradige[n] Verflossenheit« seiner Geschichte. Die rühre daher, »daß sie vor einer gewissen, Leben und Bewußtsein tief zerklüftenden Wende und Grenze spielt«. Mann meinte die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Aber trifft die Rede von der »hochgradigen Verflossenheit« nicht ebenso auf die DDR zu? Nur zwanzig Jahre sind seit der … weiterlesen