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Mark Lehmstedt:

Mark Lehmstedt: — Die geheime Geschichte der Digedags. Die Publikations- und Zensurgeschichte des »Mosaik« von Hannes Hegen 1955-1975

Ein Meilenstein der Mosaikologie - Mit »Die geheime Geschichte der Digedags« arbeitet Mark Lehmstedt ein Stück DDR-Verlagsgeschichte auf

Das »Mosaik« gilt als einzige reine und - da weitgehend unpolitisch - auch beliebteste Comic-Zeitschrift der DDR. Mit ihren drei sympathischen Hauptfiguren, den Digedags, reisten Generationen von DDR-Lesern ab 1955 gedanklich durch Raum und Zeit. Die 1975 auf monatlich 600.000 Exemplare angestiegene Auflage konnte die Nachfrage im 17-Millionen-Einwohner-Staat bei weitem nicht befriedigen. Mit dem überraschenden und unaufgeklärten Verschwinden der Digedags … weiterlesen

Comics: Diverse — Diverse

Prinz Eisenherz war gestern - Derzeit sind wieder historische Comics angesagt. Eine Auswahl

Geschichte, Geschichte, Geschichte - der derzeitige Comic-Markt hat sich auf historische Stoffe verlegt. Zwar ist das Fantastische nicht tot, und auch die Zahl der »Nachwuchsautoren«, die sich wie in der Literatur in Selbstbespiegelungen ergehen, statt Substantielles zu erzählen, nimmt zu. Doch viele Alben sind historische Erzählungen oder wenigstens in der Vergangenheit angesiedelt. Dass das nichts Schlechtes bedeuten muss, zeigt diese … weiterlesen

Sabrina Capitani

Sabrina Capitani — Das Spiel der Gauklerin

Gaukler, Huren und die wahre Liebe - Sabrina Capitanis Historienschinken »Das Spiel der Gauklerin«

Manche Bücher sind wie Fallen. Bunte Umschlagbilder - vorzugsweise Frauen zeigend - und reicher Historienstoff dienen als Lockmittel. Ein straffer Spannungsbogen zerrt den Leser durch die Handlung. Die Autorin Sabrina Capitani ist die Jägerin. Reiche Beute ist zu erwarten. Erzählt wird die Geschichte der 17-jährigen fahrenden Musikerin Pauline Schwan, die zur Neujahrsmesse 1573/74 in Leipzig weilt, um Geld für den … weiterlesen

Vincent Overeem

Vincent Overeem — Misfit

Stellenweise schmerzhaft - In »Misfit« erzählt Vincent Overeem von der Macht alter Konflikte

Das Rätsel steht nicht am Anfang, sondern entspinnt sich während des Romans mit den Informationshäppchen, die der Erzähler liefert und die sich beim Leser verdichten. Durch die Erzählweise, die zwischen Gestern und Heute wechselt und damit stückweise die Vergangenheit offen legt, entsteht der permanente Verdacht eines Unheils, das hinter der Geschichte lauert und brachial über den Leser hereinzubrechen droht. Dieser … weiterlesen

Tom McCarthy

Tom McCarthy — Tim & Struppi und das Geheimnis der Literatur

Mit Hund, Charme und Stecknadelaugen - Tom McCarthy erklärt, warum »Tim und Struppi« Weltliteratur ist

Klassiker sind eben nicht totzukriegen. So lässt sich das kleine »Tim und Struppi«-Revival auf den Punkt bringen. Bei Arte ist im Herbst die fünfteilige Dokumentarfilmreihe »Auf Reisen mit Tim und Struppi« gelaufen, die einige Stationen des bereits 80 Jahre alten Comic-Duos aus der Feder von Georges Remi Hergé geografisch nachzeichnet. Eine bibliophile Farb-Faksimilereihe der Comics ist bei Carlsen erschienen. Den … weiterlesen

Yorck Kronenberg

Yorck Kronenberg — Ex Voto

Permanentes Geheimnis - In »Ex Voto« erzählt Yorck Kronenberg die Geschichte einer seltsamen Entführung

»Um eines der Gebäude war ein niedriger Holzzaun gezogen. Der Gefangene stieg darüber und stellte sich einen Garten vor, mit Salat und ein paar Furchen Kartoffeln; am Boden wuchsen aber nur Unkraut und Gestrüpp.« In derart plastischer Sprache beschreibt Kronenberg die Situation von Robert Siegburg, einem deutschen Arzt, der in der Fremde zur Geisel wird und unter anderem in … weiterlesen

Abbas Khider

Abbas Khider — Die Orangen des Präsidenten

In Saddams Folterknast - In »Die Orangen des Präsidenten« erzählt Abbas Khider von Folter und Barbarei

»Flüchtlingslager sind der langweiligste Ort der Welt. Ich zähle Sandkörner, bis mir vielleicht irgendein Traumland Asyl gewährt.« Um der furchtbaren Langeweile zu entgehen, greift der Erzähler zum Schreibutensil und beginnt einen als »wahre Geschichte« ausgegebenen Text. In der Ich-Perspektive des Jungen Mahdi Hamama wird ein Leben im Irak skizziert. Als Kind noch glücklich behütet, war er acht Jahre alt, als … weiterlesen

Andreas Stammkötter

Andreas Stammkötter — Messewalzer. Ein Leipzig-Krimi.

»Ihre braunen Augen waren gerötet« - Andreas Stammkötters Leipzig-Krimi »Messewalzer« strotzt vor Stilblüten

Leipzigs Krimi-Star Willi Lachmann liegt im eigenen Blute. Während einer Lesung wurde er in der Pfeifenstube vom Peterssteinweg her hinterrücks erschossen. Das Publikum ist erschüttert. »Mein Name ist Hauptkommissar Kroll«, sagt der Ermittler. Und schon geht es los: In Andreas Stammkötters neuem Leipzig-Krimi »Messewalzer« kämpfen sich der Kommissar und sein Kollege Wiggins durch ein Gewirr aus Neid, Liebe, Fußball, Stasi-Akten, … weiterlesen

Wolfgang Schlüter — Die englischen Schwestern

Ein Hauptspaß für die »happy few« - Wolfgang Schlüters Roman »Die englischen Schwestern« liest man nicht beim Frisör

Also: Zwei Zausel, Werner und Georg (»Schorse«), latschen in Arno Schmidt‹scher Manier bildungsbürgerliches Bullshit-Bingo quatschend durch Kreuzberg. In der heimatlichen Bude präsentiert Werner seinem Kumpel ein aus dem Sperrmüll gefischtes Manuskript, das Schorse sich umgehend zu Gemüte führt. Es handelt sich um Briefe, die ein Studiosus seiner Freundin aus dem Italien-Urlaub geschrieben hat. Darin berichtet er, wie ihm in einer … weiterlesen

Abo Alsleben

Abo Alsleben — Des Teufels bizarre Kunst

Seichte Abgründe - Abo Alslebens »Des Teufels bizarre Kunst« bietet nur öden Trash

Der selbsternannte Vertreter des »internationalen Rotzlöffeltums«, Abo Alsleben, hat wieder zugeschlagen. Nach zwei Romanveröffentlichungen kehrt er mit »Des Teufels bizarre Kunst« zur kleinen Form zurück. Neben dem Titel lässt auch der grelle Einband des Buches auf einen grotesken Inhalt schließen. Mal schauen: Bei dem Werk handelt sich um ein Sammelsurium aus kurzen Erzählungen, Gedichten und Zeitungsartikeln, das ein beeindruckendes Spektrum … weiterlesen