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Paolo Cognetti: Gehen, ohne je den Gipfel zu berühren

Paolo Cognetti: Gehen, ohne je den Gipfel zu berühren —

Etwas haarspalterisch scheint einem der Bestsellerautor (»Acht Berge«) und leidenschaftliche Wanderer Paolo Cognetti ja schon: Der Mann, der auf Tausenden Höhenmetern unterwegs ist, behauptet in seinem neuen Buch immerzu, kein Bergsteiger zu sein. Das liegt natürlich daran, dass des klassischen Bergsteigers Ziel der Gipfel eines Berges ist. Diese kolonial anmutende Bezwingung des Berggipfels ist ein Phänomen – wer hätte das … weiterlesen

Gabriele Tergit: Effingers

Gabriele Tergit: Effingers —

Es gibt Bücher, die schiebt man als Rezensent vor sich her. Man ahnt, sie sind gut. Aber: 900 Seiten! Beflügelt vom nahenden Redaktionsschluss macht man sich an die Lektüre von Gabriele Tergits epischem Familienroman »Effingers« – und wird sofort reingezogen. Hin zu den sehr unterschiedlichen, von Tergit lebendig gezeichneten Charakteren. Rein in die verschiedenen Milieus, die sie so leichthändig entwirft: … weiterlesen

Dagny Juel: Flügel in Flammen

Dagny Juel: Flügel in Flammen —

Zum ersten Mal erschien das Gesamtwerk der norwegischen Fin de Siècle-Persönlichkeit Dagny Juel 2019 auf Deutsch. Lars Brandt fügte seiner Übersetzung den Essay »Kein Puppenheim« hinzu, mit dem er den Band um facettenreiche und aufwendig recherchierte Angaben zu Juels Leben und dem Entstehungshintergrund ihres Werks vervollständigt. Juels gutbürgerliche, südnorwegische Mittelklasse-Herkunft mag nicht so richtig mit ihrer Hochzeit mit dem polnischen … weiterlesen

Dilek Güngör: Ich bin Özlem

Dilek Güngör: Ich bin Özlem —

Özlem lebt in Berlin, arbeitet als Lehrerin für Fremdsprachen, hat einen Mann und ein Kind. So weit, so gewöhnlich. Doch obwohl Özlem sich große Mühe gibt, möglichst normal zu sein, erlebt sie immer wieder Ausgrenzung. Immer wieder geben ihr Fremde und Bekannte das Gefühl, nicht dazuzugehören. Özlem hasst den Ausdruck vom »Leben zwischen zwei Kulturen«. Und dennoch wird sie gezwungen, … weiterlesen

Bildungslücke: Folge 34 – Erhard Kaps: »Gefangen, inhaftiert, befreit« (1999)

Bildungslücke: Folge 34 – Erhard Kaps: »Gefangen, inhaftiert, befreit« (1999) —

Wenn sich das Leben allmählich dem Ende zuneigt, greifen viele ältere Menschen zum Stift, zum Laptop oder zur Ghostwriterin. So viel ist schließlich in all den Jahrzehnten erlebt, gefühlt, gedacht worden, und man selbst war die ganze Zeit dabei! Wer schreibt, der bleibt – zumindest ein bisschen. So hat auch der Leipziger Unternehmer Erhard Kaps (1915–2007) nach seinem achtzigsten Geburtstag seine … weiterlesen

Ghodsee, Kristen R.: Warum Frauen im Sozialismus besseren Sex haben

Ghodsee, Kristen R.: Warum Frauen im Sozialismus besseren Sex haben —

Wenn schon Die Zeit freidreht und unter dem Titel »Geht’s noch?« (51/2019) die etwas nach links rückende SPD abstraft, ist klar, dass die Sozialismuspanik auch in Deutschland ihre Spuren hinterlassen hat. Kristen R. Ghodsee, Osteuropaexpertin, Mauerfall-Zeitzeugin und gelegentliche Kolumnistin, reagierte auf populistische Sozialismusschelte in den USA im August 2017 mit einem Gastkommentar in der New York Times. Darin erklärte sie, … weiterlesen

Bildungslücke: Folge 33 – Thomas Böhme: Die Einübung der Innenspur (1990)

Bildungslücke: Folge 33 – Thomas Böhme: Die Einübung der Innenspur (1990) —

Spätestens die Debatten der letzten Monate dürften gezeigt haben, dass im Taumeljahr 1990 so einiges überrollt und übersehen wurde, das erst jetzt langsam wieder seinen Weg an die Oberfläche findet. In der Bildungslücke wollen wir deswegen das Jubiläumsjahr mit einem Buch beginnen, das bei seinem Erscheinen einigermaßen in der Wiedervereinigungsaufregung unterging: »Die Einübung der Innenspur«, der erste Roman des 1955 … weiterlesen

Joseph Cassara: Das Haus der unfassbar Schönen

Joseph Cassara: Das Haus der unfassbar Schönen —

Schon mit dem Titel gab es Ärger. »Das Haus Xtravaganza« sollte der Debütroman von Joseph Cassara heißen, doch das reale »House Of Xtravaganza« in New York, wo seit 1982 queere Bälle und Voguing-Veranstaltungen stattfinden, protestierte. Das Haus und die LGBTQ-Ballroomszene wurden vor allem durch den queeren Kult-Dokumentarfilm »Paris Is Burning« von 1990 bekannt. Auch der erst 1989 geborene Cassara liebt … weiterlesen

Dirk Uwe Hansen: Sonne Geschlossener Wimpern Mond

Dirk Uwe Hansen: Sonne Geschlossener Wimpern Mond —

Im Jahr 2018 startete der Gutleut Verlag die »lichte« Reihe. Eröffnet wurde das Projekt mit den Gedichten des Übersetzers, Altphilologen und Lyrikers Dirk Uwe Hansen. Schon die Aufmachung des schmalen Bandes steht im krassen Gegensatz zum »lichten« Konzept: Künstler und Verleger Michael Wagener lieferte fotografische Arbeiten aus seiner Serie »Wasser – soon over babaluma«, um den Eindruck einer extrem verdichteten … weiterlesen

André de Richaud: Der Schmerz

André de Richaud: Der Schmerz —

In Frankreich erschien André de Richauds Roman »Der Schmerz« bereits 1931. Nun liegt die erste deutschsprachige Übersetzung des Werks vor: Ein verlassenes Dorf im Süden Frankreichs. Der Erste Weltkrieg tobt weit entfernt im Norden des Landes. Thérèse Delombre war schon als Frau des Befehlshabers eine Außenseiterin im Dorf. Als der Hauptmann fällt, verblasst zwar die neidische Feindseligkeit der Dorfgemeinschaft, an … weiterlesen