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Rezensionen

Jungstötter

Jungstötter

Jungstötter

Jungstötter

Der warme Trommelklang schreitet voran, er wird umschmeichelt von aufblitzenden jungen Stimmen, vom rüstenden Aufatmen der Holzbläser. Sie ebnen den Pfad, den Jungstötters (Fabian Altstötter) tiefes Timbre verfolgt. Und jener bleibt unvorhersehbar, führt bisweilen in dunkle Abgründe, etwa mit dem Song »Tell this Lover«. Die Blasinstrumente (gespielt von Ralph Heidel) hauchen und säuseln Nebelschwaden zwischen die tastenden Melodien. Wie außerweltliche Tränen tropfen die Töne der Harfe (Andy Aquarius) und beschweren die Klanglandschaft zusätzlich. Die Trübsal lichtet sich allmählich, sobald der Rhythmus von »Loud Fingers« aufklart und erst Klavier, dann die Mundharmonika vorleuchtet. Das sind nur einige Eindrücke vom dritten Album »Sustained«, für das der ehemalige Sizarrsänger ein herrlich experimentierfreudiges Ensemble um sich schart. Die eigenwilligen Impulse jener Musikerinnen und Musiker gehen wie selbstverständlich in den Klangwelten Altstötters auf. Besonders schön sind dabei die ungeschliffenen Momente, etwa das Ende, dem wie dem Anfang eine Improvisation innewohnt. Im gemeinsamen Spiel sprengt Jungstötter die vorher schon gedehnten Vorstellungen von Popsongs auf. Zurück bleibt eine umarmende Geräuschkulisse aus anfangs kriechenden und sich allmählich aufbrausenden Pulsen, suchenden Klaviermelodien. Es flirrt, es raunt und rauscht und Altstötters Stimme glüht fortwährend. Claudia Helmert

Weird & Eerie

Weird & Eerie

Folksongs from the www

Folksongs from the www

Folk ist als musikalischer Bezugspunkt ähnlich flüchtig wie Jazz. Glaubt man, ihn auf einen Punkt gebracht zu haben, ist er im nächsten Moment schon wieder in Auflösung begriffen. Doch gerade inmitten dieser begrifflichen Konfusion kann auch ein besonderer Reiz stecken, wie das Debütalbum »Folksongs from the www« von Weird & Eerie unterstreicht. Hinter dem Namen verbirgt sich mit Ja,-Panik-Frontmann Andreas Spechtl, dem Autor und Dramatiker Thomas Köck, der Jazzschlagzeugerin Katharina Ernst sowie der Keyboarderin und Saxofonistin Annea Lounatvori eine so vielversprechende wie zugleich erstaunliche Besetzung. Als erstaunlich erweist sich auch das klangliche Ergebnis des Quartetts, das – wie der an ein Buch des britischen Kulturtheoretikers Mark Fisher angelehnte Projektname bereits andeutet – einigermaßen unheimlich daherkommt. Das hat seinen Grund, setzen sich Weird & Eerie auf dem Werk inhaltlich doch mit den längst verlorenen Potenzialen des Internets auseinander: Was 1998 noch Emanzipation versprach, hat sich nicht erst mit Chat-GPT & Co. ins komplette Gegenteil verkehrt. So erweisen sich die Versprechen von einst als die Gespenster von heute. Dementsprechend schichtet das Quartett hier düstere Synthesizer-Klänge übereinander, die von der vertrackten Rhythmik Katharina Ernsts zusammengehalten werden. Im Zentrum stehen jedoch Spechtls mehr gesprochene als gesungene Lyrics, die keine Geschichten erzählen wollen, sondern in ihrer Wechselseitigkeit lange, mitunter kryptische Assoziationsketten bilden. Wohin sie tragen, ist ungewiss. In einer Welt der vollständigen Berechenbarkeit ein kleiner Hoffnungsschimmer. Luca Glenzer

Fink

Fink

The City is coming to erase it all

The City is coming to erase it all

Fink ist zur Band gereift. Was als Elektro-Soloprojekt von Fin Greenall begann, hat sich vom Blues hin zum Folk entwickelt, den der Brite auf seinem aktuellen Album noch ausufernder im Kollektiv zelebriert. Der Rhythmus-geprägte Sound ist die unverkennbare musikalische Handschrift. Die Worte liegen bluestypisch auf dem Fingerpicking, der Gesang windet sich um den Takt, schwillt auf und ab. Konzeptuell hat die Band sich diesmal am englischen Singer/Songwriter Michael Chapman orientiert, der in den sechziger Jahren in der Cornwall-Folkszene auftauchte und vor allem bei Musikern der Insel bis heute hohes Ansehen genießt. Um seinen Sound zu rekreieren, legte Fink sich eine Maxime auf: Wenn es 1974 nicht existierte, darfst du es nicht benutzen. Der englische Grammy-Preisträger und Musiknerd Sam Okell begleitete den Prozess. Herausgekommen ist ein herrlich analoges Album mit hypnotischem Sound, der sich in den ausufernden acht Stücken frei entfaltet. Das ist alles hochgradig meisterhaft arrangiert und spannend. Eine Verehrung des Albums als Form. Finks neuntes Studioalbum folgt dem vor zwei Jahren erschienenen »Beauty in your Wake«. Der anhaltende Flow kommt vom steten Touren, der Neugier, die Songs auf die Bühne zu bringen und ihnen neues Leben einzuhauchen. Die an Perfektion grenzende Symbiose der Bandmitglieder wird bei ihren Konzerten deutlich. Das kann man im Oktober an zwei besonderen Abenden in Leipzig erleben, mit denen Fink ihre Tour eröffnen. Lars Tunçay

Iceage

Iceage

For Love of Grace & the Hereafter

For Love of Grace & the Hereafter

Aktuell gibt es wohl kaum eine Rockband, die über die Zeit ihres Bestehens einen derartigen musikalischen Wandel hingelegt hat wie Iceage aus Dänemark. Ihr Weg führt von klassischem, brachialem Postpunk auf ihrem 2011er Debüt über einen eigenwilligen Postpunk-Goth-Mix auf »Plowing into the Field of Love« bis hin zu Americana-Rock auf »Seek Shelter« inklusive der Stadion-Hymne »Shelter Song«. Auf der neuen LP ziehen sich Iceage nun wieder ein neues Sound-Gewand an: Ist »The Weak« eher eine schmissige Rock’n’Roll-Nummer, wird auf »Ember«, »Salve for every Sore« und »Lifetime« mit voller Wucht der Indie-Sound der 2000er heraufbeschworen. Die Band weiß, wie man knackige Rocksongs schreibt, und bringt auch auf Album Nummer sechs eine Menge Spielfreude mit. Trotz der Texte, die ernste Themen voller Herz- und Gesellschaftsschmerz verhandeln, klingt die Musik wie schon auf dem Vorgänger »Seek Shelter« insgesamt zuversichtlicher und weniger finster als auf den früheren Alben – mit eingängigen Melodien in den Refrains. Man kann sich bildhaft vorstellen, wie das Publikum verdrossene Hooks wie »Get ready for a Lifetime of Beatings, Child« mitgrölt – da geht eine interessante Schere zwischen schmerzbehafteten Texten und eingängiger musikalischer Untermalung auf. Die Eingängigkeit stellt sich nach dem Hören aber als Pferdefuß heraus: Als Hommage an die Nuller- und Zehnerjahre funktioniert das Album, anders als auf »Seek Shelter« schaffen Iceage es aber nicht, die Hommage abseits der Texte durch ihre Handschrift auf spannende Weise aufzubrechen und zu bereichern. Jakob Semmer

Pretty Average

Pretty Average

The Highs and Lows of Being Pretty Average

The Highs and Lows of Being Pretty Average

Frontfrau Candy, Gitarre in der Hand, singt mit ihrer verhallten Stimme über soziale Ablehnung im Frauendasein hinter ihrer coolen Sport-Sonnenbrille. Die Drums sind schlicht und langsam, mit schön verzerrten Gitarren und repetitiven Akkordfolgen – das reicht aus, um das Publikum zum Record-Release von »The Highs and Lows of Being Pretty Average« in Berlin weich und wach zu kriegen. Der Sound des zwischen Shoegaze und Indie-Rock schwankenden Albums entspricht der Live-Performance der vierköpfigen Band aus Madrid: rau, ohne Ansagen, mal wild, mal traurig, aber vor allem intim und atmosphärisch. Viel davon hat mit den Unmengen an Hall zu tun, mit denen sie ihre Songs überspielen. Nicht nur darin ist dieses Album als Kontrast zu überproduzierter kommerzieller Musik gedacht, sondern auch in der Entscheidung von Pretty Average, es nicht auf allen Musikplattformen kostenlos anzubieten und nur als Kassette mit Download-Code zugänglich zu machen. Online sind lediglich zwei Singles des obskuren Albums zu hören, da die Songs laut Band zu »precious« seien, um sie kostenlos herzugeben. Wer die Band live erleben will, kann das am 21. Mai 2027 (!) im Noch Besser Leben tun. Wer es bis dahin nicht aushält, bekommt hier einen kleinen Vorgeschmack: Das Album besteht aus sechs Songs, die irgendwie an My Bloody Valentine, The Velvet Underground und die Siebziger-Harmonien von The Brian Jonestown Massacre erinnern. Das Rad hat die Band damit nicht neu erfunden – aber es dreht sich trotzdem in ihrem eigenen Pretty-Average-Way. Libia Caballero Bastidas

Widowspeak

Widowspeak

Roses

Roses

Widowspeak gehören nach 16 Jahren Bandgeschichte längst zu den verlässlichen Größen des zeitgenössischen Indie-Folks. Auch auf ihrem neuesten Werk bleiben Molly Hamilton und Robert Earl Thomas ihrem bewährten Stil treu: verträumt, grazil und aus der Ruhe heraus rockend. Wo andere Bands auf (über-)große Gesten setzen, genügen Widowspeak wenige, präzise Akzente. Hamiltons schwelgerischer Gesang, der an Hope Sandoval von Mazzy Star erinnert, und die erdigen Gitarrenlinien von Thomas sind einfach das perfekte Match. Die beiden sind nicht nur musikalisch, sondern auch privat Partner und inzwischen verheiratet. Da heutzutage Indie-Folk die wenigsten Bands vollständig ernährt, arbeitet Thomas im echten Leben als Tischler, Hamilton als Kellnerin in einem Diner. Aufgenommen haben sie die Platte mit ihren Tourmusikern Willy Muse, John Andrews und Noah Bond auf der griechischen Insel Hydra – in der winterlichen und touristenarmen Nebensaison. Die Ruhe und Schönheit der Umgebung fließen direkt in den ohnehin schon entschleunigten Sound ein. Widowspeak sind schon seit ihrem selbstbetitelten Debüt spannend. Seit ihrem fünften Album »Plum« aus dem Jahr 2020 bewegt sich die Band allerdings auf atemberaubend hohem Niveau. Artverwandte wie Yo La Tengo oder Speck Mountain klingen auch auf »Roses« wieder durch. Wir freuen uns auf Nachschlag. Kay Engelhardt

Boards of Canada

Boards of Canada

Inferno

Inferno

Ja, das Wunder ist geschehen: Boards of Canada veröffentlichen nach »Tomorrow’s Harvest« von 2013 erstmals neues eigenes Material. Die treuen und dürstenden Fans können ihr Glück kaum fassen und sehnen »Inferno« als prophetisches Geschenk herbei. Im Netz wird verstorbener Freundinnen, Freunde und Familienmitglieder gedacht, die das neue Album nicht mehr erleben. Menschen, die einzig die Hingabe zur Band verbindet, teilen zutiefst persönliche Geschichten miteinander. Musik als kollektive Erfahrung und Katalysator zum Austausch. Das Miteinander bildet die Antithese zum apokalyptischen Albumtitel und tut der geschundenen 2026er-Seele gut. Und die Musik? Boards of Canada bieten auf »Inferno« 70 Minuten ihres bekannten Stils – nicht weniger, aber auch nicht mehr. Ihre vielschichtigen Drum-Synth-Collagen und die mehr oder minder kryptischen Sprachsamples sind reichlich vorhanden. Gerade die Letzteren sind aber häufig zu ausladend und zu bestimmend für die Songs, wodurch Titel wie »The Word becomes Flesh« oder »Father and Son« bei mehrmaligem Hören an Reiz verlieren. Überraschend ist die Beschaffenheit der Produktion: Sie kommt satter, glatter und digitaler daher, hebt sich dadurch irritierend von der verrauschten analogen Patina der bisherigen Diskografie ab. Eindrückliche Momente schafft das Album vor allem in seinen reduzierten Momenten: am Ende von »Age of Capricorn« etwa oder in »Memory Death«. Das bewegende Miteinander der Fans rund um das Album hallt länger nach als die Musik selbst und macht kurz Hoffnung, dass das Inferno noch etwas auf sich warten lassen möge. Jakob Semmer

American Football

American Football

LP4

LP4

Schon der Opener kündigt an: Das hier wird kein Vergnügen. Das vierte Album der Band aus Illinois, ihr erstes seit sieben langen Jahren, ist kein einfaches Unterfangen. Waren Mike Kinsellas Selbstzweifel in Songs wie »Uncomfortably Numb« vom letzten Album noch mit Ironie versetzt, sind sie hier schmerzhaft offen und direkt ausgesprochen. Selbst sein Gesang, der auf den komplexen Soundstrukturen bislang stets Halt bot, klingt gebrochen. Die Texte kreisen um Sucht, Suizidgedanken, Selbstaufgabe – die zehn Stücke machen keine Gefangenen. »Man overboard«, singt Kinsella und das Schlagzeug von Steve Lamos scheint hinterherzutaumeln. Der Song wirkt, als würde er im nächsten Moment auseinanderfallen. Stattdessen verdichtet sich der Sound zunehmend, um sich dann in einem Gewittersturm zu entladen. »Bad Moons« ist das dunkle Herz des Albums. Eine bittere Selbstabrechnung, die bestenfalls in Katharsis endet. Der Funke Hoffnung glimmt schwach. Die kurzen Zwischenspiele bieten wenig Trost. Wie die Vorgängeralben trägt auch dieses den Namen der Band, ein Name, der stellvertretend für den American Way of Life steht. Insofern ist »LP4« auch eine Bestandsaufnahme. Nach einer – auch pandemiebedingt – längeren Pause nach ihrer 2019er Tour und der Arbeit in verschiedenen Seitenprojekten fand sich das Quartett wieder zusammen, als könnten die Mitglieder nicht ohneeinander. Produziert mit Sonny DiPerri (Diiv, Nothing), entstand ein weiter, offener Sound von erdrückender Dunkelheit. Beängstigend. Gut. Lars Tunçay

Various Artists

Various Artists

Experimentelle Welt 1

Experimentelle Welt 1

»Das Himmelszelt war heruntergetropft, ja, zwischen unsere Hände«, rezitiert Wally Hagelmond zauberhaft. Hinter dem Alias steckt die Billo-Labelbetreiberin Lisa »Liv« von Billerbeck höchstselbst. Und ihr Song »Die abgelegene Straße« reiht sich nur schwer ins Spoken-Word-Genre ein, denn ihre Musik bleibt weitaus interessanter als alle flink aufkeimenden Assoziationen mit jener Rubrik. Hinter Billerbecks Worten baut sich eine einnehmende, zunehmend verspulte Geräuschkulisse auf, die das Rezitierte mit einer zusätzlichen Aura umschwirrt. Ihre Musik ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem jüngst auf ihrem Label veröffentlichten Sampler »Experimentelle Welt 1«. Also flink weiter: Ganz nah an ihrer Klangästhetik sind die Pulse der Wiener Künstlerin Conny Frischauf. Allmählich vervielfacht sich ihre Stimme, stolpert alsbald wohllautend über den Grundschlag mit dem Stück »Warte«. Ganz anders klingt Samuel Kleists schmissiger »Plan 9«. Wie zu Filmmusik aus vergangenen Zeiten lässt sich mit seiner Musik herrlich flanieren – das ist besonders bemerkenswert, da der Weimarer Künstler sonst eher mit Lärm arbeitet. Flau reiben sich dann Atem an Atem, der tiefe Rhythmus hievt die Töne auf und lässt sie wieder fallen. Sind die Hörerinnen und Hörer einmal gebannt, baut Tin Tin Patrone (alias Christina Köhler) rasch dichter und dichter ihre klangvollen Experimentierräume auf. Die »Experimentelle Welt 1« schlägt aufregend, fesselnd und frisch. Der Sampler reiht sich ein in das OEuvre des Berliner Labels Billo, das unter anderem »Bildende Künstler*innen Versuchen Musik Zu Machen« wie auch »Die letzten Ecken« hervorbrachte. Seit nunmehr sieben Jahren stehen die Tonträger für brausende, laute und durch ihre Aufmachung stets hübsch anzusehende Klangwagnisse. Claudia Helmert

Kevin Morby

Kevin Morby

Little wide open

Little wide open

Kevin Morby lebt seit 2017 mit seiner Partnerin und versierten Musikerin Katie Crutchfield alias Waxahatchee in Kansas City und genießt die relative Ruhe im Vergleich zu seinem vorherigen Lebensmittelpunkt Los Angeles. Eine der ersten LPs, die er sich als Teenager kaufte und ausgiebig hörte, war »American Water« von den Silver Jews. Deren Mastermind, der leider viel zu früh verstorbene David Berman, ist nach wie vor ein Idol Morbys. Die Parallelen sind unverkennbar: Beide Songwriter liefern zahlreiche Zitate zum Einrahmen und haben eine prägnante Stimme sowie eine markante Ansprache in ihren Liedern. Auch die 13 Songs auf Morbys achtem Studioalbum haben – wie gewohnt – eine hohe Sogwirkung. Er mischt galant Country, Folk, Americana und Indie-Pop. Und schielt strukturell immer ein wenig Richtung Gospel, allerdings ohne die religiöse Komponente. Aaron Dessner von The National hat sich freiwillig für die Produktion angeboten und auch gleich musikalisch mitgewirkt. Das ist durchaus bemerkenswert, da dieser bereits Popgrößen wie Taylor Swift und Ed Sheeran produzierte und nicht gerade wenig Anfragen hat. Morby schreckt, wie schon auf den letzten Alben, nicht vor gelegentlicher Theatralik in den Höhepunkten zurück, was seiner Musik aber steht und sicher auch mit Dessners Einfluss zusammenhängt. Dessen Produktion lässt viel Luft, so dass sich Morbys wunderbare Stimme entfalten kann. Die ebenfalls bekannten Helden Morbys, Bob Dylan und Lou Reed, klingen auch auf »Little wide open« angenehm durch. Neuerdings fühlt man sich auch hier und da an Tom Petty erinnert. Kay Engelhardt

Get Well Soon

Get Well Soon

Minus the Magic

Minus the Magic

Get Well Soon, das Alias von Songwriter Konstantin Gropper, ist in Deutschland seit mittlerweile zwanzig Jahren eine feste Größe im Bereich der verschrobenen Popmusik jenseits des Mainstreams. Die Synthesizer-Ästhetik des Vorgängers »Amen« tauscht Gropper auf »Minus the Magic« gegen geradlinigen Rock mit »klassischer« Bandbesetzung. Der live im Studio eingespielte, druckvolle Sound kommt mit wenigen Spielereien aus und hebt sich dadurch von den sperrigeren Einträgen in der Get-Well-Soon-Diskografie ab. Inspiriert ist der Sound laut Gropper von den Bands seiner Jugend – wie Nirvana oder Sonic Youth. Dass Get Well Soon kein zerrendes Feedback-Gewitter loslässt, ist nicht überraschend, aber die Songs treiben zäh in gemäßigtem Tempo vor sich hin und »OK« oder »There’s Waldo« könnten etwas zu leicht als Untermalung beim Fußball-Public-Viewing durchgehen. Leider wird der Titel des Albums dadurch zur selbsterfüllenden Prophezeiung – die Anlehnung an die Vorbilder der Jugend ist erkennbar, aber die Magie, das gewisse Etwas, fehlt. Positiv sticht »When they cheer you’re wrong« mit seiner ruppigen, düsteren Post-Punk-Ästhetik heraus, die wun- derbar zu Groppers Stimme passt. Das in »Here’s some Feedback« angedeutete Gitarren-Feedback fällt zwar überraschend sanft aus, bietet aber einen stimmungsvollen und willkommenen Kontrast zum stampfenden Sound des restlichen Albums. Mehr Mut zum Experiment hätte Groppers Rock-Platte gutgetan. Der stilsichere Schunkel-Rausschmeißer »That’s not me« beweist zuletzt noch mal, dass Groppers musikalische Stärken in anderen Gefilden liegen. Jakob Semmer

Brockhoff

Brockhoff

Easy Peeler

Easy Peeler

Wann hast du das letzte Mal beim Mandarinen-Schälen geflucht? Schalen, die immer am Fruchtfleisch kleben bleiben oder es unbarmherzig herausreißen. Und schon bist du genervt und hast keinen Bock mehr auf die Frucht. – Brockhoff besingt in ihrem Debütalbum »Easy Peeler« die gefügige Schwester der schwer und anstrengend zu schälenden Zitrusfrucht. Die, deren Schale locker-fluffig wie von selbst abgleitet und uns willig das saftige Fruchtfleisch offenlegt. Gleich im Opener und Titeltrack offenbart Brockhoff mit rauchiger, aber emotionaler Stimme die Schattenseiten dieser Willfährigkeit und Angepasstheit. Die Hamburgerin singt von Verletzlichkeit und Enttäuschung, aber auch von Selbstaufgabe: »You don’t know what it means to crawl out of your Skin«. Symphonische Streicher und schwere Gitarrenriffs unterstreichen die emotionale Dringlichkeit. Und trotzdem schwingt immer etwas Leichtes mit in den Melodien und den Pop-Arrangements. Es ergibt Sinn, dass der Song so zentral ist, denn er verspricht, was die anderen 13 Songs auf dem Album halten, und gibt damit das Thema vor: Traumwandlerisch fängt Brockhoff melancholische, nachdenkliche, manchmal auch beklemmende Momente ein und kleidet sie musikalisch in ein Indie-Gewand. Ein alter Mann, der Tauben füttert, ist dann nicht unbedingt ein romantisches, beschauliches Bild, sondern wird zu einer Szene aus Hitchcocks »Vögel«. Gleichzeitig kann aus Melancholie Produktivität erwachsen. Das sind die Widersprüche, mit denen Lina Brockhoff sich persönlich und als Künstlerin auseinandersetzt. Und die schließlich zu Songs werden, die sich schmerzlich-schön und bitter-süß in Herz und Ohr einnisten. Kerstin Petermann

Cavs

Cavs

Sojourn

Sojourn

Mit »Sojourn« liefert King-Gizzard-and-The-Lizard-Wizard-Drummer Michael Cavanagh aka Cavs den Nachfolger zu seinem schnörkellos einfach »CAVS« betitelten Erstling von 2021. Lag dort das Hauptaugenmerk noch auf Schlagzeug und Percussion, weht auf der neuen LP ein anderer Wind. Heiß, feucht, klebrig-süß kommt er daher: Die Platte klingt so warm und dicht, wie es das tropische Dschungel-Stillleben auf dem Cover verspricht, auf dem das Schlagzeug als organischer Teil der umliegenden Vegetation inszeniert wird. Schlagzeug und Percussion spielen weiterhin eine zentrale Rolle, werden jetzt aber von Klavier, Gitarre, Querflöte, Saxofon, Synths und sogar einer Harfe umspielt. Das erinnert stellenweise an Jazz-Größen der Siebziger wie Hubert Laws, Billy Cobham oder Herbie Hancock, zieht seine eigene Ästhetik aber konsequent durch. Bass und Percussion bilden ein sattes Grundgerüst, das im Mix klar im Zentrum steht. Die Bläser und Saiteninstrumente positionieren sich dreidimensional um diesen Groove-Ankerpunkt herum. Die Kompositionen fallen zwar weniger experimentell und fordernd aus als bei den genannten musikalischen Vorbildern, bieten aber genug Tiefe, um mehrmaliges Hören zu belohnen – dadurch funktioniert die Platte sowohl als Easy-Listening-Begleitung im Hintergrund als auch als Objekt für fokussiertes Zuhören. Eine nennenswerte erzählerische Dramatik ist im Verlauf des Albums nicht zu erkennen, dafür begeistert es mit seiner Kurzweiligkeit und seinem fantastischen Sound. Das ist spritziger Obstsalat und süßer Nektar für die Ohren, der Lust auf den Sommer macht. Jakob Semmer

Deltawelle

Deltawelle

Wir sind Staub im Kosmos

Wir sind Staub im Kosmos

Neues von der gar nicht mehr so neuen (Neue-)Neue-Deutsche-Welle-Front: Deltawelle sind mit ihrem zweiten Album »Wir sind Staub im Kosmos« zurück! Kosmos ist ein gutes Stichwort, gleicht der Sound der in Berlin und Leipzig ansässigen Formation doch einem angenehm psychedelisch-flirrenden Trip durch den Äther. Synthies und ein pumpender Bass bestimmen das Klangbild, begleitet von repetitiven Drumbeats und Texten, die hochtreibende Philosophie mit Stammtischweisheiten versöhnen. Alles ist relativ, das wusste bekanntlich schon Einstein. Und auch Deltawelle schließen daran an, wenn sie wie im Titeltrack die Diskrepanz zwischen einer sich selbst immer wichtiger nehmenden Spezies und ihrer gleichzeitigen Fragilität besingen. Und eins steht fest: In puncto Griffigkeit sind Deltawelle der akademischen Filterblase weit voraus! Was schon die einleitenden Worte des Albums deutlich machen, die da lauten: »Wenn das die Realität ist, dann mache ich mit.« Das hätte auch ein gewisser Frank Spilker nicht besser texten können, an dessen ebenfalls kosmische Assoziationen hervorrufende Band man sich beim Hören dieses Albums hier mitunter erinnert fühlt. Speziell das Disco-lastige Werk »24/7« der Sterne könnte Pate gestanden haben für »Wir sind Staub im Kosmos«, was auch ein Track wie »Alles kostet Kraft« nahelegt. Darin besingt die Band die Paradoxie, dass in unserer Hochleistungsgesellschaft alles anstrengend werde, egal ob Pausemachen, Arbeiten oder Grübeln. Stimmt! Aber eine Ausnahme gibt es: Deltawelle hören – das kostet nicht, sondern spendet Kraft. Luca Glenzer

Music for Intersecting Planes

Music for Intersecting Planes

Leila Bordreuil + Kali Malone

Leila Bordreuil + Kali Malone

Aus der Ferne tönt ein tiefer Weckruf. Dieses ausgedehnte Pfeifen gibt hinreichend Zeit, sich für das anstehende Ritual einzufinden, sich dorthin zu träumen, wo man die Klänge gerade vermutet. Allmählich zieht die Lautstärke an und immer klarer lassen sich die triefenden Töne der Orgel zuordnen. Es hallt und durch die suggerierte Weite packen, verlocken und fesseln die Klangschlingen. Dazwischen haucht es plötzlich gespenstisch. Die Melodien schwellen wiederholt an und geräuschvoll ab und treiben so die Hörerinnen und Hörer allmählich und gleichwohl kraftvoll in einen Zwischenraum aus Musik. Und ebenda fassen die Cellomelodien an, die über den raunenden Klangflächen verglühen. Die Töne reiben, verdichten sich und ganz selbstvergessen, hell, gereinigt findet man sich am Ende der Eröffnungsstücke von »Music for Intersecting Planes« wieder. Mit der gemeinsamen Veröffentlichung sind Kali Malone an der Orgel und Synthesizern sowie Leila Bordreuil an Cello und Effektgeräten zu einem würdigen, musikgewordenen Zeremoniell zusammengekommen. Die eindringlichen und gleichwohl schwelgerischen Klänge schmelzen die Zeit. Und den lebhaften Liveaufnahmen aus der Kirche Saint-Théodule in La Tour-De-Peilz in der Schweiz hört man die dunkle, besinnliche Höhe und Weite des Kirchenschiffs an – bezaubernd! Claudia Helmert

Shaking Hand

Shaking Hand

Shaking Hand

Shaking Hand

Manchester – Industriestadt im ständigen Abriss und Wiederaufbau. Heimat der Band Shaking Hand. Die sieben Stücke ihres Debüts sind inspiriert von den Reihen roter Backsteinhäuser, die ihre Heimat prägen. Ein melancholisch-britischer Shoegaze-Ritt durch frühen Post-Rock und US-Emo-Rock der Neunziger, versehen mit ihrem eigenen Stempel, neu und gleichermaßen nostalgisch. Die Stücke entstanden organisch im Zusammenspiel. »Die besten Ideen kommen, wenn alles kurz davor ist, auseinanderzufallen«, sagt Drummer Freddie Hunter. »Wenn wir es gerade so zusammenhalten.« Ihre musikalische DNA schöpfen die drei nach eigenen Angaben aus experimentellen Gitarrenbands wie Women, Slint, Sonic Youth, Pavement und Ulrika Spacek. Auf der kühlen Glasfassade ihres Sounds spiegelt sich das wärmende Licht der Sonne. Produziert wurde das Debüt von David Pye (Wild Beasts, Teenage Fanclub) in den Nave Studios in Leeds und erinnert mitunter auch an die Glory Days der frühneunziger Rave-Bewegung, Bands wie Stone Roses und Ride. Das musikalische Grundgerüst nahm die Band live auf und schichtete dann Roger Hunters entrückten Gesang auf Gitarre, Bass und Schlagzeug. So ist viel vom Jam-Charakter geblieben, die Songs entwickeln eine komplexe, mitreißende Dramaturgie. Auf Bandcamp haben Shaking Hand noch das epische »Over the Coals« nachgeliefert, das es nicht aufs Album geschafft hat, sich aber hervorragend einfügt. Lars Tunçay

Brigitte Calls Me Baby

Brigitte Calls Me Baby

Irreversible

Irreversible

»Irreversible« – unumkehrbar fräsen sich die Hooks ins Hirn. Was die Band aus Chicago auf ihrem zweiten Album vorlegt, sind nicht weniger als elf goldene Popmomente. Schon mit ihrem Debüt »The Future is Our Way Out« legten sie vor zwei Jahren eine strahlende Mixtur aus sieben Jahrzehnten Popgeschichte vor, nahmen die Riffs der Rockabilly-Ära und mischten sie mit coolem New Wave und einem untrüglichen Gespür für eingängige Melodien. Ein moderner Sound mit Retrotouch, nicht umgekehrt – zeitlos. Mittlerweile zum Quartett geschrumpft, nachdem Rhythmus-Gitarrist David Rosendahl den Weg ins Private wählte, tourten Brigitte Calls Me Baby (der Name geht auf einen Briefwechsel von Sänger Wes Leavins mit Schauspielerin Brigitte Bardot zurück) ausgiebig und probierten neue Songs live aus. Die fertigen Stücke nahmen sie dann gemeinsam mit Yves und Lawrence Rothman (Blondshell, Yves Tumor) in deren Studio auf. Herausgekommen ist ein Album, das vielfältig mit verschiedenen Stilarten spielt und den Sound der Band erweitert. Der Opener »There’s Always«, die Singles »Slumber Party« und »I Danced With Another Love In My Dream« – die erste Hälfte des Albums strahlt in purer Euphorie. Auf der B-Seite probiert die Band Neues, ruhigere Momente, bis hin zu elektronischen Spielarten. Über allem schwebt der göttliche Gesang von Leavins. »Irreversible« ist das logische Weiterdenken des Bandsounds und einfach unwiderstehlich. Lars Tunçay

James Blake

James Blake

Trying Times

Trying Times

»Trying Times« – selten lässt sich mit einem Albumtitel so treffend ein ganzes OEuvre zusammenfassen. James Blake, quasi der Erfinder des White-Boy-RnB, hat mit diesem Album nun schon den siebten Versuch der Selbstfindung unternommen. Das neue Album orientiert sich sichtbar am Vorgänger »Playing Robots into Heaven«. Hier eine Marvin-Gaye-Anspielung, da eine markante Hi-Hat, dann Clubsound der 2010er Jahre, ein bisschen Dubstep, ein bisschen Kid A, der obligatorische Rap-Part, dann wieder ruhigere, zurückgenommene Popsongs, die mehr untermalt als getragen werden von der leisen Falsettstimme Blakes. Kaum ein Popgegenwartskünstler versucht so laut und offenkundig aus so heterogenen Bereichen des künstlerischen Feldes zu collagieren – dass immer noch keine klaren Metalreferenzen zu erkennen sind, verwundert. Dennoch merkt man ihm häufig die Anstrengung an, die vielen Ideen und Referenzen zu einem homogenen Klangteppich zusammenzufügen. Zane Lowe sagte im Interview mit Blake zu diesem Album: »You’re as lost as you ever been in a great way.« Das Experimentieren ohne klares Ziel ist zum Status quo geworden und damit irgendwie auch zu Pop. Die Hits verstecken sich, herauszuheben sind eher starke Einzelelemente, wie etwa der epische Aufbau gleich im Opener »Walk out Music« oder der im Hintergrund gesungene Chorus »Death of Love« im gleichnamigen Song. Dennoch rauscht vieles auch ein bisschen durch und so richtig findet »Trying Times« erst im hinteren Teil etwas mehr zu sich, zum Beispiel in »Rest of your Life«, das als Antwort auf den Soundtrack des Films »The Happy Ending« aus dem Jahr 1969 fungiert. Liebe in Zeiten des Chaos – das ist laut Blake der thematische Aufhänger des Albums. Das Chaos beseitigt Blake nie so wirklich, aber vielleicht ist der Versuch auch schon viel wert. Jonas Fritzsche

Aldous Harding

Aldous Harding

Train On The Island

Train On The Island

Aldous Harding aus Neuseeland ist bekennend medienscheu und gibt demzufolge nur selten Interviews. Lieber lässt sie ihre einzigartige Musik für sich sprechen. In den raren auffindbaren Äußerungen erfahren wir immerhin, dass sie kein Problem mit den ewigen PJ-Harvey-Vergleichen hat, gern mal mit Future Islands musizieren würde und – wer hätte das gedacht? – Kate Bush mag. Und obendrein, dass ihre Alben meist treffliche Momentaufnahmen ihrer aktuellen Stimmung darstellen. Derzeit scheint es Harding bestens zu gehen, denn ihr neues Album kommt luftig, geerdet und zurückgelehnt daher. Es ist begrüßenswert, dass ihre Reise von melancholischem Goth-Pop zu jazzigem Dream-Pop mit einer melancholischen Note weitergeht. Die Schwere der Melancholie ist ätherischer Kontemplation gewichen. Bereits ihr letztes Werk »Warm Chris« war ausgesprochen zugänglich. »Train On The Island« beweist noch eindringlicher, dass ungewöhnliche Melodieführung durchaus catchy und groovy sein kann und dass große Songwriter-Kunst nicht wehtun muss. Harding trägt ihre wunderbar-wunderlichen Texte pointiert und mega-entspannt vor. Jeder Song eine potenzielle Single. Der langjährige Weggefährte John Parish, den wir auch von Kollaborationen mit PJ Harvey kennen, ist wieder mit am Start. »Train On The Island« macht große Lust auf die anstehenden Konzerte der Künstlerin, die insbesondere live angenehm außerirdisch wirkt. Kay Engelhardt

Sunn O)))

Sunn O)))

Sunn O)))

Sunn O)))

Laut Stephen O’Malley und Greg Anderson, der Kernbesetzung von Sunn O))), habe die Nähe zur Natur bei den Aufnahmen im idyllisch gelegenen Bear Creek Studio einen unmittelbaren Einfluss auf die sechs neuen Stücke gehabt. Und siehe da, er ist tatsächlich hörbar: im Opener »Xxann« etwa, der bandtypisch entschleunigt und klanglich gewaltig daherkommt, die Gitarren-Drones aber mit plätscherndem Wasser und im letzten Drittel auch mit zartem Vogelzwitschern hinterlegt. Beim verhältnismäßig kurzen und rhythmisch wie melodisch leichter nachvollziehbaren Closer »Glory Black« macht das einleitende Riff nach drei Minuten Platz für eine Handvoll dräuender Klavieranschläge, die vom Geräusch fließenden Wassers begleitet werden. Sunn O))) setzen damit willkommene Konterpunkte zur tektonischen Masse ihrer Gitarren. Zwischen den beiden Titeln liegen rund 50 Minuten soliden Handwerks, das neben zarten Field-Recording-Einflüssen aber ein paar mehr strukturelle und klangliche Ausreißer hätte vertragen können. »Xxann« und »Glory Black« sind eine klare Empfehlung als Einstiegspunkt. Die Rezeption der Band reicht von kultischer Verehrung bis hin zu Ratlosigkeit, wieso man sich den Lärm anhören solle, aber mit Rationalität kommt man bei dieser Band nicht weit. Ähnlich wie das Betrachten eines Sonnenaufgangs oder des Sternenhimmels fußt ihr klanglicher Maximalismus auf rein emotionalem und physischem Erleben. Eine Alltäglichkeit wie ein Sonnenaufgang vermag das Innerste des Menschen zu berühren. Sunn O))) ist der perfekte Soundtrack dafür. Jakob Semmer