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Die andere Seite

Die andere Seite

D/AT 2026, R: Mariko Minoguch, D: Nina Hoss, Precious Mariam Sanusi, Barbara Petritsch, 106 min

Wie ein scheues Tier steht Hanna im Wald, häutet einen Hasen und hält dabei immer wieder inne, um nach Geräuschen zu lauschen. Als sie Schüsse hört und Hundegebell, packt sie hastig alles zusammen und flieht. Durch den Wald, den Hang hinauf, doch der Hund ist ihr auf den Spuren und erst, als sie sich ihrer Beute entledigt, lässt er von ihr ab. Der schmerzhafte Verlust ist spürbar, noch schmerzhafter allerdings der Stock, der sich in ihren Unterschenkel gerammt hat, den sie unter Tränen entfernt, die Wunde desinfiziert und näht. Es geht um alles – das wird auch ohne Worte schnell klar in Mariko Minoguchis (»Mein Ende. Dein Anfang.«) zweitem Spielfilm. Das existenzialistische Drama entfaltet sich langsam. Es gibt einen hochansteckenden Virus, der die Menschheit dezimiert. Die Gesellschaft ist überfordert und reagiert radikal. Hanna war Ärztin und ist jetzt Ausgestoßene, da sie den Erreger in sich trägt. Über rund zwei Stunden entspinnt sich ein Kampf ums Überleben in der Wildnis der Alpenregion. Die traurigen Augen von Nina Hoss zeugen vom Leid, das sie gesehen haben. Endzeitdramen rund um tödliche Viren hat es schon viele im Kino gegeben, aber selten wurde das Szenario so trostlos geschildert. Zumal die eindrücklichen Bilder im Post-Corona-Zeitalter eine zusätzlich bedrückende Realität erfahren. LARS TUNÇAY


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