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Eine Krankheit wie ein Gedicht

Eine Krankheit wie ein Gedicht

D 2026, Dok, R: Jelena Ilić, 84 min

Es ist tatsächlich poetisch, was die Regisseurin, Autorin und Fotografin Jelena Ilić mit ihrem Dokumentarfilm erschaffen hat. Ein schmerzhaftes Gedicht, das die Beziehung zu ihrem Vater nicht nur in Verse, sondern vor allem in Bilder packt. Jelena Ilićs Vater hat eine »drogeninduzierte, chronifizierte schizoaffektive Psychose des manischen Formenkreises, Typ polytox, kein Morphintyp« und sitzt deswegen in der Forensik. Die Filmemacherin wünschte, er würde für immer dort bleiben und keine Gefahr für sich und andere darstellen – besonders nicht für sie. Denn da ist eine Angst in ihr, der sie sich in diesem Film stellt. Die Kamera hilft ihr, einen gewissen Abstand zum Geschehen zu entwickeln. Am Anfang geht es ums reine Dokumentieren, nicht ums Filmemachen. Es entwickelt sich nach und nach aber ein Film in Zusammenarbeit mit Ilićs Vater, nicht über ihn. Vater und Tochter tauschen ein Skizzenbuch aus, füllen Seite für Seite. Ilić überträgt diese Formensprache auf den Film und lässt damit tief blicken, ohne etwas sagen zu müssen. So mischen sich Angst, Überforderung und Wut alsbald mit Nähe und Akzeptanz, nehmen einen immer größeren Raum ein und spiegeln die Ambivalenz in der Vater-Tochter-Beziehung – inner- und außerhalb der forensischen Psychiatrie. Ilić sagt, sie habe keinen Weg gefunden, mit der Krankheit des Vaters umzugehen. »Ich habe nur gelernt, neben ihr herzulaufen, anstatt vor ihr wegzurennen.« Berührend und preisgekrönt. NADINE FAUST


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