Helene Weigel − Revolutionärin im Rampenlicht

Helene Weigel − Revolutionärin im Rampenlicht

D/A 2026, Dok, R: Maria Wischnewski, 102 min

Von Wien nach Berlin, ins Exil und zurück in die Hauptstadt. Helene Weigel (1900–1971) war berühmte Schauspielerin ihrer Epoche. Als Mitgründerin und Intendantin des Berliner Ensembles verschaffte sie dem Haus Renommee und wirkte in die Gesellschaft hinein. Oft wird sie als Doublette ihres Lebenspartners Bertolt Brecht dargestellt. Maria Wischnewski zeigt in ihrer Dokumentation nun aber die »Revolutionärin im Rampenlicht«. Unglaubliche vier politische Systeme erlebte Weigel. Als Theaterschauspielerin wurde sie in den Zwanzigern an der Spree gefeiert. Ihr nach heutigen Maßstäben exaltiert wirkendes expressiv-explosives Spiel macht der Film spürbar. Mit Archivmaterial wird die eigenständige Künstlerin auf der Leinwand lebendig, erhascht man etwas ihrer Ausstrahlung und Ausdruckskraft. Natürlich wird die Beziehung mit Brecht thematisiert, die gehört zu Weigels Leben. Aber das wird nicht einseitig erzählt, denn ohne Weigel wäre Brecht mutmaßlich nicht zum Dramatiker von diesem Format gewachsen. Nach der Rückkehr aus dem Exil läuten beide mit der Gründung des Berliner Ensembles und der Eröffnungspremiere von »Mutter Courage« eine neue Theaterära ein. Daran lässt der Film teilhaben. Unterbelichtet bleibt Weigels trügerische kommunistische Überzeugung. Dafür ist zu erfahren, wie eng verbunden sie Ästhetik und Politik sah und welche Kämpfe sie als Intendantin ausfocht. Dieses bisher fehlende Porträt nimmt Helene Weigel vollends auch als Künstlerin ernst. Tobias Prüwer


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