Minotaurus

Minotaurus

F/D/LET 2026, R: Andrey Zvyagintsev, D: Dmitri Mazourov, Iris Lebedeva, Boris Koudrine, 140 min

Die Filme von Andrey Zvyagintsev sind bildgewaltige Studien der menschlichen Natur. Der vielfach ausgezeichnete Regisseur und Autor von Werken wie »Die Rückkehr«, »Leviathan« und »Loveless« blickt tief in die russische Seele und erzählt damit universelle Geschichten. Dafür wurde er in Venedig und zweifach in Cannes geehrt. Mit »Minotaurus« erscheint nun sein erster Film nach neunjähriger Pause, in der Zvyagintsev seine Heimat verließ und ins französische Exil zog. In Lettland drehte er »Minotaurus« als seine Version von Claude Chabrols »Die untreue Frau« (1969) – ein fesselndes Ehedrama, das hier in der russischen Oberschicht angesiedelt ist. Die Beziehung zwischen Gleb und seiner deutlich jüngeren Frau Galina ist so kühl wie das Designerhaus, in dem die beiden mit ihrem Teenagersohn leben. Galina und Gleb führen längst parallele Leben. Er steht beruflich unter Druck, sie lebt ihre unerfüllten Wünsche in einer Affäre aus. Die private und berufliche Krise treibt Gleb an moralische Grenzen. Im Hintergrund dieses dichten Dramas schwelt der Krieg Russlands gegen die Ukraine. Überall weisen Plakate auf die Mobilmachung des Volkes hin. Auf Weisung der Staatsführung soll Gleb eine Liste mit den Namen seiner Mitarbeiter einreichen, die er an die Front schickt. Von oben betrachtet wirken die Figuren in den hochglänzenden Einstellungen ruhig, doch unter der Oberfläche brodelt es. Ein wütender Film voll meisterhafter Beherrschung. LARS TUNÇAY


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