Wiener Blues − The Loneliest Man in Town

Wiener Blues − The Loneliest Man in Town

A 2026, R: Tizza Covi, Rainer Frimmel, D: Alois Koch, Brigitte Meduna, Alfred Blechinger, 87 min

Der österreichische Musiker Al Cook ist ein Unikat. Trotzdem könnte man ihn auf der Straße übersehen. Langsam setzt er seine Schritte, die Schultern hochgezogen, der Blick in sich versunken – ein betagter James Dean. Oder besser noch: ein vornehmer Elvis, das große Vorbild aus Jugendtagen. Das Dokudrama »Wiener Blues« setzt Cook nun ein Denkmal. Dabei spielt er sich selbst. Man kennt so etwas. »Lucky« verließ sich ganz auf den Charme und die Biografie Harry Dean Stantons. In »20.000 Days on Earth« stolperte Nick Cave durch die Apokalypse. Und Al Cook? Verliert seine Wohnung. Eines Tages tauchen zwei zwielichtige Gestalten vor seiner Tür auf und stellen ihn vor die Wahl: Abfindung oder Schikanen. Die Typen könnten einem Film von Martin McDonagh entstammen, haben diesen abgehalfterten Halbweltcharme, der perfekt in dieses melancholische Universum passt. Sonst passiert eigentlich gar nicht so viel. Der Film zeigt Al Cook beim Schwelgen in Erinnerungen. Man sieht ihn in einem kleinen Club Gitarre spielen und später, wie er Fremden seine Einrichtung verkauft: das Sofa, den Plattenspieler, die Sammlung. Augenzwinkernd erkunden Tizza Covi und Rainer Frimmel die Klischees und Träume der Bluesmusik in ihrem Film. Doch es ist ein trauriger Humor, der nicht über die elegischen Bilder hinwegtäuscht. »Wiener Blues« ist ein Liebesgruß an eine Welt, die gerade verschwindet. Leise hallt er nach. Josef Braun


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