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Kapa Tult

Kapa Tult

Immer alles gleichzeitig

Immer alles gleichzeitig

Sie hätten auch eine Platte voller gefälliger Hits schreiben können. Man hört es während des Openers »Es bringt mir nichts«, glasklar wird es spätestens bei Track vier, »Mit mir schläfst du«. Nach dessen bitter-wahren Strophen – die auf simplen, repetitiven Riffs genug Raum kriegen, um wehzutun – möchte man sich in die Katharsis des Refrains fallen lassen: »Du kumpelst ab mit allen, aber mit mir schläfst du!«, wird anklagend und befreiend gerufen, aber dann kommt diese experimentell-jazzige Einlage, kurz vor Schluss. Die Band hat offensichtlich kein Problem damit, ein bisschen sperrig zu werden, und »Immer alles gleichzeitig« klingt, als hätten sie diesbezüglich mit Moses Schneider den idealen Produzenten gefunden. Angeblich galt während der Aufnahmen striktes Hall- und Overdubverbot, weswegen das Album deutlich trockener, nahbarer und organischer klingt als sein Vorgänger »Es schmeckt nicht«. Inhaltlich gibt »Immer alles gleichzeitig« einen soliden Überblick über das, was gerade so los ist. Leistungsdruck im Spätkapitalismus, Klimakrise, Rechtsruck und daneben noch die privaten Baustellen. Alle Bandmitglieder haben eigene Textanteile geschrieben und eingesungen, was zur gefühlten Nähe der Titel beiträgt und gleichzeitig der hart besungenen Realität den Fatalismus nimmt. Deswegen, und wegen der schlagkräftigen Keyboard-Bass-Kombi, kann man trotz allem gut zu »Immer alles gleichzeitig« tanzen. Laura Gerlach


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