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Kim Gordon

Kim Gordon

Play me

Play me

»Play me« ist eine Aufforderung – und Kim Gordon meint sie ernst. Nicht als Bitte um Aufmerksamkeit, sondern als selbstbewusste Setzung: Hör zu, wenn du willst. Ich werde mich nicht erklären. Auf ihrem dritten Soloalbum spielt sie mit Erwartungen, Rollen und Rhythmen – und bleibt dabei vollkommen bei sich. Wer Kim Gordon noch immer vor allem mit Sonic Youth verbindet, hört hier eine Künstlerin, die ihre Vergangenheit kennt, aber nicht verwaltet. »Play me« ist kein nostalgischer Rückblick, sondern ein präziser, gegenwärtiger Entwurf. Die Tracks sind kurz, Beat-fokussiert, trocken produziert und überraschend zugänglich. Kompromisslos, ja – aber nie demonstrativ sperrig. Der Titeltrack eröffnet mit einem motorischen Groove und fragmentierten Sprachfetzen, die wie ein ironischer Kommentar auf Playlist-Kultur und Dauerverfügbarkeit wirken. In Stücken wie »Girl with a Look« oder »Dirty Tech« treffen minimalistische Beats auf Gordons charakteristische, fast gesprochene Vocals: kühl, lässig, kontrolliert. Ihre Stimme steht nicht im Vordergrund, sie behauptet sich – ruhig, bestimmt, ohne Pathos. Dass in »Busy Bees« Dave Grohl Schlagzeug spielt, wirkt dann auch weniger wie ein prominentes Feature als wie ein augenzwinkernder Kommentar auf den Rock-Background. Thematisch kreist das Album um Macht, Körper, Technologie und Autonomie, ohne diese Begriffe je auszuerzählen. Die 72-Jährige performt Haltung, statt sie zu erklären. »Not Today« zeigt eine unerwartet melodische Seite, während andere Tracks mit Hip-Hop-Anleihen, Noise-Texturen und elektronischer Kargheit spielen. Das Album wirkt wie eine Verdichtung von Gordons bisheriger Soloarbeit: fokussierter, direkter, rhythmischer. Gordon klingt hier nicht wie jemand, der sich neu erfinden muss, sondern wie eine Künstlerin, die genau weiß, was sie tut – und warum sie sich nichts mehr beweisen muss. Ein Album, das nicht laut um Aufmerksamkeit buhlt, sondern lange nachhallt. Kerstin Petermann


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