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Kraftklub

Kraftklub

Sterben in Karl-Marx-Stadt

Sterben in Karl-Marx-Stadt

Mach doch mal ein Konzeptalbum, haben sie gesagt. Das ist deep, haben sie gesagt. Und dann kam »Sterben in Karl-Marx-Stadt« dabei raus. In der ersten Hälfte kommt das fünfte Album von Kraftklub wie eine Abhandlung über Tod, Vergänglichkeit und Sterben daher. Und es ist tatsächlich irgendwie deep. Gleich der erste Track heißt »Unsterblich sein« und zeigt Vergänglichkeit von ihrer größenwahnsinnigen und zarten Seite: Heute und in unserer Liebe sind wir unsterblich. »Wenn ich Tod bin« feiert das Afterlife als Paradies (»Wenn ich Tod bin, wird drei Tage geravet«), verhandelt dabei gleichzeitig Ideale im Hier und Jetzt und stellt die Tabuisierung des Todes in Frage. So klar das Konzept erst scheint, nach der Hälfte des Albums kommt mit »Schief in jedem Chor« der Plottwist. Da sind Kraftklub wieder ganz Kraftklub. »Solang noch einer ›Fickt euch alle‹ schreit, ist hier noch nichts verlorn«, ranzen die Chemnitzer und machen klar: Gemütlich im Jenseits auf der Wolke chillen und auf die Baustellen der Menschheit schauen ist nicht. Es gibt noch viel zu kämpfen. Noch klarer ist die Ansage im nächsten Track: »So rechts« rechnet mit Alltagsrassismus in all seinen hässlichen Facetten ab. Das selbstherrliche Ich-bin-ja- nicht-rechts-aber…-Gefühl wird gleich mit angezählt. Kraftklub, wie wir sie seit der ersten Platte kennen. Und genau so zeigen sie sich nicht nur textlich, sondern auch musikalisch: Den Beat immer auf die Zwölf, Rhymes und Flows auf den Punkt. Mit Nina Chuba, Faber, Dominanza und Deichkind gibt es spannende und logische Kooperationen. »Sterben in Karl-Marx-Stadt« ist weniger ein Konzeptalbum über Vergänglichkeit und Sterben als vielmehr eins über Kraftklub. Es bringt die Chemnitzer auf den Punkt. Nörgler würden sagen: Ist halt wieder Kraftklub, die feiern eh wieder alle ab, sind halt wieder Aussagen gegen rechts. Aber genau das ist auch richtig so. (...) Kerstin Petermann


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