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Cornelia Geissler (Hg.)

Cornelia Geissler (Hg.)

Der Westen. Eine ostdeutsche Empfindung, Berlin: Kanon 2026. 176 S., 22 €

Cornelia Geissler (Hg.).

»Lieblich schweben durch die Luft die schwarzen Dämpfe / Und mit heiterem Gesang / Nimmt man Kohlen in Empfang«, sang Georg Kreisler im Gelsenkirchen-Lied. »Der Westen«, was auch immer wir unter ihm verstehen wollen: Da pissten sie sich schon selbst ans Bein, als sie im »Osten«, was auch immer wir unter ihm verstehen wollen, gerade die Mauer bauten, um die Leute am Reisen zu hindern, die sie später ausbürgern sollten. An den Zuständen im Westen änderte solche Satire freilich wenig. Im Gegenteil: Das Gespenst des Kommunismus hinter der Mauer heizte mehr ein als alle berechtigte Kritik. Zweifelsohne ist der Osten 36 Jahre nach der Wiedervereinigung im Westen angekommen, wenn ein opportunistisches Sammelsurium unter dem Titel »Der Westen. Eine ostdeutsche Empfindung« sich die Gunst der Oschmann-Stunde zunutze macht. Ohne nennenswerte Begründung ein anspruchsloses »Lesebuch« herauszubringen, widerlegt jedenfalls den Opportunismus nicht. Steffen Popps Eingeständnis ist denn auch wenig hinzuzufügen: »So gut wie alles spielt sich von da an in den Sonderwelten von Universität, Kunst und Literatur ab.« Der Ostalgie wird dieser Band keinen Abbruch tun und im Westen kaum Interesse wecken: »Die einen kennen das alles, die anderen interessiert es nicht.« (Tom Jonas Müller) So blühen anstelle der Landschaften die Projektionen des Kalten Krieges hüben wie drüben weiter: »Die ideale Wiedervereinigung hätte exakt die Republik hervorgebracht, die Westdeutschland für unsere Augen sein wollte.« (Jakob Hein) Hoffnung allerdings keimt auf, wo sich einer für den anderen interessiert und Aron Boks eben nach Gelsenkirchen fährt, in die vermeintlich ärmste Stadt Deutschlands. Fabian Schwitter


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