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Harald Darer

Harald Darer

Makula. Erzählungen. Wien: Picus 2025. 232 S., 24 €

Harald Darer.

Der Moment, in dem der Ausnahmezustand auf den Alltag prallt, verbindet die sechs Geschichten in Harald Darers Erzählband »Makula«. Zwei Autounfälle, die Flucht aus einem Kriegsgebiet, eine Sonnenfinsternis, ein österreichischer Provinzler in Delhi, das Ende einer Liebesbeziehung und ein Roadtrip mit Freunden durch den Balkan geben Anlass, die Willkür allgemeingültiger Normen bloßzustellen. Der Autor von »Mongo«, »Schnitzeltragödie« und »Herzkörper« wirft auch hier wieder seinen zynischen, aber empathischen Blick auf das menschliche Schicksal, das immer so unvermittelt zuschlägt. Eigenwillige Charaktere werden mit der Verkettung von scheinbaren Zufällen konfrontiert und kämpfen mit der daraus resultierenden Unsicherheit. Besonders kontrastreich wird es, wenn europäische Wertvorstellungen eines Kulturreisenden in der Erzählung »Rinderwahn« auf indische Lebensumstände und hinduistische Glaubensrituale stoßen. Während Österreich stolz ist auf seine Berge, Seen und Mannerschnitten, gehören in Indien Verbrennungsplätze, Krematorien und der Totenkult zu den »Hauptattraktionen«. In Kombination mit den katastrophalen Hygienezuständen ist dieses Szenario für den Touristen schwer zu verdauen. Die Erinnerungen an bestimmte Lebensphasen und Beziehungen manifestieren sich in solchen Momenten der Konfrontation, die der Autor als den »Bereich des schärfsten Sehens« beschreibt. Darer erzählt gerne in sich wiederholenden Mustern, um dann durch leichte Abwandlungen ein bestimmtes Thema herauszuarbeiten – fast wie ein Comiczeichner, der immer wieder die gleiche Szene skizziert und auf dem Weg zur Pointe nur kleine Details verändert. Unterschiedliche Blickwinkel beleuchtend, ist »Makula« in seiner anekdotenhaften Schlichtheit ein Buch, das man sehr gut mehr als einmal lesen kann. Hanna Schneck


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