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Der Fremde

Der Fremde

F 2025, R: François Ozon, D: Benjamin Voisin, Rebecca Marder, Pierre Lottin, 120 min

François Ozon hat schon originäre eigene Stoffe verfilmt, etliche Bühnenstücke und immer wieder Romane (»Sommer 85«, »Alles ist gutgegangen«). Nun hat er sich erstmals an einen Jahrhundertroman gewagt, den 1942 erschienenen »Der Fremde« von Albert Camus. Darin geht es um den jungen Franzosen Meursault, der in den dreißiger Jahren im von Frankreich besetzten Algerien unter Mordanklage gerät. Er soll einen Araber erschossen haben. Vom Auftakt im Gefängnis springt der Film zurück zur Beerdigung von Meursaults Mutter, der dieser seltsam teilnahmslos beiwohnt, und zeigt schließlich auch dessen Freundschaft mit dem Zuhälter Raymond, die in einem Mord am Strand gipfelt. Es ist erstaunlich, wie wortkarg die erste Hälfte von »Der Fremde« angelegt ist, gerade weil sie auf einer so eloquenten Romanvorlage basiert. Aber gemeinsam mit seinem Chefkameramann Manuel Dacosse hat François Ozon hier ganz wundervolle Schwarz-Weiß-Bilder gefunden, in denen die Stimmung und die Themen des Buches auch ohne viele Dialoge vorzüglich transportiert werden. In der finalen Gerichtsverhandlung wird das gesprochene Wort dann deutlich wichtiger, und auch hier gelingt es dem vielseitigen Filmemacher, die von Albert Camus angesprochenen Motive deutlich zu machen. Zugehörigkeitsfragen, Rassenkonflikte und der Komplex um Glaube und Religion sind nach wie vor sehr aktuell. Frank Brenner


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