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Die jüngste Tochter

Die jüngste Tochter

F/D 2025, R: Hafsia Herzi, D: Nadia Melliti, Park Ji-min, Amina Ben Mohamed, 105 min

Queere Geschichten, viele davon mit Coming-out-Thema, wurden im Kino inzwischen einige erzählt. Nur selten stehen dabei jedoch Charaktere mit muslimischen Wurzeln im Mittelpunkt und insbesondere für homosexuelle Frauen aus diesem Kulturkreis fehlen filmische Identifikationsfiguren sowie ganz generell fiktionalisierte Einblicke für ein interessiertes Publikum. Basierend auf dem autobiografischen Roman »Die jüngste Tochter« von Fatima Daas, deren Eltern aus Algerien stammen, inszenierte Regisseurin Hafsia Herzi nun einen starken Film, der einer gläubigen lesbischen Muslima eine Stimme verleiht. Wir lernen die Protagonistin als solide Schülerin aus der Pariser Banlieue kurz vor dem Abitur kennen, die gerne Fußball spielt, sich burschikos kleidet und sich überwiegend mit prahlerischen männlichen Schulfreunden umgibt. Fatima ist der Islam wichtig und sie versucht, sich an dessen Regeln zu halten. Das gelingt ihr aber spätestens mit Antritt ihres Philosophiestudiums immer schlechter, als sie sich hadernd eingestehen muss, dass sie ausschließlich auf Frauen steht. Aus dem überwiegend mit Laien besetzten Schauspielensemble sticht Nadia Melliti als echte Entdeckung heraus – in Cannes wurde sie für ihr Debüt prompt mit dem Preis für die beste weibliche Hauptrolle ausgezeichnet. Sie ist die Seele von Herzis Film, der sich mit viel Fingerspitzengefühl einer nicht immer sympathischen, aber stets glaubwürdigen Heldin widmet. Peter Hoch


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