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Die kanadische Reise

Die kanadische Reise

Auf Vatersuche

F 2016, OmU, 98 min, R: Philippe Lioret, D: Pierre Deladonchamps, Gabriel Arcand, Catherine de Léan Mathieu lebt sein etwas verkorkstes Leben in Paris, als er eines Tages erfährt, dass sein Vater gestorben ist, den er bislang nicht kennengelernt hat. Kurzentschlossen fliegt der junge Arzt nach Kanada, um - zusammen mit seinen Halbbrüdern, die er ebenfalls bislang nicht kannte - nach der Leiche zu suchen; der unbekannte Erzeuger soll bei einem Bootsunfall ertrunken sein. Wird Mathieu auf diesem Männertrip erfahren, wer sein Vater war und warum er in all den Jahren nie Kontakt mit ihm wollte? Pierre, Heilpraktiker und grummeliger bester Freund des Vermissten, macht jedenfalls auf geheimnisvoll. Das große Problem: Während der Protagonist bei der Lösung seines Vergangenheitsrätsels bis zum Ende im Dunkeln tappt, hört der Zuschauer die Nachtigall schon ziemlich früh trapsen. Auch sind die Figuren in Philippe Loirets (»Die Frau des Leuchtturmwärters«) Adaption des Romans von Jean-Paul Dubois zu farblos und schematisch gezeichnet, um wirklich Anteil an ihrem Schicksal zu nehmen. Angeln, Feuer machen, Rauchen und Schnaps trinken - das sind also die Dinge, die kanadische Männer so tun, wenn sie unter sich und in der Wildnis unterwegs sind. Hatten wir uns ja irgendwie schon gedacht, und auch, dass dabei nicht unbedingt über so intime Dinge wie Gefühle geplaudert wird. So ergeben sich Konflikte, die sich hier in malerischer Kulisse entladen, dabei aber nie so richtig erschließen. Belanglose Dialoge machen das Familiendrama zäher, als es sein müsste. Und warum man trivialen Alltagshandlungen wie Geschirr abwaschen, Klavier üben oder dem Kauf eines Geschenks am Flughafen so viel Aufmerksamkeit widmet, weiß wohl nur Regisseur Loiret. Das Ganze wird auch noch in schwermütiger Musik ertränkt. Nicht gerade ein Stimmungsaufheller für lange Winterabende. Karin Jirsak


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