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Enfant Terrible Größeres Bild

Enfant Terrible

Der kreative Sadist

Passage Kinos, ab 1.10

Bewertung: 4 Kreuzer

D 2020, 134 min, R: Oskar Roehler, D: Oliver Masucci, Hary Prinz, Katja Riemann

Ohne Zweifel war Rainer Werner Fassbinder einer der produktivsten und innovativsten Regisseure Deutschlands, nicht nur in der Zeit des Neuen Deutschen Films. Oskar Roehler hat ihm mit »Enfant Terrible« ein Biopic gewidmet, das weniger den Stereotypen des Genres folgt, als vielmehr ganz in der Tradition der Filmarbeiten Fassbinders angelegt ist. In stilisierten Studiokulissen zeigt uns Roehler einen egomanischen Kreativen (sensationell verkörpert von Oliver Masucci), der in den späten 1960er Jahren im Münchner Action-Theater erstmals auf sich aufmerksam macht. Schon bald folgen erste Filme, realisiert mit seinen Theatermitstreitern, zu denen u. a. Kurt Raab und Hanna Schygulla (im Film aus rechtlichen Gründen Martha genannt) zählten und die durch Fassbinder weltbekannt wurden. Privat litten sie jedoch häufig unter den sadistischen Anwandlungen des Autors und Regisseurs, der selbst mit vielen Problemen zu kämpfen hatte und von etlichen Drogen abhängig war, die seinem Leben schließlich ein frühes Ende setzten. Roehler konzentriert sich überwiegend auf den privaten Menschen Fassbinder, was bei weniger gut informierten Fans einige Illusionen zerstören dürfte. Doch er kommt damit dem Phänomen Fassbinder und dessen sehr spezieller Arbeitsweise unglaublich nahe, was durch ein grandioses Casting weiter unterstrichen wird. Eine faszinierende Nabelschau auf das ausbeuterische Verhalten eines kreativen Genies.

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