Han Han Huhman Man

Han Han Huhman Man

Anti-Shock

»Schaaaatz. Kannst du mal kommen? Der Han Han ist wieder im Keller!« – Kein Grund zur Sorge, der will nur spielen. So will es zumindest die vorsichtig platzierte Geschichte: Nach acht Jahren der (angeblichen???) Insolvenzverschleppung und einer kreativen Phase im Heizungskeller taucht das scheue Leipziger Musik-Projekt wieder aus dem Untergrund auf. Auf großflächige Werbung und Ankündigung legt Han Han Huhman Man nicht so viel Wert. Auftritte finden eher zusammen mit oder als Vorband von anderen Bands statt (wie Das Publikum mit einem ehemaligen und einem aktuellen kreuzer-Musikredakteur an Gitarre und Bass). Insgesamt lässt Han Han Huhman Man lieber die Kunst für sich sprechen als Social Media. Drum wollen wir uns hier auch darauf konzentrieren. Die Musik auf »Anti-Shock« hat durchaus etwas Fragiles und atmet die Atmosphäre des Heizungskellers: Lo-Fi-Post-Pop vom Feinsten, zwischen reduzierten, minimalistischen Melodien – wie in »Klavier« – und verzerrten, explosiven Gitarren – wie in »Bitterfeld« – wechselnd. Dessen Titel-Zusatz »(live im Keller)« ist auf »Anti-Shock« absolut Programm. Han Han gräbt textlich in dem, was die Gesellschaft gerne vergräbt, abstellt und aus dem Blick haben will: Stress und Leistungsdruck (»Motivationshymne«), Einsamkeit und Eintönigkeit (»Sonntag und Gestern«) oder auch Verlust und Abschied (»600 Kreuze«). Das ist all das, was nicht so zu Selbstoptimierung und Hochglanzpräsentation passt, aber trotzdem überall in der Gesellschaft zu finden ist. Han Han Huhman Man holt diese Themen vorsichtig aus dem Keller in unsere Wohnzimmer und Clubs. Wichtig und kein Grund zur Sorge. Kerstin Petermann


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