Interpol

Interpol

This Mirror weighs a Ton

Knapp 25 Jahre sind vergangen, seit Interpol die New Yorker Großstadt-Malaise des damals noch jungen Millenniums auf ihrem Debüt »Turn on the bright Lights« verewigt haben. Sieben Alben später gießt die Band jetzt das großstädtische Lebensgefühl im Jahr 2026 mit »This Mirror weighs a Ton« in akustische Form. Die Kameratechnik auf dem Cover und die thematische Auseinandersetzung mit der technischen Maschinerie, die besonders in der Stadt längst untrennbar mit der menschlichen Existenz verschmolzen ist, erzeugen eine beeindruckende Gesamtwirkung. Darauf zahlt auch die musikalische Gestaltung ein: Die unverwechselbare Stimme von Sänger Paul Banks wird mit unterschiedlich texturierten Halleffekten belegt und erinnert dadurch wie in »Sudden« mitunter sogar an Lautsprecherdurchsagen, die das Geschehen von außen kommentieren. Zusammen mit den dichten Klanglandschaften, durch die sich die Erzählerstimme in den Songs manövriert, fühlt man sich wie auf einem melancholischen Spaziergang durch eine moderne Großstadtsilhouette. Konzentriertes Zuhören mit Kopfhörern lohnt sich, denn die Songs sind so detailreich und mit Experimentierfreude ausgestaltet, dass sie beim ersten Hören nicht vollumfänglich erfassbar sind. Anders als bei den auf Songwriting- und Produktionsebene ermüdenden letzten beiden Alben überzeugt die Produktion hier auf ganzer Linie mit Klarheit und einem guten Gespür für musikalische Akzente. Auch wenn das Album zwei Songs weniger hätte vertragen können, kann der nächste Durchlauf gar nicht schnell genug kommen. Jakob Semmer


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