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Jalopy (2016)

Jalopy (2016)

Der Klassiker

Seit ich »Jalopy« gespielt habe, bin ich Automechaniker. Meine Augen leuchten, wenn ich in der Autosimulation einen neuen Vergaser einbauen kann. Wörter wie »Zündkerze«, »Zweitakter« und »Autobatterie« lösen bei mir wohlige Schauer aus. Das Fachvokabular ist auch nötig. Schließlich muss mich mein Laika, die namensgebende Schrottkiste, bis in die Türkei bringen. Es ist 1990, die Einheit noch nicht vollzogen. Nicht alle Wege führen nach Istanbul, das wussten schon die alten Römer. Daher muss ich mir in »Jalopy« Strecken suchen, die über Feldwege und alte Sandpisten führen. Weil mein stark vom Trabant 601 inspirierter Laika ein Sensibelchen ist, behalte ich den Zustand der Reifen und des Kühlwassers im Blick. »Jalopy« ist das perfekte Spiel, um zwanghaft zu werden. Und dann werde ich im Indie-Spiel auch noch zum Schmuggler. »Vom Laster gefallene Kisten« (ich lüge nicht) enthalten Zigaretten oder Schnaps, die ich in den ehemaligen Ostblock-Ländern verkaufe oder gegen bessere Reifen und Dachgepäckträger eintausche. »Jalopy« ist gnadenlos und bringt mich zum Verzweifeln, und genau das liebe ich daran. Einmal hatte ich keinen Reservekanister dabei und musste den Laika zwanzig Kilometer bis zur nächsten Tankstelle schieben. Dann war der Reifen platt. So muss es gewesen sein im Wendesommer 1990. Denis Gießler


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