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Julia Holter

Julia Holter

Domino

Materia

Julia Holter hat sich nie für den geradlinigen Popsong interessiert. Stattdessen erschafft die kalifornische Sängerin Klanggebilde, in denen sich Kammermusik, Avantgarde, Jazz und Art Pop zu etwas Eigenständigem verbinden. Mit »Materia« setzt sie diesen Weg fort – allerdings weniger als klassisches neues Kapitel, sondern eher als Reflexion über das Material ihrer jüngeren Arbeiten. »Materia« versteht sich als Schwesterwerk zum Vorgänger »Something in the Room she moves«. Die sieben Tracks kreisen um dieselben Fragen nach Bewegung, Erinnerung und Wahrnehmung, ohne sich dabei zu wiederholen. Schon die Vorabsingle »Fantasy« deutet an, wohin die Reise geht: Schwebende Harmonien treffen auf fragile Rhythmen, Melodien tauchen auf und lösen sich wieder auf, während Holters unverwechselbare Stimme den Kompositionen einen beinahe körperlichen Ausdruck verleiht. Vieles wirkt improvisiert, doch hinter der scheinbaren Schwerelosigkeit steht eine beeindruckende kompositorische Präzision. Vor allem in den offenen Passagen entsteht die Spannung, die Julia Holters Musik seit Jahren auszeichnet. »Materia« verlangt Aufmerksamkeit und Geduld. Es ist kein Album fürs schnelle Durchspielen, sondern eins, das mit jeder Begegnung neue Details entdecken lässt. Wiederkehrende Motive entfalten ihre Wirkung eher als Erinnerungsfragmente, denn als klassische Leitmelodien. So entsteht ein Werk, das weniger Geschichten erzählt als Räume öffnet – für Assoziationen, Stimmungen und Zwischentöne. Julia Holter bestätigt damit einmal mehr ihren Ruf als eine der eigenständigsten Künstlerinnen der Gegenwart. Wer bereit ist, sich auf ihre vielschichtigen Klanglandschaften einzulassen, wird belohnt. Kerstin Petermann


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