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Mit einem Tiger schlafen

Mit einem Tiger schlafen

AT 2024, R: Anja Salomonowitz, D: Birgit Minichmayr, Johanna Orsini, Lukas Thomas Watzl, 107 min

Alterslos sei sie gewesen, die österreichische Malerin Maria Lassnig. Dementsprechend passt es gut, dass sie im Film in jeder Phase ihres Lebens durch Birgit Minichmayr verkörpert wird. Kombiniert mit einer hybriden Erzählstruktur sorgt diese Besetzung dafür, dass die Chronologie des Lebens der Künstlerin in den Hintergrund, ihre Seele und Bilder sowie die Bildsprache des Films in den Vordergrund rücken. So bleibt das Zuschauererlebnis während des gesamten Films auf ästhetischer Ebene ein erfreuliches, selbst wenn die kleine Maria am Grab der Mutter deren multiple Abwesenheiten betrauert oder unnachgiebig um ihren wohlverdienten Platz in der männerdominierten Künstlerszene kämpft. Jo Molitoris’ Kameraführung transportiert Lassnigs emotionalen Lebensweg unmittelbar auf die Leinwand, wo Bernd Fleischmanns Score Dimension und Wirkungskraft addiert. Bemerkenswert ist zudem Anja Salomonowitz’ sorgsame Inszenierung des künstlerischen Schaffensprozesses Lassnigs. Man könnte dem Film mangelnde Abgrenzung zu etablierten Biopic-Klischees vorwerfen. Da es sich aber um gar kein klassisches Biopic handelt und »Mit einem Tiger schlafen« in so vielen Punkten neue erzählerische Wege beschreitet, wäre das vermessen. Kunst- und Genreinteressierte werden den Film daher gleichermaßen genießen. Laura Gerlach


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