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Souleymanes Geschichte

Souleymanes Geschichte

F 2025, R: Boris Lojkine, D: Abou Sangaré, Alpha Oumar Sow, Nina Meurisse, 93 min

Es gibt diese Filme, die ganz ihren Protagonistinnen und Protagonisten gehören. In Vittorio De Sicas »Fahrraddiebe« waren es der Vater und sein Sohn. In »Zwei Tage, eine Nacht« der Dardenne-Brüder Marion Cotillard als verzweifelte Mutter am Rand zur Arbeitslosigkeit. »Souleymanes Geschichte« passt in vielerlei Hinsicht in diese illustre Gesellschaft. Hauptdarsteller ist der Laienschauspieler Abou Sangaré. In der ersten Einstellung wartet er, notdürftig zurechtgemacht, auf seine Asyl-Anhörung. Dann spult der Film zurück und zeigt uns die Tage, die zu diesem Moment geführt haben. Als Lieferfahrer hetzt Souleymane durch Paris und man kann gar nicht anders, als darin auch eine Metapher für seine Situation zu sehen. Prekär, vulnerabel, mit wenig Spielraum für die eigenen Bedürfnisse. Der Keks wird auf dem Rad verschlungen, die Trennung von der Freundin in Guinea muss in einem dunklen Treppenhaus bewältigt werden. Und wenn Souleymane sich nachts hinlegt, dann in das Doppelstockbett einer Obdachlosenunterkunft. Das alles, während über ihm das Damoklesschwert der Anhörung schwebt. Tristan Galands Kamera bleibt stets ganz dicht bei diesem Mann. Der Ton fängt den permanenten Lärm um ihn kongenial ein. Doch am Ende ist es die schauspielerische Performance, die im Gedächtnis bleibt. Sangare, der für den Film seine eigene Fluchtbiografie zur Verfügung stellte, gewann dafür 2024 unter anderem einen Preis in Cannes. Völlig verdient Josef Braun


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