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Stille Beobachter

Stille Beobachter

BG/D 2024, Dok, R: Eliza Petkova, 96 min

Bebende Schnauzen, leicht zuckende Ohren. Meist zeigt Regisseurin Eliza Petkova ihre sechs Protagonisten – Pferd, Hund, Ziege, Katze, Schaf und Esel – in aufmerksamer Haltung. Geduldige Kameraeinstellungen, oft in Nahaufnahme, lassen die Zeit vergessen: wenn erste Schneeflocken in das weiß-schwarz gefleckte Fell der Katze Marga einsinken oder die Pferdemähne von Tonka im Herbstwind weht. Die oft bedrohliche Soundkulisse aus Trommeln und dissonanten Tönen scheint erst dann passend, wenn die Menschen auftreten. Zwar leben die Einwohnerinnen und Einwohner des bulgarischen Bergdorfs Pirin in enger Beziehung zu den Tieren. Doch in ihrer Fürsorge liegt auch Gewalt. Der Esel Doncho schleppt Waren über weite Bergstrecken. Während der Hirte sanft über das Fell der Ziege Valya streicht, sagt er: »Ich möchte, dass du 30 Kilo bis Dezember wiegst.« Gleichzeitig scheint die menschliche Herrschaft fragil. Katze Marga ist eine Vampirin, seit sie über ihren toten Ehemann gesprungen ist, teilt ihre Besitzerin den Nachbarinnen mit. Die Katze verhexe jeden, der ihr begegnet. Still scheinen die Tiere den Gesprächen zu lauschen. Der Film schreitet fragmentarisch voran, es gibt keinen roten Faden zu fassen. Zunehmend lässt »Stille Beobachter« die Zuschauenden ihre eigenen Annahmen über die Handlungen der Tiere in Frage stellen. Am Ende bleibt neben der Beunruhigung die Demut, abseits von Leinwand und Bildschirm genauer auf die mit uns lebende Natur zu schauen. Yi Ling Pan


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