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The Strokes

The Strokes

Reality Awaits

Seit »Comedown Machine« von 2013, auf dem die Strokes sich vor lauter Ideenlosigkeit selbst fast begraben hätten, sind bisher nur zwei neue Alben des Quintetts erschienen. Mit »The New Abnormal« schien sich 2020 ein zweiter Frühling in der Karriere der Strokes anzubahnen. Kritik wie Fans feierten das Album, das sich durch die Mischung aus altbekannten Stärken und Experimentierfreudigkeit auch heute noch knackig und frisch anhört. Mit »Reality Awaits« legen sie dafür jetzt einen waschechten Spalter vor, der entweder als verkanntes Meisterwerk gefeiert oder als Enttäuschung des Jahres verschrien wird. Das große Corpus Delicti der Debatte: die Liebe zum Autotune, der Sänger Julian Casablancas bisher vor allem in seiner zweiten Band The Voidz zügellos gefrönt hat. Diese lebt er jetzt auch auf »Reality Awaits« voll und ganz aus. Auf dem umwerfenden und für die Strokes ungewohnt düsteren Opener »Psycho Shit« geht das wunderbar auf und verleiht dem Song durch die digitalen Brüche im Gesang Dramatik. »Falling Out Of Love« gewinnt an Spannung, weil die Stimme in ihrer unmenschlichen Modulation einer rührseligen und zuckersüßen Ballade entgegengesetzt wird. »Dine N’Dash« und »Going to Babble On« treiben dagegen seltsam in Struktur und Melodie formlos und eindimensional dahin, und mit dem Closer »Tyrants of the Mellow Moon« schleicht sich das Album schließlich langsam und unauffällig aus dem Raum. Ein großer Wurf ist das Album nicht geworden, aber ein gescheitertes Experiment ist bei einer Band vom Kaliber der Strokes immer noch sehr viel wünschenswerter als bequemer Stillstand. Jakob Semmer


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