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White Snail

White Snail

AT/D 2025, R: Elsa Kremser, Levin Peter, D: Marya Imbro, Mikhail Senkov, 115 min

Masha hat gerade einen Suizidversuch hinter sich. An einer Modelschule in Belarus ist die unnahbar Wirkende der Liebling der Chefin, wird deswegen von der Konkurrenz getriezt. Masha findet Misha, einen tätowierten, introvertierten Leichen-Präparator, der auch explizit morbide Bilder über seine Arbeit malt und bei seiner Mutter wohnt. Aus ihrer jeweiligen Einsamkeit tasten die beiden sich zu einem Gemeinsamen. Dieses vorsichtige, aber dennoch aufgeladene Annähern wird umworben von facettenreicher Licht- und Musikdramaturgie. Die Authentizität ist quasi fühlbar, denn die (Laien)-Darsteller spielen mehr oder weniger sich selbst. Dates laufen bei der sich anbahnenden Romanze aber teils so ab: Detailgetreu und eindringlich erklärt Misha, wie er bei einer Toten die Kopfhaut präparieren würde – und Masha lauscht gebannt. Das Liebesspiel der Protagonisten wird am Ende nicht ganz so variantenreich – wie jenes der Schnecken – Letzteres wird im Film symbolisch-effektvoll eingesetzt. Der schneckenhaft behutsam gleitende Bilderreigen streckt seine Fühler thematisch unter anderem in Richtung Vergänglichkeit und Ästhetik, aber auch Spiritualität – etwa erfahrbar durch die Eso-Exorzistin, die der weiter suizidalen Masha den Dämon aus dem Unterbauch treiben soll. »White Snail« vermeidet jeglichen Kitsch und Ballast, bleibt aber leider auch etwas spannungsarm und verschenkt am Ende Potenzial. Markus Gärtner


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