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Dokblog 2013

Der Wahnsinn sitzt im Nachbarshaus

DAS KALTE EISEN | Deutschland 2013, 89 min, R: Thomas Lauterbach | 4 Kreuzer

  Der Wahnsinn sitzt im Nachbarshaus | DAS KALTE EISEN | Deutschland 2013, 89 min, R: Thomas Lauterbach | 4 Kreuzer

Am Vormittag des 11. März 2009 stürmt ein 17-jähriger Junge mit der Pistole seines Vaters in seine ehemalige Schule und tötet 15 Menschen. Auch Hardy Schober verliert seine Tochter. Vier Jahre später arbeitet er längst nicht mehr in seinem Job als Finanz- und Immobilienberater. Seine ganze Aufmerksamkeit gehört jetzt einem Bündnis für betroffene Eltern. Schober setzt sich für die Waffenvernichtung ein. In seinem Film »Das kalte Eisen« nähert sich Thomas Lauterbach aus unterschiedlichen Perspektiven dem Waffen(miss)brauch in Deutschland. Lauterbach sucht nach Antworten auf die Frage nach Schuld und Verantwortung. Er räumt den Hinterbliebenen der Opfer von Winnenden großen Raum ein: Er zeigt ihren Schmerz vier Jahre nach dem tragischen Vorfall, lässt sie ihre Anliegen vortragen und begleitet die Arbeit im »Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden« mit der Kamera. Dann konfrontiert er Waffenliebhaber – Sportschützen, Jäger und Waffensammler – mit ihrer widersprüchlichen Leidenschaft und dem Amoklauf. Natürlich will hier keiner den Hinterbliebenen zu nahe treten. Doch Lauterbach lässt nicht locker. Die Waffenfreunde reagieren mitunter verärgert, nicht nur auf das Aktionsbündnis, auch auf die unbequemen Fragen des Regisseurs. Lauterbach liefert mit »Das kalte Eisen« eine widersprüchliche Momentaufnahme der deutschen Gesellschaft. Schon in »Hochburg der Sünden« (2008) dokumentierte Lauterbach auf eindrückliche Weise die schmerzhafte Selbsterkenntnis seiner Protagonisten. In »Das kalte Eisen« lässt er erneut unterschiedliche Standpunkte aufeinanderprallen – und geht sogar so weit, dass er als Filmemacher selbst Position beziehen muss. Spannende Reflexion über den Sinn und vor allem Unsinn von Waffen.

> Do 31.10., 19.45 Uhr CineStar 4, Fr 1.11., 19.30 Uhr Schaubühne Lindenfels, Sa 2.11., 11 Uhr CineStar 4, Sa 2.11., 14 Uhr JSA Regis-Breitingen


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