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Dokblog 2013

Schweigen am Tag, Schreie in der Nacht

SCHNEE VON GESTERN | Deutschland, Israel 2013, 96 min, R: Yael Reuveny | 4 Kreuzer

  Schweigen am Tag, Schreie in der Nacht | SCHNEE VON GESTERN | Deutschland, Israel 2013, 96 min, R: Yael Reuveny | 4 Kreuzer

schneevongesternShauli sitzt in Israel auf der Couch und meint, es wäre falsch, Deutschland ein Zuhause zu nennen. Doch Yael, seine Tochter und Regisseurin von »Schnee von gestern«, lebt genau da und nennt es so. Was für Familie Reuveny eine unfassbare Brücke ist, scheint für sie die Möglichkeit zu sein, die Geschichte ihrer Familie zu begreifen. Denn die Vergangenheit dieser und den damit einhergehenden Schrecken sog sie als Kind über ihre Großmutter auf. Der Verlust der Familie während des Holocausts und vor allem der Verlust des geliebten Bruders spiegeln sich in der Enkeltochter, die sich nun auf die Suche begibt und eine weitere Familie findet.

In Schlieben, einem Ort in Ostdeutschland, lebte der Bruder der Großmutter Feiv’ke Schwarz – nun Peter Schwarz. Er blieb dort nach der Befreiung des ortsansässigen KZ-Außenlagers – in welchem er Zwangsarbeit leistete –, gründete eine Familie und reihte sich ein in die deutsche Nachkriegsdorfgemeinschaft. Die von allem etwas wusste, sich Peter Schwarz’ Schweigen über seine Vergangenheit und seine Familie aber genauso bereitwillig hingab wie ihrem eigenen. Bis Yael kam und Fragen stellte, um die beiden Stränge der Geschwister Schwarz, die sich aus ihrer Sicht an einem schicksalhaften Tag 1945 in Lodz auseinander bewegten, für sich selbst und ihre Familie in eine Bahn zu lenken, in der Hoffnung und sogar Vergebung irgendwann einen Raum finden könnten.

So gliedern drei Generationen und zwei Orte in unterschiedlicher Gewichtung den Film: Großmutter, Mutter und Yael auf israelischer Seite, der Bruder, dessen Sohn und Tochter und schließlich dessen Enkelsohn auf der anderen, der deutschen Seite.

Diese persönliche Suche gelingt überzeugend, ohne sich emotional zu vergreifen. Mit Nachdruck, den richtigen Fragen und selbst vor der Kamera um die richtigen Worte ringend ob der Unfassbarkeit des Schweigens legt Yael Reuveny als Vertreterin der dritten Generation ein glaubhaftes Zeugnis ab für die erste, die langsam verschwindet.

> Do 31.10., 19.30 Uhr, Schaubühne Lindenfels, Fr 1.11., 16.15 Uhr CineStar 4, Sa 2.11., 22.30 Uhr CineStar 6


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