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Dokblog 2013

»Wir sind alle so ruhig«

Täglich stehen bei den DOK-Talks auf der mittleren Ebene des CineStar Regisseurinnen und Regisseure Rede und Antwort. Alles, für das bei den Filmtalks direkt im Anschluss an die Projektion kein Raum mehr ist, kann hier besprochen werden.

  »Wir sind alle so ruhig« | Täglich stehen bei den DOK-Talks auf der mittleren Ebene des CineStar Regisseurinnen und Regisseure Rede und Antwort. Alles, für das bei den Filmtalks direkt im Anschluss an die Projektion kein Raum mehr ist, kann hier besprochen werden.

Im kleineren Rahmen als im Kinosaal und nicht mit dem Druck des unmittelbar nächsten Screenings im Nacken bieten diese Werkstattgespräche einen entspannten Rahmen, um Hintergründe zu erfahren.

Den Anfang machte standesgemäß der Regisseur des Festivaleröffnungsfilms: Marc Bauder (»Master Of The Universe«). Ruhig und abgeklärt begegnet er den Fragen des Journalisten Matthias Dell. Schon beim Geplänkel zu Beginn (»Wie kam es zur Begegnung mit Ihrem Protagonisten?«) hantiert Bauder versiert mit finanzpolitischen Themen, die für andere oft eher hermetisch daherkommen. Kein Wunder, hat er doch BWL studiert und sich dann als Autodidakt das Filmen angeeignet. Deswegen hegt er auch ein reges Interesses für Stoffe aus dem Finanzmarktspektrum.

Als Dell den Hauptcharakter Rainer Voss zum Thema macht, entgegnet Bauder, dass er ihn zunächst noch »Herr V.« genannt hat (wo einem nicht ganz zu Unrecht sofort Brecht und die Geschichten des Herr K. einfallen), da es bei seinem Film eben nicht um die konkrete Persönlichkeit des Rainer Voss geht. Er steht als Prototyp für eine Branche und den (ausgeprägt männlichen) Menschentyp, der diese Branche zum Großteil bevölkert. Aus diesem Grund haben Bauder und sein formidabler Kameramann Börres Weiffenbach auch nicht bei Voss zu Hause gefilmt. Dann nämlich würde jeder Zuschauer nach Anhaltspunkten suchen, um herauszufinden, wer denn dieser Mensch nun wirklich ist – Bilder an der Wand und Bücher im Schrank würden zum Thema werden anstatt den Fokus auf die Worte dieses Mannes zu legen. Aus dem selben Grund fanden auch die Geschichten aus den 1980er Jahren, die Voss Bauder erzählte (oft, als die Kamera aus war), nicht den Weg in den Film. Geschichten waren das über Prostituiertenparties, die so wunderbar in das Klischee von jenen Bankmenschen passen, die sich mit Geld einfach alles kaufen können und das auch tun. Erstens machen das jedoch nicht alle von den Menschen dort, zweitens ist es ein bequemes Thema, das allerdings lediglich vorhandene Bilder statisch bestätigt.

»Master Of The Universe« soll neue Bilder schaffen, den Zuschauer zu neuen Bildern anregen, sagt Bauder. Durch das Filmen der leeren Büroräume mitten in Frankfurt, wo der Leerstand 30% beträgt, sollen sie als »Echoräume« (Bauder) fungieren, in denen zunächst Voss' Worte widerhallen, und dann – ausgelöst von den Worten – neue (Bilder)Welten im Kopf der Zuschauer entstehen sollen. Die Kamera erforscht gründlich diese Architektur, in der auffällig mit Transparenz gespielt wird: In den Foyers im Erdgeschoss der Banken wird alles abgerissen, viel Glas und Kunst installiert, ganz nach dem Motto: wir sind weltgewandt und haben nichts zu verbergen. Doch alle, die Foyer stehen, haben keine Ahnung, was ab der ersten Etage aufwärts passiert, so Bauder.

Auf die Frage einer älteren Dame aus dem Publikum, wie Bauder seinen Film unter der Überschrift »Revolution« (die ja das Motto des diesjährigen Festivals ist) aufgehoben findet, erwidert er, dass er das Motto ganz großartig findet, noch besser sei es allerdings, dass sein Film genau dieses Festival mit diesem Motto eröffnen durfte. Darüber hinaus fügt er hinzu: Wir sind alle so ruhig. Nach der Arbeit an solch einem Thema (und dem daraus resultierenden Erkenntnisgewinn) wundere er sich auch über sich selbst, wie ruhig er doch (mit seiner Familie und seinem Kind, das im Prozess der Arbeit an diesem Film zur Welt kam) bleibe. Und auch, wie ruhig alle anderen in der Gesellschaft bleiben und sich das widerhakenlose Marketing-Schauspiel Politik immer weiter anschauen. Die Krise hat anscheinend die Massen noch nicht in einem Maße erreicht, das zur zornigen Regung verpflichtet. Der Film antizipiert in seiner Wirkung eine Stimmung, die möglicherweise (schenkt man Voss' Worten Glauben) bald Wirklichkeit werden könnte.

MASTER OF THE UNIVERSE -TRAILER - ab dem 7.11.2013 im KINO from bauderfilm on Vimeo.

> »Master Of The Universe«: Do 31.10., 14 Uhr CineStar 4, Sa 2.11., 10.30 Uhr CineStar 8


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