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Dokblog 2013

Eine Lektion in Toleranz

Die Gelübde meines Bruders | Kanada, Deutschland 2013, 88 min, R: Stephanie Weimar | 3 Kreuzer

  Eine Lektion in Toleranz | Die Gelübde meines Bruders | Kanada, Deutschland 2013, 88 min, R: Stephanie Weimar | 3 Kreuzer

Die Filmemacherin Stephanie Weimar hat sich entschieden, aus der katholischen Kirche auszutreten. Mit 18 zog sie aus ihrem Elternhaus aus, um den Erdball zu erkunden und ihre persönliche Freiheit zu finden. Nicht dass ihre Eltern versucht hätten, die Kinder fest an den Glauben zu binden. Es ist vielmehr der Zwiespalt zwischen der Freiheitssehnsucht der Regisseurin, die Protagonistin zugleich ist, und den kirchlich oktroyierten Zwängen, der wie eine Kluft zwischen Weimar und ihrer Heimat liegt.

Weimar wählt einen sehr persönlichen Weg, um die kritische Debatte um christliche, insbesondere katholische Werte und Konventionen aufzugreifen. Die Auseinandersetzung damit findet im intimen Kreise einer Familie statt. Narrativer Strang ist das anstehende Gelübde des jüngeren Bruders, das der Filmemacherin schwer zu schaffen macht. Die Kamera ist wie selbstverständlich in den Alltag der Weimars integriert, nimmt bei Familientreffen am Kaffeetisch Platz und ist Beobachter bei Streitgesprächen zwischen den Geschwistern. Spannend wird der Film, wenn die Geschwister gegenseitig um Toleranz für die Lebensweise des anderen buhlen – und gemeinsam daran scheitern. So groß die Abscheu Weimars den kirchlichen Konventionen gegenüber auch ist. Als Filmemacherin nimmt sie eine erstaunlich gefasste Haltung ein – und lässt beiden Seiten gleichermaßen Raum zur Entfaltung, ohne den Finger zu erheben, wie sie es als Schwester tun würde.

»Die Gelübde meines Bruders« ist mehr als ein intimes Porträt einer Familie im Zwiespalt mit dem Glauben. Weimar gelingt es, die Fragen über den Film hinaus auch an den Zuschauer zu richten – der freilich im Zuge der 88 Minuten selbst einige Antworten finden muss.

> Sa 2.11., 19 Uhr CineStar 5, So 3.11., 14 Uhr Cinémathèque in der naTo


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