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Dokblog 2013

Beziehungssachen

Steht man in der Schlange (aus größtenteils sehr jungem Publikum) vor dem ausverkauften Saal in der Passage, vernimmt man unter anderem solche Gesprächsfetzen...

  Beziehungssachen | Steht man in der Schlange (aus größtenteils sehr jungem Publikum) vor dem ausverkauften Saal in der Passage, vernimmt man unter anderem solche Gesprächsfetzen...
I AM TOM MOODY
I AM TOM MOODY

»Beim Animationsfilm habe ich immer das Gefühl, mehr für mein Geld zu bekommen.« Oder: »Na, zwei oder drei aus einem Programm sind immer gut, besser als beim Dokumentarfilm – wenn der daneben haut, dann sitzt du in der Patsche.« Davon kann man halten, was man möchte. In einem haben beide Sätze allerdings recht: Beim Animationsfilm werden mehrere Filme zu einem übergeordneten Thema gezeigt, in unserem Fall ist dieses Thema »Beziehungssachen«, das elf Streifen vereint. Ganz unterschiedlich in Betrachtungen und Macharten beschäftigen sich die Filme mit Beobachtungen über die seltsamen Wege von Menschen und Tieren beim Versuch, einen Partner zu finden.

Ganz wunderbar illustriert der gezeichnet animierte Film »Tongue-Tied« von Lucrèce Andreae das in Form eines Speed-Datings. Die Figuren kommunizieren in einer Art Frankokauderwelsch. Die Stühle, auf denen sie an Tischen sitzen, rotieren nach einer Zeit automatisch weiter an den nächsten Tisch. Zum nächsten Kauderwelschkennenlerngespräch. Die Figuren morphen in ihren Proportionen ins Surreale und zurück. Kombiniert mit dem wunderbar getimten Schnitt und dem Brabbeln der Figuren ist der Film nichts weniger als eine vierminütige Wonne. Andere gehen das Thema auf der psychologischen Ebene an, wie zum Beispiel »Boles« von Špela Čadež und »I Am Tom Moody« von Ainslie Henderson. In ersterem (nach der Kurzgeschichte »The Lover« von Maxim Gorki) wird in einer wunderbaren Puppenanimation ein Schriftsteller während einer Schreibblockade in seinen Gedanken- und Traumwelt von seiner Nachbarin eingenommen. Letzterer spielt im und mit dem Unterbewusstsein eines Musikers, der auf der Bühne anstatt zu singen seine vertrackte psychologische Beziehung zu sich selbst aufarbeitet. Hier nicht gezeichnet, sondern eine liebevolle Puppenanimation.

BOLES
BOLES

Erwähnenswert ist außerdem der Film »«Plug & Play von Michael Frei, der mit Gegenpolen spielt. Die holistische Annahme vor dem Hintergrund des Beziehungsthemas: Zu jedem Stück existiert ein Gegenstück, mit dem das Stück ein Ganzes bildet. Auf abstrakter Ebene (das heißt keinesfalls langweilig!) thematisiert Frei in minimalen, rhythmisierten Bildern seine Definition von Liebe, anschaulich gemacht durch seine witzigen Wesen mit Steckern statt Köpfen. Die Leute in der Schlange hatten natürlich recht: Es ist für jeden etwas dabei. Und: Es war mehr Qualität vorhanden, als die meisten anscheinend erwarteten.


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