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Dokblog 2013

Animierend animiert

Fünf Minuten auf der Leinwand bedeuten für Wendy Morris oft mehr als zwei Jahre Arbeit. Über die Technik und ihre Herangehensweise an Animationen gab die Filmemacherin am Freitag am Polnischen Institut im Rahmen einer Meisterklasse bereitwillig Auskunft.

  Animierend animiert | Fünf Minuten auf der Leinwand bedeuten für Wendy Morris oft mehr als zwei Jahre Arbeit. Über die Technik und ihre Herangehensweise an Animationen gab die Filmemacherin am Freitag am Polnischen Institut im Rahmen einer Meisterklasse bereitwillig Auskunft.

DOK 2013_Wendy Morris PortraitIn ihren Filmen verwebt Morris die Geschichte ihrer eigenen Familie mit literarischen und historischen Stofffetzen des heimatlichen Südafrikas. So rückt etwa ein altes Buch, das ihr Urgroßonkels vor über 100 Jahren geschenkt bekam, in den Mittelpunkt ihres Interesses. An der Struktur und der Geschichtlichkeit des Buches entspinnt Morris in »Orlando’s Book« einen eindrücklichen Bildreigen. Ihre mit Kohle gezeichneten Filme folgen keiner linearen Erzählstruktur, vielmehr entsteht die Geschichte im kreativen Prozess, und auch die Bedeutung der Bilder überlässt Morris großzügig dem Betrachter. Wenn sich, wie in dem Kurzfilm »Heir«, ein Traktor mit scheinbar nur ein paar Strichen in einen Kinderwagen verwandelt, so hat dies zwar eine Bedeutung für die Filmemacherin, doch stellt sie diese nicht in den Vordergrund.

Die Schnelligkeit ihrer Filme macht es dem Zuschauer nicht immer leicht, den rasch wechselnden Szenarien zu folgen. In einem Museum seien ihre Werke daher wohl besser aufgehoben, gibt sie unumwunden zu. Dort könne man die Animationen in Dauerschleife anschauen und jedes Detail für sich erfassen. Bis diese Details sich zu einem Ganzen ergeben, ist es allerdings ein weiter Weg: »It’s a lot of throwing away«, erklärte Morris. Schon während des Zeichnens werden Gedanken und Ansätze wieder verworfen. Und auch nach der beendeten Filmproduktion bleibt eine Menge übrig: Skizzen, Protokolle, die fertigen Zeichnungen. Diese »Überreste« gibt es auch immer wieder in Büchern und Ausstellungen zu sehen. Wendy Morris legt Wert auf die Erlebbarkeit ihrer Arbeiten. Inspiration dafür holt sie sich unter anderem in ausgiebigen, geplanten Spaziergängen, die sie zu immer neuen Orten führen.

Und so überraschte Wendy Morris auch die Besucher ihrer Meisterklasse am Freitag mit einem von ihr in den letzten Tagen eigens angefertigten Stadtplan für Leipzig. So konnte man sich selbst auf die Reise in die Welt der erlebbaren, lebendigen Geschichte machen. Vorbei an Tafeln, Abbildern und anderen denkwürdigen Orten – von der Geburtsplakette Victor von Prendels am Marktplatz bis zur Nikolaikirche – zeigte sie auf, wie auch innerhalb Leipzigs beinahe unbemerkt oder kaum noch beachtet die Vergangenheit animiert, bebildert und dargestellt wird. So ließ Wendy Morris alle Anwesenden an den ersten Schritten ihrer visuellen Poesie teilhaben. Ihre bewegten und bewegenden Filme sind heute noch einmal ab 16.30 Uhr in den Passage Kinos zu sehen.

> 16.30 Uhr Passage Kinos Astoria


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