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Dokblog 2014

Ein Magermodel und politische Absurditäten

Elf Filme stehen im diesjährigen Deutschen Wettbewerb – und sie könnten unterschiedlicher kaum sein.

  Ein Magermodel und politische Absurditäten | Elf Filme stehen im diesjährigen Deutschen Wettbewerb – und sie könnten unterschiedlicher kaum sein.

Von Ost-West über Teheran nach Mexiko: Der deutsche Wettbewerb schärft die Augen und lässt den Blick schweifen, unter anderem über Kölner Plattenbauten, einen Zwergenstaat in Kaukasien, DDR-Anarchismus, Frauenstimmen im Iran, ein weltberühmtes Magermodel und die verzwickte Suche nach dem Partner fürs Leben. Die elf Filme der deutschen Konkurrenz, von denen drei als internationale Koproduktionen entstanden sind, bestechen vor allem durch ihre Themenvielfalt. Dieser weitwinklige Blick zoomt gezielt auf politische und soziale Unstimmigkeiten, Besonderheiten und Absurditäten.

Zum einen aufs Kapitel DDR-Punk und Untergrund. Der frühere Tauben-Gewinner Gerd Kroske wagt mit „Striche ziehen“ einen Blick auf die Kunstaktion »Der weiße Strich« und ihre fünf aus der DDR ausgereiste Protagonisten, die im November 1986 versuchten, die Westseite der Berliner Mauer mit einem gut sichtbaren, weißen Strich zu bemalen – einmal rundherum. Die Aktion scheiterte, weil sich ein Spitzel in der Truppe befand. Kroske schreibt anhand von Gesprächen und feinfühliger Arbeit mit Archivmaterial eine Geschichte über ein Leben in Verrat und Vergebung und vergisst dabei nicht den Blick in die Gegenwart.

Plattenbau im Westen: Die Filmemacher Robin Humboldt und Laurentia Genske zeigen uns eine in den 70er Jahren hochgezogene Plattenbausiedlung in Köln, die schnell zum sozialen Brennpunkt mutierte und mit Klischees, Schlagzeilen und Statistiken über Kriminalität und Ausländeranteile überhäuft wurde. Dabei versuchen sie sich von all dem zu lösen und dokumentieren in »Am Kölnberg« respektvoll und frei von jeglichen Stigmata.

»Match Me!« richtet den Fokus ganz aufs Thema Partnersuche. Lia Jaspers geht der Frage nach: Was unternehmen junge Menschen auf der Welt, um das perfekte Match fürs Leben zu finden? Und was tun, wenn man es gefunden hat?

Das Model Isabelle Caro gelangt 2007 nach einer Benetton-Kampagne zu Weltruhm. Regisseurin Kiki Allgeier begleitet das vor allem wegen seiner Magersucht bekannt gewordene französische Magermodel bis zu dessen Tod im November 2010. Dabei zeichnet die Regisseurin in »FEMMEfille« ihre ganz eigene Geschichte des Mannequins, das wie kein anderes zuvor als anorektisches Warnzeichen mahnend auf den Reklametafeln der Welt prangerte.

Die polnisch-deutsche Koproduktion »Domino Effekt« spielt in Abchasien, einem halbautonomen Ministaat, auf den Russland und Georgien gleichermaßen Anspruch erheben. Dort versucht Sportminister Rafael seinem Land wieder mehr Ruhm und Ehre zu verschaffen und kämpft für ein sportliches Event: die Domino Weltmeisterschaft. Die Macher Elwira Niewiera und Piotr Rosolowski erzählen eine Geschichte über familiäre Problemen und eine absurde politische Realität.

Und noch ein Beitrag stammt von einem internationalen Filmemacher: Der in Berlin lebende Regisseur Ayat Najafi erzählt in »No Land's Song« von einer waghalsigen Aktion in seiner Heimat Iran und schafft einen politisch aufgeladenen Film über einen starken Willen und die Stimme der Frau im Iran.


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