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Dokblog 2014

Allerletzte Stufe: »Am Kölnberg«

Ihr kleines Haus musste Nana verlassen. Ihr fiel es zunehmend schwerer, sich um sich selbst zu kümmern. Jetzt wohnt sie auf dem Kölnberg viele Stockwerke hoch und findet, die Landschaft auf die sie von oben blickt, gleicht der in Schlesien. Von dort musste sie mit ihrer Mutter fliehen.

  Allerletzte Stufe: »Am Kölnberg« | Ihr kleines Haus musste Nana verlassen. Ihr fiel es zunehmend schwerer, sich um sich selbst zu kümmern. Jetzt wohnt sie auf dem Kölnberg viele Stockwerke hoch und findet, die Landschaft auf die sie von oben blickt, gleicht der in Schlesien. Von dort musste sie mit ihrer Mutter fliehen.

Damals als kleines Mädchen. Ihre Freundin Martha hört geduldig zu – trinkt und raucht. Auch sie lebt in der Hochhaussiedlung am Rande von Köln – dort, wo 12 Uhr mittags 24 Stunden lang ist. Biene sagt das und kocht sich für den nächsten Rausch Heroin auf der Alufolie. Sie schafft an, um ihre Sucht zu finanzieren und bleibt oft drei Tage wach, um danach drei Tage durchzuschlafen. Denn Aufwachen ist teuer. Dann muss sie wieder raus, zum Fahrstuhl, runter auf die Straße. Eine Junkie-Hure wie sie, stehe auf der allerletzten Stufe. Doch sieht sie dies als Beruf und schreibt im dunklen Treppenhaus auf Knien ein Gedicht.

Karl-Heinz liebt seine Katzen, nennt sie Kinder und spielt mit ihnen – immer die Bierflasche griffbereit. Es fällt ihm schwer diese an den Mund zu führen. Seine Hände zittern zu heftig. So kann es nicht weitergehen und seine Entscheidung in ein Heim für alkoholkranke Menschen zu ziehen, lässt ihn hoffen. Dafür nimmt er sogar in Kauf, den Kölnberg zu verlassen.

Geduldig begleiten Robin Humboldt und Laurentia Genske – beide Studierende der Kunsthochschule für Medien Köln – diese vier Menschen zwei Jahre lang. Sie zeigen sie im Dunkeln im Fahrstuhl, in ihren beengten Wohnungen, beim Anschaffen und bei der Essensausgabe der Tafel. Intensive Szenen – wie die, wenn Biene berauscht nach Worten ringt – wechseln sich mit Fernaufnahmen der Hochhaussiedlung und der beleuchteten Fenster ab. Die Armut scheint greifbar und der Zusammenhalt der Personen, die einzige Möglichkeit ihrer unschönen Lage zu entgegnen. In den Hochhaussiedlungen am Kölnberg leben die Menschen, die im »entfernten« Köln keinen Platz mehr finden. Biene, Nana, Martha und Karl-Heinz stehen exemplarisch für die Bewohner der entkoppelten Wohnsiedlung.

Deutscher Wettbewerb / 3 kreuzer

01.11., 19:15, Cinestar 4 / 02.11., 10 Uhr, Cinestar 6


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