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Dokblog 2014

Das Kinoerlebnis beginnt schon an der Kartenkasse

Nicht nur auf der Leinwand trifft man während der Dok-Woche immer wieder auf Spurensucher, Seelentröster und Adrenalinjunkies. Wer genau hinsieht, kann sie bereits beim alltäglichen Ritual der Kartenabholung an den Ticketkassen beobachten.

  Das Kinoerlebnis beginnt schon an der Kartenkasse | Nicht nur auf der Leinwand trifft man während der Dok-Woche immer wieder auf Spurensucher, Seelentröster und Adrenalinjunkies. Wer genau hinsieht, kann sie bereits beim alltäglichen Ritual der Kartenabholung an den Ticketkassen beobachten.

»Sie kennen den dreistelligen Code für den Film von Ulrich Seidl nicht? Na gut, wir suchen ihn zusammen raus.«
»Ihre Reservierung ist leider schon gelöscht worden, weil Sie sie nicht rechtzeitig abgeholt haben. Aber keine Sorge, es gibt noch Karten.«
»Der Film ist restlos ausverkauft? Dann warten wir mal ab, ob im Last-Minute-Sale nicht doch noch eine Karte verfügbar ist!«

Tausende Festivalbesucher werden so tagtäglich von den Leuten an den Dok-Kassen umsorgt. Seit letztem Jahr gibt es das neue Kassensystem, das vieles erleichtert. Egal in welchem Kino man sich befindet, kann der Kartenkauf für die anderen Säle gleich mit erledigt werden. Alles ist technisierter geworden, damit aber natürlich auch erstmal ein Stück anfälliger. Sollte das Programm dann doch mal streiken, sorgen mehrere Ticketmaster in den Kinos wieder für einen reibungslosen Ablauf– und das sogar meistens, ohne dass die Besucher davon überhaupt etwas merken.

Einiges aber doch. Der Filmfinder auf der Dok-Seite, auf der man seine Karte online kaufen kann, ist schon mehrmals abgestürzt. Die Schlangen an den Kinokassen sind zur Primetime so lang, dass man oft viel zu spät in den Film kommt. Und in Locations wie der Cinémathèque gelten Veranstaltungen als ausverkauft, bei der dann aber meist Plätze frei bleiben, weil (vermutlich akkreditierte) Gäste nicht erscheinen, die anderen Zuschauer aber nicht ohne Aussicht auf Erfolg warten wollten.

Es mag den ein oder anderen Besucher noch immer überraschen, aber tatsächlich kennt keine der vielen Dok-Kassenkräfte die fast 370 Filme des diesjährigen Programmes auswendig. Auch wenn es für alle natürlich vorzugsweise um Inhalte geht, an der Kasse lohnt es sich, direkt den dreistelligen Screeningcode der Veranstaltung zu nennen. Der muss dort nur eingetippt werden, dann die Ermäßigung oder Dauerkarte vermerkt werden, und schon kann das Ticket gedruckt werden. Nach Aussagen wie »der Film über den Kosovo« oder »das mit der Magersüchtigen« kann nur schwierig gesucht werden. Die schönste Anfrage bisher war allerdings nach dem Film »Friedhof der Kuscheltiere«. Zumindest kannte der junge Mann an der Passage-Kasse den Inhalt des Films, musste die Dame aber enttäuschen, dass er nicht im Internationalen Wettbewerb läuft.

Eine Tendenz für gewisse Filme und Inhalte lässt sich Tag für Tag schon nach wenigen Minuten erkennen. Dass jede der drei Vorstellungen des Eröffnungsfilms »Cititzenfour« großen Andrang findet, davon war auszugehen. Am Dienstag war aber beispielsweise auch die Nachfrage nach »Willkommen auf Deutsch« und »Nur der Pole bringt die Kohle« sehr groß, die beide schon mittags restlos ausverkauft waren. Geheimtipps und aktuelle Trends gibt es an den Kassen daher manchmal auch. Nur Heraussuchen, wann die ausverkauften Filme ein zweites oder drittes Mal laufen, das machen Sie am besten selbst.

Das Erlebnis Kino startet daher mitnichten erst beim Eintreten in den Kinosaal. Es beginnt mit dem Durchstöbern des Programmes, mit dem Schlangestehen, der Auswahl des richtigen Getränks. Ein so großes und Internationales Festival wie das DOK erhält durch seine vielen Volunteers, Vorführer, Snackverkäufer, Kassenkräfte, Saalbetreuer, Einlässe, Filmkopiefahrer und viele weitere kleinere und größere Helfer erst seine Atmosphäre, und für jeden Besucher ein individuelles Gesicht.


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