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Dokblog 2015

Tipp: John Wayne und Witold Giersz

Eine unterhaltsame Werkschau mit Cowboys und Pferden

  Tipp: John Wayne und Witold Giersz | Eine unterhaltsame Werkschau mit Cowboys und Pferden

Der Meister des polnischen Animationsfilms Witold Giersz hat eine ganz klare Vorliebe für den Wilden Westen, Cowboys und Western. Was wohl auch der mangelnden Reisefreiheit zu Zeiten des eisernen Vorhangs geschuldet ist. Im Programm »Farben im Galopp – Der Animationskünstler Witold Giersz« läuft u.a. der Kurzfilm »Horses« aus dem Jahr 1967, den Giersz damals nicht in die DDR begleiten konnte. Doch auch diesmal hat der Animator mit diesem Film kein Glück. »Horses« müsste in Cinemascope projiziert werden, wurde jedoch versehentlich im falschen Format an das Festival geschickt. Giersz, ein Mann des trockenen Humors, bittet daher die durch den Formatwechsel von titelgebenden Pferden zu Giraffen mutierten Wesen zu entschuldigen.

Witold Giersz wird im Publikumsgespräch eloquent und beschwingt von der Dolmetscherin Irena Duduva ins Englische übersetzt, was gut ist, denn ansonsten würden alle nur »na zelluloida« verstehen. Witold Giersz' Karriere verdankt sich einer Zeitungsannonce. Im Jahr 1950 schlug der Student der Malerei eine Tageszeitung auf und vernahm, dass Menschen, die zeichnen können, gesucht würden. Er gab sein Studium auf und begann Animationsfilme zu zeichnen. An jenem Tag, so sagt er, wurde er »von der Animationsmuse geküsst«. Die Leidenschaft hält zum Glück bis heute an. Giersz, Meister des Understatements, hätte nur dank eines elastischen Messers eine ganz spezielle Technik des Animierens auf Glas, Karton und Zelluloid entwickelt und dabei gelernt »wie im Leben auf Fehler zu reagieren«. Wie in allen Filmen spielt in »Horses« die Musik eine elementare Rolle. Giersz arbeitet in allen Etappen mit dem Komponisten zusammen. Die schwierigste Zusammenarbeit hätte er mit Wolfgang Amadeus Mozart gehabt, weil der »alte Junge partout nicht auf Änderungsvorschläge eingehen wollte«.

Im Publikumsgespräch hagelt es Komplimente, die der Altmeister leise schmunzelnd registriert. Zu einem breiten Lächeln animiert den Meister des expressiven Pinselstrichs jedoch ein Kommentar, der die Bewegungsabläufe der Pferde und eines alten Cowboys in »The Old Cowboy« (Witold Giersz, Polen 1973) zum Thema hat. Dieser Kinobesucher hatte doch tatsächlich in einem der Cowboys die alte Lederbacke John Wayne wiedererkannt.

28.10. 20 Uhr, Polnischen Institut

29.10. 22.30 Uhr, Passage Kinos Filmeck


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