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Dokblog 2016

Der Animationsfilm läuft Amok

So richtig ungehorsam wirds beim Animationsfilmfestival im Dok: Comiczeichner brechen Tabus und bringen unterdrückte Fantasien an die Oberfläche.

  Der Animationsfilm läuft Amok | So richtig ungehorsam wirds beim Animationsfilmfestival im Dok: Comiczeichner brechen Tabus und bringen unterdrückte Fantasien an die Oberfläche.

Der Digital-Glitch nutzt Bildfehler, um daraus etwas Neues entstehen zu lassen, und eine Arbeit des Künstlers Bill Morrison zeigt, wie Filmmaterial in chemischen Prozessen zersetzt wird und dadurch ganz neue Ansichten erscheinen.

Der Animationsfilm spielt eine besondere Rolle, wenn es darum geht, aus der Reihe zu tanzen, ist er doch oft ungehorsamer als sein dokumentarischer Bruder. »Der Animationsfilm hat die Lizenz, über die Stränge zu schlagen«, betont André Eckardt, neuer Kurator für Animationsfilm beim Dok Leipzig im kreuzer-Interview (siehe kreuzer 08/16). »Dieser jugendlich-rebellische Impetus liegt in seiner Genanlage.« Der neue Kopf der Sektion wird die Verschränkung von Dokumentar- und Animationsfilm, wie im vergangenen Jahr initiiert, weiter vorantreiben. Das bedeutet zunächst, dass es fortan nur noch eine Auswahlkommission gibt, die das Programm der Sektionen zusammenstellt. Die animierte Kurzmetrage läuft wie schon im letzten Jahr vor den dokumentarischen Langfilmen. Man darf gespannt sein, welche Synergien dadurch entstehen.

Das Sonderprogramm »Disobedient Images« zerlegt den Film in seine Bestandteile Material, Bilder und Bewegung. 30 Filme, die zwischen 1919 und 2016 entstanden sind, verknüpfen die analoge und die digitale Welt. Künstler bearbeiten analoges Archivmaterial und kompilieren es neu. In Digital Glitch-Filmen werden Bildstörungen provoziert. »Disobedient by Nature« – Provokation und Überhöhung, Abgründiges, Gewalttätiges und Pornografisches, ein Spannungsfeld, wo der Animationsfilm seine Stärken ausspielen kann, bekommt besonderes Augenmerk.

Darin sind auch zwei Folgen von »Angry Kid« der britischen Animationsschmiede Aardman zu sehen. Ihr widmet das Dok in diesem Jahr eine ganze Nacht zum 40. Geburtstag des Studios, bei der Mitbegründer David Sproxton anwesend sein wird.

Der US-amerikanische Ausnahmekünstler Bill Morrison wird in diesem Jahr auch eine Meisterklasse geben, neben der russischen Dokumentarfilmerin Marina Razbezhkina, die bereits 2012 Teil der Wettbewerbsjury war. Auch das Dok Neuland kehrt zurück und wird den Leipziger Marktplatz in ein multimediales Labor verwandeln.

Lars Tunçay


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