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Dokblog 2016

Interaktive Arbeiten erleben – Ein Selbstversuch

DOK Neuland – eine Ausstellung der Künstlerin Paula Gehrmann und des Koordinators Lars Rummel

  Interaktive Arbeiten erleben – Ein Selbstversuch | DOK Neuland – eine Ausstellung der Künstlerin Paula Gehrmann und des Koordinators Lars Rummel

»Schon immer lebte das bewegte Bild von Illusionen. In der der Virtual Reality finden sie einen neuen Höhepunkt.( … )Wahrnehmung besteht aus Sinneseindrücken, die imitiert, getäuscht, manipuliert, ergänzt und in den schönsten Farben ausgedrückt werden können. Die menschliche Wahrnehmung ist aber keine feste Größe, sie ist vielmehr individuell und situativ…«

Aha. So steht es auf der Programmseite vom DOK über die interaktive Ausstellung »DOK Neuland«. Ich hätte also schon ahnen können, was mich erwartet, aber irgendwie ist die Ausstellung bisher an mir vorbei gegangen.

Und so stolpere ich am verregneten späten Mittwochnachmittag in dieses iglu-ähnliche Zelt auf dem Marktplatz. Ich habe nämlich meinen Film verpasst, weil das Filmgespräch vom Film vorher so lange gedauert hat. Zu spät ins Kino kommen ist blöd und peinlich. Koordinator Lars Rummel, der mich am Eingang empfängt, grinst: »Das ist einer der Gründe, warum wir diese Ausstellung machen«“ Was mich aber gleich erwartet ist vielmehr als schnöder Zeitvertreib.

Insgesamt beinhaltet die Ausstellung sechs interaktive Arbeiten. An jeder Station stehen Besucher an. Einige tragen komische, eckige Brillen und Kopfhörer und machen seltsame Bewegungen. Sie drehen sich um sich selbst und bewegen den Kopf hin und her. Äußerst amüsant anzusehen.

Ich entscheide mich für »My Lonesome Hologram« von Nina Wesemann, Daniel Hengst, Frank Génot und Lars Ullrich.

Ich warte ungefähr 20 Minuten, dann werde ich an die erste von insgesamt drei Stationen geführt. Eine freundliche Mitarbeiterin interviewt mich, wir lachen viel und langsam werde ich richtig neugierig. Im zweiten Schritt werden Videoaufnahmen aus zwei Perspektiven von mir gemacht. Und dann bin ich auch schon bereit die Insel zu betreten. Ich bekomme auch diese komische Brille und Kopfhörer aufgesetzt, dazu erhalte ich einen Cursor mit dem ich mich in alle Richtungen bewegen kann. So und was dann passiert, kann man eigentlich kaum beschreiben, dass muss man selbst erleben. Ich versuche es an dieser Stelle trotzdem, ich bin nämlich restlos begeistert.

Ich stehe auf einer grünen Insel und vor mir steht: ICH!! Krass. Ich lass mich (oder besser mein Hologramm) erst mal stehen und »gehe« weiter. Aber gehen trifft es eigentlich nicht ganz, meine echten Füße stehen nämlich fest auf dem Boden und trotzdem bewege ich mich vorwärts. So wie gleiten ungefähr. Das ist echt abgefahren: mein Abbild bleibt auf der virtuellen Insel stehen und ich entferne mich virtuell davon, während mein echtes Ich mit einer albernen Brille auf dem Kopf in einer Ausstellung steht. Ich kann gar nicht anders und mein Körper fängt an sich zu bewegen und sich im Kreis zu drehen, während sich mein virtuelles Ich über die Insel bewegt und mein Hologramm stehen bleibt. »Es ist okay, ich passe auf dass du nirgendwo gegen läufst«, höre ich die Stimme meiner Ausstellungsführerin.

Die Insel ist voller Menschen, ich kann sie sehen und hören, aber sie sehen mich nicht. Das ist toll, wie ein unsichtbar-machender Mantel, welchen ich mir schon oft gewünscht habe. Aber es ist auch gruselig, niemand nimmt mich wahr, es ist als sei ich gar nicht da. Ich gehe auf die Menschen zu, ich sehe sie, ich höre sie und in dem Moment in dem wir zusammen stoßen müssten, gehe ich durch sie durch. Keine Interaktion ist möglich, gar keine.

Dann steuere ich auf einen Baum zu. Ich komme näher und näher. Und ich versuche nicht auszuweichen während mein Gehirn sagt: »Achtung Hindernis! Stopp!« In dem Moment des »Zusammenstoßes« erschrecke ich und reiße ich die Arme hoch und versuche mich abzufangen, aber da ist gar nichts. Häh?? Fast stolpere ich. Puh, das war knapp.

Irgendwann fühle ich eine echte Hand auf meiner Schulter, es ist an der Zeit die Insel wieder zu verlassen. Ich nehme die Brille ab und stehe wieder im Zelt von Neuland.

Erklären kann ich das nicht, was mir hier gerade passierte, aber ich bin tief beeindruckt. Faszinierend und total beeindruckend und gleichzeitig etwas gegruselt. »Was wenn in Zukunft alle in ihrer eigenen Welt rumlaufen? Was wenn sich Realität und Virtualität immer mehr vermischen, bis niemand sie mehr auseinander halten kann? Und was ist eigentlich echt?«, frage ich mich kurz. Ein beunruhigender Gedanke, aber bis es so weit ist kann ich die Brille aufsetzen, jede Menge Spaß haben, spannende Erfahrungen sammeln und sie wieder absetzen.

Die Ausstellung ist kostenlos und jeder darf mitmachen.

1.11.–5.11., 12–20 Uhr, Leipziger Marktplatz

Tägliche Guided Tours: 15–16 Uhr

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