anzeige
Dokblog 2016

Verstellt

»Intensity of Watching« von Andrzej Sapija

  Verstellt | »Intensity of Watching« von Andrzej Sapija

Kazimierz Karabasz gilt als der wichtigste Dokumentarfilmer der polnischen Nachkriegszeit. Die in den 50er Jahren begründete »Karabasz-Schule« verschrieb sich dem »einfachen Menschen« und beeinflusst bis heute den polnischen Dokumentarfilm. Mit einem schlichten und prägnanten Stil wurden Menschen in ihrem alltäglichen Umfeld portraitiert, vor allem Arbeiter – allerdings ohne den bis dato vorherrschenden ideologischen Zeigefinger. Karabasz war überzeugt, dass derartige Portraits aus jedem etwas Besonderes und Ungewöhnliches machen, dass es nur auf die Art des Blicks ankommt, mit der die Person betrachtet wird.

Andrzej Sapijas Film »Intensity of Watching« versucht eine Annäherung an die Kunst und das Leben dieses Mannes. Sapija war Karabaszs Schüler an der Filmakademie Łódź, an der er heute selbst unterrichtet. »Intensity of Watching« ist Kunststück und Ehrerbietung in einem, und verheddert sich trotzdem immer wieder in den kitschigen Tönen klassischer Musik, mit der die Dokumentation unterlegt ist. Sapijas Wunsch war offenkundig, dem Zuschauer klar zu machen, mit welchem Schwergewicht des polnischen Films er es hier zu tun hat. Das gelingt. Aufkommende Neugier auf Karabaszs Schaffen und die kaleidoskopartige, sehr schöne Zusammenstellung von Ausschnitten aus Werken und Interviews mit Karabaszs Kollegen werden dennoch von der Akribie verstellt, mit der sich Sapija an die Verfilmung von Karabaszs Kunstkonzept gemacht hat. Etwas weniger dick aufzutragen, hätte dem Film gutgetan.

»Intensity of Watching«: Polen 2016 | 72 min | Internationales Programm, Retrospektive Polnischer Dokumentarfilm | R: Andrzej Sapija | polnisch | englische Untertitel | Weltpremiere

Polnisches Institut: 4.11., 17:00


Kommentieren


0 Kommentar(e)